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Enterprise Resource Planning

Ratgeber

Zehn Kardinalfehler der ERP-Auswahl

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Ausgewählt ist ein ERP-System mitunter schnell. Doch wenn sich ein Anwender für das falsche Produkt entscheidet, wirken die Fehler lange nach. ERP-Experte und Buchautor Christian Riethmüller von der Beratungsfirma Cerpos nennt die schlimmsten Fehler bei der ERP-Auswahl.

Die zehn Kardinalfehler der ERP-Systemauswahl müssen nicht gleichzeitig auftreten, um ein Auswahlverfahren zu gefährden oder in den Misserfolg zu treiben. Schon ein Fehler kann reichen, um die Arbeit, die in die Systemauswahl investiert wurde, zu vernichten.

Die im Folgenden angeführten Fehler resultieren aus ERP-Projekten, die der Autor nachträglich übernehmen durfte oder über die er Informationen erhalten hatte. Die Überschriften nennen typische Fehler. Darunter sind jeweils Teilfehler aufgeführt, die bereits allein ein Projekt gefährden können

1. Dem Auswahlprojekt fehlt die richtige Projektorganisation.

Dem Kernteam gehören nicht die Mitarbeiter mit der fachlich höchsten Qualifikation an.

Das Kernteam ist variabel, die Mitarbeiter wechseln, damit ist keine Kontinuität in der Beurteilung der Systeme gewährleistet.

Dem Kernteam steht nicht genügend Zeit für die Auswahl zur Verfügung.

Das Kernteam der Systemauswahl ist nicht mit der Einführung und Inbetriebnahme des neuen Systems betraut.

Die Organisation des Auswahlprozesses ist nicht geklärt, Entscheidungsabläufe und Wissensbildungsprozesse haben keine hinreichenden Regeln, die Funktionen, Aufgaben des Projektteams sind nicht geregelt.

Der Auswahlprozess wird mit Regeln hinsichtlich Abstimmung, Einstimmigkeit, Dokumentation überfrachtet, die eine zielgerichtete Bearbeitung erschweren.

Die Interessen der Fachabteilungen werden innerhalb des Auswahlprozesses nicht entsprechend ihrem Gewicht im Unternehmen vertreten. Gleichermaßen kritisch ist, wenn eine Abteilung die Auswahl mit einem eigenen Auswahlprofil dominiert.

Schwerpunktbildungen führen zur Verzerrung der Systemauswertungen. Aufgaben, Funktion und Befugnis eines externen Beraters sind nicht hinreichend geregelt.

Die Kommunikation zwischen den Fachabteilungen sowie zwischen dem Unternehmen und dem Systemanbieter wird vernachlässigt, was auf der einen Seite zu Doppelarbeiten führt, aber auch zu kontraproduktiven Arbeitsergebnissen.

Die Kommunikation im Projektteam wird nicht gepflegt, das Team ist nicht auf demselben Informationsstand. Eine Ampelfunktion kann helfen, in jeder Gesprächsrunde den Projektfortschritt darzustellen.

Das Unternehmen verzichtet auf Coaching durch einen externen Berater mit erheblichen Marktkenntnissen und Systemerfahrungen.

Das Unternehmen hat einen externen Projektleiter beauftragt, dem die Auswahl allein übertragen ist. Damit ist das Projekt extern gelenkt. Doch dem externen Projektleiter werden nicht die internen Mitarbeiter mit der erforderlichen Fachqualifikation zur Seite gestellt.

Die externe Beratungsunterstützung endet mit der Auswahl des Systems.

Das Auswahlverfahren dauert zu lange; es wird genau das eine System gesucht, das alles erfüllt. Allerdings gibt es dieses eine perfekte System nicht. Weil das Projekt nicht zum Ende kommt, werden die beteiligten Personen letztendlich demotiviert.

(1 Beitrag), 
Kommentieren
axelangeli
Eine sehr gute und zutreffende Analyse, warum viele Projekte bereits im Anfangsstadium auf ein Abstellgleis geleitet werden. In unserem Fall haben wir im Wesentlichen dieselben Kriterien für die Auswahl von Produkten, Leistungen und Strategien im Umfeld von SOA aufgestellt. Tauscht man in diesem Artikel ERP gegen SOA hat man dasselbe Bild für das Trendthema. Besonders positiv finde ich, dass der Autor den Punkt betont, dass den Anbietern oft nicht ausreichend Zeit und Gelegenheit gegeben wird, die Produkte zu präsentieren. Da wir diese bei unserem Coaching von Produktauswahl sehr entscheidend finden, hier noch eine kleine Anmerkung: Wichtig ist es, dass die Präsentationen ausführlich vorbereitet werden. Es genügt nicht, den Anbieter einzuladen und einfach machen zu lassen. Vielmehr muss die Präsentation und die Anforderung mit jedem Anbieter im Vorfeld ausführlich durchgesprochen werden, bevor es zur Vorstellung kommt. Unsere Empfehlung ist hier, dass alle Anbieter in der engeren Auswahl an einem einzigen Workshop konkurrierend präsentieren. Die Möglichkeit, das Angebot der Konkurrenz zu sehen gibt allen die Chance Einwände zu machen, wenn einzelne Features zu optimistisch dargestellt werden. Gleichzeitig sorgt eine offene Präsentation dafür, dass die dargestellten Leistungen realistischer werden, da die Konkurrenz häufig sehr gut Bescheid weiß und entsprechend einwenden wird. Dieser Workshop sollte als zentraler Event der Auswahl vorbereitet sein. Dazu nimmt man einen erfahrenen Coach für Produktauswahl, meistens von Extern, denn inhouse gibt es solche Leute meistens gar nicht. Neben Spezialberatungsfirmen eignen sich auch erfahrenen Silberrücken aus dem Projektmanagement, der muss nicht notwendiger aus der IT sein, aber ein erfahrener Diplomat. Allerdings muss der Moderator zuvor die Anforderungen des Projektes sehr gut selber kennen; Kenntnisse über das auszuwählende Themengebiet schaden aber nicht. Zuvor bereitet der Moderator in einem Einzelgespräch mit jedem der Anbieter vor, was vorgetragen werden muss und welche Fragen beantwortet werden müssen. Danach sollte ausreichend Zeit gegeben werden, die Präsentation vorzubereiten. Vier Wochen sind hier die Norm für die Inkubationszeit. Geht man nach diesem Verfahren vor, werden auch viele der anderen Schwachstellen automatisch entlarvt. Der Coach kompensiert dass ggf. zu geringen Engagement oder die Überrepräsentanz einzelner Fachbereich. Auch sorgt der externe Coach als Schiedsrichter für eine Objektivität. Kommt er von draußen, muss man ihm auch Dinge erklären, die vermeintlich selbstverständlich sind. Wird der Workshop in der Größe vom Management verweigert, ist wenigsten bereits klar, dass die Auswahl nicht seriös oder objektiv betrieben werden soll. Wie gesagt, wir verwenden das Verfahren vor allem für die Auswahl von SOA und ESB-Lösungen, da ist es noch viel dringender aufgehoben. zum Beitrag


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