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Enterprise Resource Planning

Turbo für ERP-Software

SAP-Gründer Hasso Plattner plädiert für In-Memory-Datenbanken

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von Frank Niemann(COMPUTERWOCHE-Redakteur )
Der SAP-Mitgründer und Chairman hat klare Vorstellungen, wie sich Geschäftsanwendungen weiterentwickeln sollten: Durch spaltenorientierte Speicherung von Datenbankinformationen und Datenhaltung im Arbeitsspeicher ließen sich die Auswertung von Informationen, aber auch die Transaktionsverarbeitung dramatisch beschleunigen.

Wie bereits auf der Sapphire in Orlando/Florida vor einigen Wochen referierte der SAP-Mitgründer und Chairman nun in Deutschland über die Möglichkeiten, sämtliche Daten einer Geschäftsapplikation im Hauptspeicher zu halten und dadurch die Antwortzeiten stark zu verkürzen (siehe "Plattner: So lassen sich Antwortzeiten bei ERP-Systemen verkürzen"). Auf der "SAP World Tour 2009" in Mannheim wurde Plattner jedoch deutlich konkreter. Neben der In-Memory-Technik eröffne sich mit der spaltenorientierten Speicherung von Daten ein Weg, die Anwendungs-Performance hochzuschrauben. Spaltenorientierte Verarbeitung biete gegenüber dem heute vorherrschenden satzorientierten Datenbankverfahren viele Vorteile.

Vermeidbare Speicherbewegungen im SAP-Rechnungswesen

Für Transaktionen würden beispielsweise nur die Felder herangezogen, die für die Verarbeitung auch tatsächlich erforderlich sind. Heute umfasse der Datensatz in der SAP-Buchhaltung 319 Felder. Der Umfang sei nötig, da das Rechnungswesen zahlreiche Steuersysteme und Landesversionen abdeckt. Für eine Transaktion würden zwar meist nur 20 von diesen Feldern gebraucht, gleichwohl müssten alle 319 in den Speicher geladen werden. Hinzu komme, dass der überwiegende Teil der Funktionen von Software für Enterprise Resource Planning (ERP) mehrere gleichartige Datensätze verarbeite. Die Anzahl der im Speicher zu bewegenden Felder, die eigentlich nicht benötigt werden, nehme so rapide zu.

Durch ein spaltenorientiertes Speicherkonzept ließe sich nach Plattners Überzeugung die Menge an zu bewegenden Daten auf ein Zehntel reduzieren. Noch mehr könnte gespart werden, wenn die Software die Informationen komprimiert abspeichert. Auf diese Weise sinke der Speicherbedarf deutlich, so dass Unternehmen ihre kompletten Geschäftsinformationen in den Arbeitsspeicher laden könnten. Ohnehin schleppen dem SAP-Urgestein zufolge zahlreiche Unternehmen eine Menge ERP-Daten mit, auf die keiner mehr zugreift. "Da die ERP-Nutzer im Schnitt nur alle acht bis zehn Jahre ihre Datenbanken reorganisieren, haben sie so viele Daten", erläutert Plattner. Viele dieser Informationen seien aber allenfalls für eine Revision erforderlich.

SAP TREX arbeitet spaltenorientiert

SAP selbst macht bereits von spaltenorientierten Datenbankverfahren und In-Memory-Technik Gebrauch, und zwar innerhalb der Basistechnik TREX. Letztere nutzt der Konzern beispielsweise im hardwaregestützten "Business Warehouse Accelerator" (BWA) und in der Suchmaschine "Netweaver Enterprise Search" (siehe auch "Trends bei Search Engines für Unternehmen"). In einer Demonstration zeigte SAP, wie sich im BWA komplexe Auswertungen über 366 Millionen Datensätze quasi auf Knopfdruck vornehmen lassen. Als Frontend diente die unlängst präsentierte Software "Business Objects Explorer". Bei den Daten handelte es sich um anonymisierte Informationen eines Handelskonzerns.

Im Gegensatz zu satzorientierten Datenbank (links auf dem Schaubild) bieten spaltenorientierte Datenbankverfahren einige Vorteile in Sachen Speicherauslastung und Geschwindigkeit.
Im Gegensatz zu satzorientierten Datenbank (links auf dem Schaubild) bieten spaltenorientierte Datenbankverfahren einige Vorteile in Sachen Speicherauslastung und Geschwindigkeit.
Im Gegensatz zu satzorientierten Datenbank (links auf dem Schaubild) bieten spaltenorientierte Datenbankverfahren einige Vorteile in Sachen Speicherauslastung und Geschwindigkeit.

Plattner zufolge wären In-Memory-Technik und spaltenorientierte Verarbeitung dazu geeignet, die Datenverarbeitung innerhalb der SAP-Geschäftssoftware leistungsfähiger zu machen. Die möglichen Verbesserungen ließen sich seiner Überzeugung nach durch die Optimierung herkömmlicher Datenbanken - etwa mittels Reorganisation - nicht erreichen. Selbst komplexe Abfragen und Berechnungen, die heute im ERP-System viel Zeit in Anspruch nehmen, können nach Plattners Worten mit Hilfe der Datenbanktechnik innerhalb von Sekunden abgearbeitet werden: "Festplatten braucht man dann nur noch zum Archivieren von Daten, zum Logging sowie zum Wiederanlauf von Applikationen." Darüber hinaus ließen sich zahlreiche Berechnungen in die Datenbank verlagern, die heute von der Geschäftslogik der Anwendungssoftware erledigt werden.

Softwarespezialisten am Hasso Plattner Institut in Potsdam beschäftigen sich seit zwei Jahren intensiv mit entsprechenden Entwürfen. Der SAP-Chairman finanziert das Institut komplett, hält als Professor Vorlesungen und leitet das Fachgebiet Enterprise Platform and Integration Concepts.

(1 Beitrag), 
Kommentieren
pbonin
Wenn ich mir die Ausführungen von Herrn Plattner so anhöre, dann befällt mich als Software Berater "Wehmut". Wieder einmal wird die rasante Entwicklung im Hardware Bereich dazu genutzt, um höhere Performance bei Software Dinosauriern wie z.B. SAP ERP zu gewährleisten. Als ich als Berater anfing wurde uns gepredigt, wir sollten den Kunden auch den Gedanken des "Business Process Engineering" nahelegen, um SAP getriebene Projekte zu optimieren. Wieso eigentlich kommen die großen Softwareanbieter wie z.B. SAP, ORACLE und andere eigentlich nie auf die Idee, einmal im eigenen Hause gewissermaßen ein "Software Process Reengineering" zu betreiben. Jeder, der sich mit Business Software auskennt, weiß, dass nach einer gewissen Lebenszeit einer Software Lösung 20 - 30 % des Codings obsolet geworden, somit "reengineered" werden kann. Aus m.E. oft vorgeschobenen Gründen - Zeit + Geld - nimmt man sehr schnell davon Abstand .... und packt die Software Monster lieber auf noch größere Rechner mit noch mehr Hauptspeicher, siehe Hasso Plattner ! Und das wird dann als große Innovation verkauft ! Stimmt auch, doch diese wird fastausschließlich von Hardware Entwicklern geliefert, während sich die Herrschaften aus der Softwareentwicklung schön in der "Komfortzone" einrichten. Und die Anwender - nicht nur im Business, sondern auch im Home Bereich -, werden von Produkten "gequält", von denen sie maximal 10 % des Funktionsumfangs nutzen. Peter Bonin zum Beitrag


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