Laut Gartner können wir von dem BPM Markt in den kommenden 12 Monaten trotz internationaler Wirtschaftkriese ein Wachstum erwarten. Ist da etwas dran? Sehen wir uns doch die original Gartner Pressemeldung (http://www.gartner.com/it/page.jsp?id=1109412) genauer an und „übersetzen“ diese in verständliche Aussagen…
Gartner: „More than half of respondents plan to increase spending on BPM by more than 5 per cent in next 12 months”
Um diese Aussage in Deutschland einordnen zu können, müssen wir ergänzen wer die Befragten überhaupt sind und was sie unter BPM verstehen. Zum ersten Punkt macht Gartner leider nur rudimentäre Aussagen. Die betrachteten „IT Professionals“ wurden auf zwei Gartner Konferenzen mit Teilnehmern aus 34 Nationen in London und in San Diego befragt. Wer das genau war, aus welchen Ländern sie kamen und wo ihr BPM Arbeitsschwerpunkt liegt erkennt man nicht. In Anbetracht der aktuellen Sparsamkeit bei Geschäftsreisen gehe ich in London aber von zumeist britischen und in San Diego von US Teilnehmern aus.
Weiterhin behaupte ich dann, dass die befragten IT Professionals bei dem Begriff BPM hauptsächlich die angelsächsische Sicht vertreten, welche im Wesentlichen die Automatisierung von Prozessen mit Hilfe der Informationstechnologie betrachtet (Anmerkung: im kontinentalen Europa verstehen wir unter BPM die fachlich organisatorische und technisch ausführende Sicht gleichgewichtet nebeneinander).
Schlussfolgerung: Gartner verspricht uns ein BPM Wachstum im IT Bereich – nicht in fachlichen BPM Projekten.
In der Pressemitteilung heißt es weiter: „Only 23 per cent anticipated any degree of revenue decline, while 42 per cent anticipated some growth,…”.
Das bedeutet doch, dass immerhin 35% gar keine Veränderung erwarten. Zusammen mit den 23% die von einem Erlösrückgang sprechen, komme ich auf 58% die entweder keinen Effekt oder sogar einen Rückgang erwarten.
Übersetzung von mir: Die Mehrheit der IT Fachleute die bei Gartner in London und San Diego anwesend waren meinen, dass sich die Ertragssituation ihrer Unternehmen in den kommenden 12 Monaten nicht gravierend verändert oder die Erträge sinken.
Wie das direkt mit BPM zusammenhängt verschweigt Gartner. Allenfalls könnte man mutmaßen, dass Unternehmen mit sinkenden Erträgen nach Einsparmöglichkeiten suchen. Ich glaube in diese Richtung will Gartner das auch verstanden wissen. Wachstum sieht aber anders aus!
Sehen Sie sich weiterhin die nächste Aussage an.
Gartner verspricht folgendes: „Gartner predicts that BPM may be a way for companies to do more with less, and to free up more funding for growth and transformation initiatives”.
Das ist schon ziemlich nah am Perpetuum Mobile. Aber mal ernsthaft, glauben wir wirklich das man mit BPM kurz- oder mittelfristig in der Lage ist die Flexibilität der IT ohne signifikanten Aufwand im Vorfeld zu steigern? Wohl kaum.
Übersetzung von mir: BPM kann mittel bis langfristig helfen fachliche Prozesse und deren IT Unterstützung in Unternehmen zu verbessern. Kurzfristige Mittel für Wachstums- oder Transformationsprojekte kann BPM nicht freisetzen. Im Gegenteil, die BPM Einführung wird erst mal selber mehr Mittel benötigen.
Erwarten Sie keine Wunder – mehr mit weniger geht nicht! Ich bin BPM Anhänger und weit davon entfern die Möglichkeiten von BPM zu leugnen, aber die Gartner Schlussfolgerung geht zu weit.
Dann stellt uns Gartner einem weiteren Nutzen von BPM Projekten vor.
„She (Ms. Michele Cantara, Research Vice President bei Gartner, Anmerkung des Verfassers) recommended that organisations use BPM to help prioritise which existing projects, suspended projects and new projects will be prioritised, sequenced, funded and staffed when business growth returns”.
Das ist ja interessant. Wir sollen also BPM verwenden, um zu priorisieren welche bestehende, gestoppte oder zukünftige Projekt in einem Unternehmen priorisiert werden sollen wenn die Wirtschaftkriese vorbei ist. Damit wäre BPM ein Planungsinstrument und “bootet sich selbst”.
Übersetzung von mir: Vergessen Sie Ihre Erkenntnisse aus technischen BPM Aktivitäten zur Bewertung welche Projekte Sie durchführen sollten. Auch ein fachlich orientiertes BPM kann Ihnen an dieser Stelle nur begrenzt helfen. Zum Projekt-Portfolio-Management (PPM)und zur strategischen Planung taugt BPM nicht. Es ist dabei bestenfalls eine von vielen Informationsquellen.
Mein Fazit: Die vorliegende Gartner Untersuchung versucht Zusammenhänge herzustellen wo keine sind. Wie sich der BPM Markt in den kommenden 12 Monaten verändert kann man aus dieser Untersuchung nicht ablesen.
Siehe dazu auch: http://www.computerwoche.de/software/soa-bpm/1902426/
Eine angenehm sachliche und differenzierte Betrachtung.
Ich wünsche dem Blog viel Erfolg!