Danke Gulp! Endlich haben wir die Chance wieder etwas Normalität und Wahrhaftigkeit in unseren Arbeitsalltag einziehen zu lassen… hoffentlich
Lesen Sie selbst. Bei GULP werden die Ergebnisse einer Befragung von IT Experten zu den aktuellen „Trend-Themen“ der IT vorgestellt und mit dem „IT Hype Cycle“ von Gartner verglichen. Wirklich ernst zu nehmen sind nach der Umfrage nur zwei der propagierten „IT-Trends“.
Ich möchte die Ergebnisse nicht im Detail kommentieren, da es dazu bereits viele gute Beiträge im Netz gibt. Den Versuch einer Erklärung dieser wiederholt auftretenden Missverständnisse möchte ich aber einmal zur Diskussion stellen.
Auch hier gilt wieder mein bereits in vorhergehenden Beiträgen erläutertes Modell einer grundsätzlich unterschiedlichen Sichtweise angelsächsischer und kontinentaleuropäischer „IT-Kulturen“. Was für BPM im Kleinen gilt (s. Die Gartner Glaskugel – Rosige BPM Zukunft oder nicht?) kann auch auf die IT Welt als Ganzes übertragen werden. Die angelsächsische Kultur springt viel schneller auf neue Trends und Themen auf, probiert sie aus und spielt ein wenig damit herum. Wenn sich nach einer (häufig kurzen) Zeit kein wirtschaftlicher Erfolg einstellt wird das „Trendthema“ ohne viel Jammern beerdigt und man beginnt etwas Neues. Wir Kontinentaleuropäer sind da eher zurückhaltend. Wir beobachten, prüfen und diskutieren erst mal genau einzelne Details. Wenn wir dann irgendwann zu dem Schluss kommen das die Idee gut ist, dann wenden wir sie (mitunter immer noch zaghaft) in einzelnen Bereichen an. Viele Trends erleben deshalb die breite Anwendung erst spät (s. SOA) oder gar nicht. Leider scheint sich bei uns aber eine Situation etabliert zu haben, in der wir versuchen beide Vorgehensweisen irgendwie zu kombinieren. Das kann nur scheitern!
Damit Sie mich richtig verstehen, ich möchte keine der beiden Vorgehensweisen als besser oder schlechter kennzeichnen. Jede hat ihre Stärken und Schwächen (hierzu könnte man noch viel mehr aus empirischer Sicht anführen, was ich aber an dieser Stelle nicht mache).
Weil wir kontinentaleuropäisch Arbeiten, neue IT-Visionen aber meistens mit der angelsächsischen Brille verkauft bekommen, entsteht (bei mir) regelmäßig ein ungutes Gefühl wenn jemand die nächste IT-Sau durch das Dorf treibt.
Bitte liebe Analysten – und das schreibe ich jetzt aus der Sicht eines regelmäßig mit neuen Schlagwörtern und Trends konfrontierten Beraters – für uns Europäer wäre ein wenig Mäßigung gut. Aus meiner Erfahrung heraus betrachtet, glaubt ohnehin so gut wie kein IT Verantwortlicher in den Unternehmen in Deutschland mehr die Heilsversprechungen. Weder von Euch, noch von den Herstellern. Viel besser wäre es doch wenn wir realistisch und mit ausgewogenem Urteil auf die IT-Welt schauen. Das zahlt sich sogar aus. Nämlich in weniger Fehlschlägen, besseren Projektergebnissen und zufriedeneren Mitarbeitern die nicht permanent etwas Neues machen sollen / müssen. Dann schaffen wir es auch das von Betty Zucker so passend formulierte „Chronic Change Fatigue Syndrom“ zu vermeiden.
Ich jedenfalls habe meine Entscheidung getroffen. Hype-Begriffe verwende ich nur noch in homöopathischen Dosen.
Liebe Kollegen von Gartner, auch wenn ich schon wieder auf eine Eurer Analysen Bezug nehmen muss, so soll das doch nicht zu einem Dauerzustand werden. Ein wenig mehr Realitätssinn und Verständnis für die europäische und deutsche Sichtweise wären wünschenswert. Und dann lobe ich Euch beim nächsten Mal auch – versprochen!
In diesem Sinne – allen ein schönes Wochenende
Sehr guter Kommentar,
Sie sprechen mir aus der Seele
Grüße aus Karlsruhe,
Alexander
Ich bin auch kein Freund der angelsächsischen Oberflächlichkeit. Tortzdem ist die pseudowissenschaftliche Überheblichkeit der deutschen Informatiker auch nicht witzig. Es ist absolut irrelevant wie gut eine Architektur-Idee und/oder plnung ist wenn sie mittelfristig dem Benutzer – und NUR dadurch dem Unternehmen – keine Vorteile bringt. Kaum wird etwas Innovatives angeboten, wird es sofort bezüglich uralten Architektur vorgaben in der Luft zerissen. Auf der anderen Seite werden BPM und SOA zu dogmatischen Glaubensbekenntnissen erhoben ohne dass es die geringste wissenschaftliche Grundlage für deren Nutzen gibt. Dr. Allweyer hat noch nie mit seinen BPM Konzepten in einem Unternehmen langfristig einen Nutzen erzielt. BPM und SOA sind Informatikfallen die Millionen verheizen und aus denen man nur schwer wieder herauskommt. Eine Lösung die das alles auch kann OHNE diesen Aufwand zu benötigen kann ja nicht gut sein …