Endlich verspricht uns ein Hersteller die Verbindung zwischen Fachbereichen und IT
Seit heute Vormittag findet in Berlin die IDS Scheer AG / Software AG Process World 2010 mit Vorträgen der bekannten IDS Scheer Größen statt.
Bevor ich auf die aus meiner Sicht interessanten Inhalte eingehe, die bis jetzt auf der Veranstaltung bekannt gegeben wurden möchte ich kurz etwas zum Gesamteindruck sagen (auch wenn das vielleicht als Fazit unten stehen sollte). Wer also danach nicht weiterlesen möchte…
Die IDS Scheer Process World wird von Jahr zu Jahr kleiner. Waren im vergangenen Jahr noch die großen Hersteller (IBM, Microsoft, Oracle und SAP) alle als Sponsoren vertreten, so findet man in diesem Jahr nur noch SAP. Und auch diese nur als „kleiner“ Platin und nicht als Diamond Sponsor (vielleicht war deshalb der SAP Stand in der meisten Zeit in der ich an ihm vorbei ging unbesetzt…). Es scheint, als würde die stärkere Einbindung der IDS Scheer AG in die Software AG erste Opfer kosten.
Auch auf der Teilnehmerseite muss ich sagen, dass gefühlt deutlich weniger anwesend sind als letztes Jahr. Diese Aussage beruht zwar auf einer subjektiven Einschätzung, aber abgehängte Bereiche im großen Raum der Keynote um diesem „die Größe“ zu nehmen sprechen für sich.
Soweit also recht bescheiden (was aber ja nicht zwangsläufig ein Nachteil sein muss… aber bisher leider war).
Gab es denn wenigstens spannende Inhalte?
Als erstes die personelle Nachricht aus der Einleitung von Peter Gerard. Er wird im Sommer sein Mandat als CEO bei der IDS Scheer AG niederlegen. Das als Eröffnung vor der Keynote macht Mut. Aber es sollte die Anleger beruhigen. Im letzten Frühjahr sagte er noch „ich bleibe bis die Marge wieder zweistellig ist“. Das wird sie dann ja wohl sein… (http://www.computerwoche.de/software/soa-bpm/1891491/)
Die fachliche Nachricht über allem ist, dass mit der Verbindung zwischen der IDS Scheer AG und der Software AG endlich die Verbindung zwischen fachlichem BPM und der IT Ausführung geschlossen werden wird (Konjunktiv). Na da bin ich aber platt!
Wolfram Jost stellte in der Key Note den neuen Business Process Excellence Life-Cycle vor, der auf der Abstimmung der Produkte beider Unternehmen beruht. Dieser setzt sich zusammen aus:
- Strategize
- Design
- Implement
- Compose
- Execute
- Monitor
Als Schnittstellen zwischen beiden Unternehmen wurden die Domänen Implement und Monitor gesehen. Dort arbeitet man an der Integration der Produkte. Ziel ist es, eine Übergabe der Modellinhalte zwischen Fachbereichen und IT zu erzielen. An dieser Stelle hatte ich ein Deja-vu. Diese Absicht höre ich jetzt von diversen Herstellern schon seit Jahren. Besonders amüsiert war ich, weil in der Präsentation von Georg Simon fast genau die Folien auftauchten, welche von der IDS Scheer AG schon im Jahr 2004 verwendet wurden. Ein kurzer Blick auf den Kalender hat mich dann aber wieder beruhigt was meine Präsenz in der Gegenwart betraf und beunruhigt was den Fortschritt der Werkzeughersteller auf diesem Gebiet angeht. Nichts Neues und keine wirklich Innovation. Sie haben es immer noch nicht begriffen, dass bis auf weiteres diese Integration nicht an Werkzeugen sondern an grundsätzlichen methodischen Fragestellungen scheitert die bisher niemand ernsthaft angeht. Auch wenn die Hersteller behaupten sie würden eine Methodik anbieten. Dies sind Bedienungsanleitungen. Genau das ist es aber nicht was wirklich fehlt. Mein Fazit an dieser Stelle ist, dass die IDS Scheer AG / Software AG gegenüber anderen großen Herstellern hinten liegt. Aus diesem Grund beeilte sich Wolfram Jost auch in seiner Präsentation die bestehenden Partnerschaften mit SAP, IBM, Oracle und Microsoft als besonders wichtig zu betonen.
Also inhaltliches Fazit: wenig Neues und an der Integrationsfront beider Hersteller viel Marketing
Eine spannende Information gab es aber dann doch, obwohl ich den Eindruck habe das eben diese im Marketingrauschen unter gegangen ist. Die IDS Scheer plant im nächsten Jahr das Meta-Modell von ARIS freizugeben. Das wird erheblichen Einfluss auf die Flexibilität haben mit der ARIS eingesetzt werden kann. Was dass allerdings für die Unternehmen (und letzten Endes dann auch für den Hersteller IDS Scheer) bedeutet stellen sich sicher viele noch nicht vor. Die Möglichkeit „frei“ am Metamodell „drehen“ zu können weckt bekanntlich Begehrlichkeiten bei den Benutzern. Als Beispiel möchte ich hier nur auf die Probleme verweisen die Hersteller von Modellierungswerkzeugen mit offenem Meta-Modell bereits heute haben. Die Reihe reicht da von IBM, über Casewise bis zu MID. Ich bin gespannt was dort kommt und wie die ARIS Gemeinde damit fertig wird.
Eine weitere interessante Neuigkeit ist der Ansatz des „Open Repositories“. Soweit wie ich verstanden habe, ist damit der freie Zugang zu den Inhalten im ARIS Repository für Analysezwecke auf Basis von Werkzeugen anderer Hersteller gemeint. Kommt damit endlich die ersehnte JAVA API? Mal sehen, vielleicht kann ich das noch herausfinden. Ich halte Sie auf dem Laufenden.
Grüße aus Berlin
PS: ich habe auch noch einen Bericht über die Gartner EA Konferenz in London vom Mai 2010. Diesen habe ich aber mit Rücksicht auf Gartner noch nicht veröffentlicht. Man kann ja nicht immer auf den armen Kollegen herum… nein…
Aber ich schreibe ihn noch, versprochen!
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