Die Mär vom neutralen SOA-Anbieter

Im herstellergetriebenen SOA-Markt fühlt sich die amerikanische Progress Software wie die Schweiz unter den Staaten, sprich als einziger neutraler Anbieter. Branchenschwergewichte wie IBM oder Oracle seien dagegen stets bestrebt, neben SOA-Tools möglichst viele andere Produkte aus ihren breit aufgestellten Stacks zu verkaufen, erklärt Progress CEO Joseph Alsop im CW-Interview. Diese Marketing-Geschichte klingt ganz ähnlich wie die der Software AG. Auch die Darmstädter sehen sich als Garanten in Sachen Neutralität und Interoperabilität der diversen SOA-Portfolios

Bei genauerem Hinsehen erweisen sich diese Argumente als Augenwischerei. Natürlich sind auch die selbsternannten neutralen Anbieter daran interessiert, möglichst viele ihrer Produkte zu verkaufen und damit Anwenderunternehmen stärker an sich zu binden. Die Mär von der beliebigen Austauschbarkeit von Infrastrukturkomponenten macht die Sache nicht besser. Es mag theoretisch möglich sein, einen Enterprise Service Bus (ESB) oder andere zentrale SOA-Komponenten gegen besser geeignete Produkte auszutauschen. In der Praxis aber rechnet sich der damit verbundene Aufwand in den allerwenigsten Fällen.

Und schließlich singen auch die großen SOA-Player vom Schlage IBM oder Oracle schon seit Jahren das hohe Lied der Offenheit und Interoperabilität. Offene Standards würden schon dafür sorgen, dass Systeme unterschiedlicher Anbieter “nahtlos” zusammenarbeiten. Unternehmen könnten, wenn sie es nur wollten, jederzeit eine Best-Practice-Strategie verfolgen und sich die für ihre Anforderungen passenden Produkte herauspicken. Leider zeigt die Praxis, dass Standards immer wieder durch proprietäre Erweiterungen “verbessert” und damit ad absurdum geführt werden. Fazit: Es gibt keine neutralen Anbieter im SOA-Markt. Wer sich eine Architektur vom (Software-)Hersteller zimmern lässt statt selbst Hand anzulegen, begibt sich in eine Abhängigkeit, die irgendwann teuer wird.

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