SOA, BPM und BRM: Der dreibeinige Barhocker

Business Process Management (BPM), serviceorientierte Architekturen (SOA) und Business Rules Management (BRM) wachsen immer mehr zusammen. Ein guter Zeitpunkt, in Gedanken einen Schritt zurückzutreten und einen prüfenden Blick auf diese Technologien zu werfen. Was passiert hier gerade? Und warum?

Viele Jahre lang haben Berater und Hersteller den Mythos aufrechterhalten, dass sich Unternehmen zwischen BPM und BRM entscheiden müssen, um flexible und agile Geschäftslösungen zu erstellen. Dieser Mythos war eine Übertreibung. Es stimmt zwar, dass fast jeder BPM-Prozess Regeln verwendet, wenn es um Entscheidungsfindung geht, und dass sich in jedem BRM das Konzept eines Prozesses wiederfindet. Es ist aber nicht wahr, dass diese beiden Technologien austauschbar sind. Vielmehr handelt es sich um zwei Seiten derselben Münze, und die wahre Stärke besteht darin, die Vorteile von beiden Ansätzen zusammenzubringen. Wie also werden die unterschiedlichen Technologien verwendet?

Mit SOA werden vorhandene Geschäftsvorfälle in definierte, wiederverwendbare Services transformiert. Diese definierten Services sind die Bausteine, aus denen BPM-Prozesse erstellt werden. Es ist also ganz einfach: SOA liefert Services, aus denen wiederum BPM-Prozesse hervorgehen. Werden diese Services richtig implementiert, ergibt sich dadurch eine erhebliche Kostensenkung und Reduzierung von Komplexität, denn richtiges Implementieren bedeutet auch, dass Prozesse wiederverwendbar sind. Dieser Ansatz ist flexible und ersetzt das alte Paradigma des Schreibens von statischem Programmcode. Erst BPM und SOA-basierte Infrastrukturen ermöglichen diese Wende hin zu mehr Agilität und führen zu der Notwendigkeit, BRM-Technologien einzusetzen.

Wenn Unternehmen mehr Agilität für ihre Prozesse fordern, müssen sie versuchen, jedes „volatile“ - also verfügbare und passende - Prozessteil zu externalisieren. Im BPM/SOA-Kontext manifestiert sich diese Externalisierung in Form von Services. Kandidaten für diese Externalisierung ist Geschäftslogik, die ebenfalls  „volatil“ ist. Diese Geschäftslogik kann in Form von Geschäftsregelen festgelegt und damit in einer BRM-Suite dargestellt werden. In traditionellen Anwendungsstrukturen sind diese Geschäftsregeln in der Anwendungslogik vergraben und werden dadurch statisch. Damit ist es sehr schwer, sie zu ändern. Die meisten BPM-Suites erlauben heute dagegen benutzerfreundliche Möglichkeiten, direkt mit den Geschäftsregeln zu interagieren und sie ohne Programmieraufwand zu verändern. Das trägt natürlich enorm zur Flexibilisierung und damit zum Nutzen von Prozessen bei.

Mit SOA lassen sich also wiederverwendbare Geschäfts-Services erstellen, die dann von BPM in einen Prozess verwandelt werden, wobei BRM die Flexibilität für den Prozess beisteuert. Zusammen genommen liefern diese drei Technologien also einen erheblichen Mehrwert: der taktische Kosten/Zeit-Nutzen wird unterstützt durch die Tatsache, dass es sich gleichzeitig um die drei Pfeiler einer wettbewerbsfähigen Wachstumsstrategie handelt. Es ist wie mit einem dreibeinigen Barhocker: Man kann zwar auf einem ein- oder zweibeinigen Barhocker sitzen (indem man sich an der Theke festhält), aber das ist ganz und gar nicht gemütlich. Erst das dritte Bein liefert das gewünschte Ergebnis.  

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