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Enterprise Resource Planning

ERP-Einführung

Verbiege ich die Software oder meine Firma?

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Bei jeder ERP-Einführung müssen sich die Verantwortlichen fragen, wie stark sie die eigenen Abläufe und die Software anpassen. Darüber diskutierten Anwender, ERP-Hersteller und unabhängige Experten.

Thomas Reich ist IT-Leiter bei der Firma Alfons Haar Maschinenbau. Im Jahr 2002 und damit vor Reichs Eintritt hat das Unternehmen die ERP-Lösung "Infor.com" eingeführt. Damals wurde eine veraltete Applikation auf Basis der IBM-Midrange-Plattform "S/36" abgelöst. Die alten Prozesse wurden in der neuen ERP-Software abgebildet. Rund 1000 Modifikationen weist Infor.com heute auf. Warten lässt sich die Lösung nur mit viel Aufwand. So manche Anpassung wurde für Mitarbeiter eingerichtet, die mittlerweile nicht mehr im Unternehmen sind.

"Wir wollen nun einen anderen Weg gehen", lautet Reichs Devise. Das könne ein anderes ERP-Produkt sein, aber auch der Umstieg auf ein neues Release der bestehenden Business-Applikation.

Ein krasses Gegenbeispiel schildert Markus Hirth, IT-Chef der John GmbH aus Freilassing. Sie hat im Rahmen der Einführung der ERP-Software "Semiramis", die heute zu SoftM gehört, die Firmenstruktur nach der Software ausgerichtet. Man kam dabei mit wenigen Modifikationen aus. "Bei uns war das vergleichsweise einfach: Wir haben 40 User, und ich war Key User und Projektleiter in einem, konnte somit die Prozesse einfach festlegen. Dafür konnten wir auf die im ERP-System angelegten Standardabläufe zugreifen." Gleichwohl sei das System flexibel. "Innerhalb von etwa sechs Monaten habe ich das Altsystem abgelöst, dessen Daten übernommen und die Anwender mit der neuen Software vertraut gemacht."

Differenzierung über Prozesse

Viele Anwender dürften sich irgendwo zwischen Alfons Haar Maschinenbau und John wiederfinden. "Das hängt stark von der Bereitschaft und der Fähigkeit der Unternehmen ab, Prozesse zu standardisieren", kommentiert Andreas Naunin, Direktor Mittelstand bei SAP Deutschland. "Wenn ich mich über Prozesse differenziere, dann muss ich sorgfältig überprüfen, ob ich sie zugunsten einer neuen ERP-Software anpasse." Wer jedoch eine ERP-Applikation modifizieren wolle, müsse sicher sein, das auch schaffen zu können: "Individuelle Anpassungen führen zu mehr Komplexität. Je kleiner die Unternehmen, desto geringer die Manpower dafür."

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