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Enterprise Resource Planning

Benioff und Plattner streiten um den richtigen SaaS-Ansatz

Salesforce.com bietet SAP Nachhilfe in SaaS an

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In einer hitzigen Debatte zwischen Salesforce.com-CEO Marc Benioff und SAP-Gründer Hasso Plattner über die Zukunft von Enterprise Software drehte sich alles um Vorzüge und Nachteile von On-Demand-Applikationen - neudeutsch Software as a Service (SaaS).

Firmen wie SAP haben Probleme, im On-Demand-Geschäft Fuß zu fassen, provozierte Benioff in der Diskussion seinen Gegenüber Plattner. Außerdem hätten die klassischen Anbieter von Business Software bislang kaum Kunden für ihre Mietsoftware. Doch Salesforce.com habe eine Lösung für diese Schwierigkeiten. SAP könne seine Business Applikationen auf der On-Demand-Plattform von Salesforce.com betreiben. Das Gelächter der Publikums quittierte er mit dem Hinweis: "Das ist kein Scherz."

Ob Benioff sein Angebot nun ernst gemeint hat oder nicht, dürfte das Geheimnis des Salesforce.com-CEOs bleiben. Die Debatte im Computer History Museum im Silicon Valley, die vom Churchill Club als Diskussion über die Zukunft von Enterprise Software angekündigt worden war, war von Anfang an eine emotionsgeladene Auseinandersetzung über Vorzüge und Nachteile des On-Demand-Modells gegenüber On-Premise-Applikationen.

"Überschätzen Sie Ihre Plattform nicht", entgegnete Plattner auf das Angebot Benioffs. Allerdings sei er sich nicht sicher, ob der Salesforce.com-CEO diesen Rat annehmen werde, da Benioff noch recht jung sei. Große Unternehmen funktionierten zu komplex, argumentierte der SAP-Gründer. Daher reichten generische On-Demand-Services nicht aus, um sie zu steuern.

Zwar gebe es mittlerweile durchaus komplexe Software, die Anwender über das Internet nutzen könnten. Plattner nannte als Beispiel "Google Earth". Allerdings müssten sich die Nutzer auch der Grenzen dieser Anwendungen bewusst sein. Es sei beispielsweise nicht möglich, Google Earth anzupassen oder zu verändern. Man müsse deshalb erst lernen, wie Softwareservices zu nutzen seien.

Teile dieses Lernprozess habe SAP bereits hinter sich, berichtete Plattner. Mit dem Marktauftritt von R/3 im Jahre 1993 habe er geglaubt, ein perfektes Softwaresystem herausgebracht zu haben, das die Kunden nicht modifizieren müssten. Darin habe sich SAP jedoch geirrt. Je mehr Unternehmen die Software einsetzten, desto mehr habe man erkennen müssen, dass die Anwender das ERP-System an ihre eigenen Bedürfnisse anpassten. "Wir haben die Schlacht verloren", räumte Plattner ein. "Wir können den Unternehmen nicht verbieten, unsere Software zu modifizieren."

SAP-Gründer Hasso Plattner (rechts) wollte die Einladung von Salesforce.com-CEO Marc Benioff, die SAP-Anwendungen auf der On-Demand-Plattform des Konkurrenten anzubieten, nicht annehmen.
SAP-Gründer Hasso Plattner (rechts) wollte die Einladung von Salesforce.com-CEO Marc Benioff, die SAP-Anwendungen auf der On-Demand-Plattform des Konkurrenten anzubieten, nicht annehmen.
SAP-Gründer Hasso Plattner (rechts) wollte die Einladung von Salesforce.com-CEO Marc Benioff, die SAP-Anwendungen auf der On-Demand-Plattform des Konkurrenten anzubieten, nicht annehmen.
Foto: Benioff Plattner

Der Wunsch nach individuell angepasster Software sei kein Widerspruch zu On-Demand, entgegnete Benioff. Im Grunde könne man heute alle Prozesse, die ein Unternehmen für die Steuerung seines Geschäfts benötige, als Software-as-a-Service (SaaS) abbilden. "Die Paradigmen unserer Industrie verändern sich - das ist die Realität", stellt der Salesforce.com-Chef fest. "Heute entsteht eine neue Industrie für Enterprise Software".

Firmen wie SAP würden dies bestreiten und klammerten sich an die Vergangenheit, höhnte Benioff. Enterprise Software nach dem überholten Pradigma sei nur etwas für die großen und reichen Unternehmen. Habe ein Kunde nicht genügend Geld, dann würden Anbieter wie SAP gar nicht mit ihm sprechen. "On-Demand gleiche dagegen einer Heirat - nicht einem One-Night-Stand wie in der überholten Softwareindustrie." Dabei lieferten die Anbieter lediglich eine CD beim Kunden ab und interessierten sich nur noch für ihn, um Wartungsgebühren zu kassieren oder um neue Versionen und zusätzliche Software zu verkaufen.

Plattner: Salesforce.com hatte ein gute Zeit

"Salesforce.com hatte eine gute Zeit, aber jetzt übernehmen wir", konterte Plattner. Es gehe jedoch nicht um einen Kampf zwischen SAP und Salesforce.com, sondern grundsätzlich um das SaaS-Modell. Der SAP-Gründer stellte die Frage, ob Anwender bereit seien, ihre Produktionszahlen, Kundenlisten und Auftragsbücher im Netz abzulegen. Viele Unternehmen hätten damit ein Problem, so seine These. "Wir dürfen die Grenzen des Modells nicht aus den Augen verlieren."

Plattner erwartet, dass viele Firmen zunächst einmal Hybrid-Modelle aus On-Demand- und On-Premise-Applikationen ausprobieren werden. Den Vorwurf, SAP habe den SaaS-Zug verpasst, weist er zurück. 2500 Entwickler arbeiteten an der On-Demand-Lösung Business ByDesign. Das System sei konsistent, in höchstem Maße integriert, mit 2100 Schnittstellen sehr flexibel und profitiere zudem von der Funktionsvielfalt der anderen Business-Lösungen. Es sei fraglich, ob Salesforce.com in der Lage sei, angesichts der wachsenden Zahl von Softwareservices den Überblick und die Kontrolle über die Schnittstellen auf seiner Online-Plattform zu behalten.

"Wir haben unsere Lektion gelernt", gibt sich Plattner selbstsicher. Sollte dagegen Salesforce.com versuchen, ein komplettes Unternehmen mit seiner Servicelösung abzudecken, "würde ich mich zu Tode fürchten".

Plattner: Unser CRM-on-Demand war schlecht

"Sie haben 2500 Entwickler, 2100 Schnittstellen und doch keinen Erfolg bei den Kunden", stichelte Benioff zurück. Der Salesforce.com verwies auf einen Deal mit dem Chemie-Riesen DuPont, den Salesforce.com gegen SAP gewonnen habe. Das habe an dem schlechten CRM-on-Demand von SAP gelegen, räumte Plattner ein, und daran dass Salesforce.com eine bessere Software aufgeboten habe. "Können Sie das wiederholen, die Zuhörer in den hinteren Reihen haben das nicht gehört", feixte Benioff unter dem Gelächter des Publikums. Plattner jedoch verwies auf einen großen Kunden, der sich für ein CRM-System von SAP und gegen Salesforce.com entschieden habe - ohne aber den Namen zu nennen. "Lachen Sie nicht zu früh", warnte er. "Wir schlagen zurück." (ba)

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