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Elektronische Gesundheitskarte

Ärzte laufen Sturm gegen die geplante elektronische Patientenakte

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von Sascha Alexander (Redakteur Computerwoche)
Die mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) vorgesehene zentrale Speicherung von Patientendaten stößt weiter auf große Sicherheitsbedenken. Ärzte haben jetzt ein alternatives Konzept vorgeschlagen.

Laut Klaus Bittmann, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes, habe eine Pannenserie in Großbritannien erst kürzlich wieder gezeigt, welche Risiken ein sorgloser Umgang mit Patientendaten berge. Mehr als 160 000 auf einer CD gespeicherte Datensätze des staatlichen Gesundheitsdienstes NHS waren kurz vor Weihnachten spurlos verschwunden. Bittmann, dessen Verband die niedergelassenen Ärzte in Deutschland vertritt, habe aus dem Zwischenfall einmal mehr den Schluss gezogen, dass sensible Patientendaten in ein verlässliches und sorgsam gepflegtes System gehören. Eine zentrale Speicherung in einer Datenbank, wie sie laut Bittmann das Bundesgesundheitsministerium (BMG) mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte plane ", sei aber aufgrund technischer Risiken nicht der richtige Ansatz.

Speicherung auf einer USB-fähigen Karte

Die von den Spitzenverbänden und dem BMG mit der Projektkoordination betraute Gesellschaft für Telematik-Anwendungen der Gesundheitskarte (Gematik) müsse die Zentralspeicherung von Patientendaten dringend überdenken und Alternativlösungen prüfen, forderte Bittmann jetzt in einem Schreiben. Selbst in einem nationalen Gesundheitswesen wie dem britischen NHS setze man nicht auf Zentralspeicherung. Stattdessen würden im Vereinigten Königreich derzeit große regionale Datenbanken aufgebaut, die miteinander verknüpft sind. Bittmann plädiere dafür, Patientendaten auch hierzulande in möglichst kleinen Einheiten zu speichern. Eine echte Alternative sei die vom NAV-Virchow-Bund favorisierte USB-Lösung. Die Daten werden auf der karteneigenen Datenbank gespeichert und können nur bei Vorlage der USB-Karte geöffnet und verändert werden. So bleibt der Patient Herr seiner Daten", betont Dr. Bittmann. "Bislang halte die gematik jedoch stoisch an einem System fest, das längst von neuen, besseren Lösungen überholt wurde. Statt die Augen vor Alternativmodellen zu verschließen, sollten diese endlich vorbehaltlos getestet werden."

Noch keine Entscheidung gefallen

Während Ärzte und Apotheker seit Monaten gegen die Pläne einer zentralen Patientenakte Sturm laufen, wenden Vertreter der Krankenkassen und die Gematik ein, dass es überhaupt noch keine Entscheidung bezüglich der technischen Umsetzung der elektronischen Patientenakte gebe. Manche Kassenvertreter werfen den Ärzten daher Panikmache vor ("gläserner Patient"). Laut Gematik-Geschäftsführer Dirk Drees arbeite man derzeit noch an den fachlichen Spezifikationen von Release 3 und damit den Details bezüglich der Patientenakte. Diese soll einmal die letzte Ausbaustufe der Telematik-Infrastruktur für die elektronische Gesundheitskarte bilden. Bisher wurden überhaupt erst einzelne Basisfunktionen der Gesundheitskarte erprobt und der Zeitplan verschoben.

Alles Panikmache?

Dennoch sieht Michael Martinet, Projektleiter der DAK, Deutschlands größtes IT-Projekt auf dem Weg. "Trotz mancher Ernüchterung bleibt der Druck zum Handeln auf alle Beteiligte bestehen, denn 2008 kommen die Karten". Auch bei der seit Monaten heftig geführten Debatte zwischen den Interessenverbänden bezüglich der Kostenverteilung, erwartet Martinet Fortschritte. So laufen aktuell Vertragsverhandlungen zwischen den Spitzenverbänden der Ärzteschaft und den Leistungserbringern. Hier soll es bald konkrete Ergebnisse geben, um die vertraglichen Grundlagen des Gesamtprojekts zu stärken. Ein Problem bleibe aber der schlechte Informationsstand bei vielen Ärzten über die Einführung der eGK: "Da wird von einem zentralen Datenspeicher für alle Patientendaten gesprochen, auf den alle zugreifen könnten. Das ist totaler Quatsch, weil es bisher noch überhaupt kein Konzept gibt."

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