Mashups: Neue Self-Services für Business User?

Das Internet verändert sich und damit auch die Gewohnheiten seiner Benutzer. Neue interaktive Kanäle im World Wide Web erleichtern die Erstellung und Weitergabe von Informationen und stellen damit die virtuelle Zusammenarbeit zwischen einzelnen Personen auf eine ganz neue Basis. Meist zusammengefasst unter dem Schlagwort „Web 2.0“ gewinnen diese Informationskanäle wie Diskussionsforen, Blogs und Wikis zunehmend an Beliebtheit bei den Anwendern.

Wesentlicher Unterschied dieser Informationskanäle zu herkömmlichen Webanwendungen ist die aktive Einbindung der Endbenutzer, was gewöhnlich zu einer hohen Dynamik der Inhalte führt. Benutzer einer Web-Community haben die Möglichkeit, sich über geänderte Inhalte durch elektronische Abonnements, z.B. durch RSS-Feeds, benachrichtigen zu lassen. Dabei werden neu veröffentlichte Inhalte in bestimmten Zeitabständen auf das Endgerät des Anwenders, sei es ein PC, PDA oder auch ein Mobiltelefon, geladen.

Eine weiterentwickelte Form der Web-orientierten Integration von Inhalten geschieht über sogenannte Mashups. Ähnlich wie bei einem Re-Mix in der Popmusik präsentieren Mashups neue Inhalte durch eine (Re-)Kombination vorhandenen Materials. Technisch gesehen erfolgt das Mapping der jeweiligen Informationsquellen auf Basis von Services. Ein prominentes Beispiel ist HousingMaps.com. Dieses Mashup vereint zweierlei Quellen und stellt diese in einer Liste aktueller Immobilienangebote zusammen mit der entsprechenden Position auf einem Stadtplan dar.

Auf den ersten Blick erinnern Mashups an das Konzept der service-orientierten Architektur (SOA), sprich, das Aneinanderreihen von lose-gekoppelte Komponenten zu einer logisch zusammenhängenden Anwendung. Bei genauerem Hinsehen ergeben sich allerdings Unterschiede im Hinblick auf die Komplexität der Anwendung sowie die Gestaltungsmöglichkeiten durch die Endbenutzer. Während SOA-basierte Composites meist Geschäftsprozesse abbilden mit transaktionalen Prozessschritten, verfolgen Mashups das Ziel der Informationsverknüpfung. Zunächst als Spielzeug abgestempelt, werden Mashups heute bei Internetanwendern immer beliebter. Erste kommerzielle Anbieter machen sich zunehmend die oben genannten Möglichkeiten zu Nutze und auch in Unternehmen erkennt man den Mehrwert dieser leichtgewichtigen UI-Composites.

Als mögliche Einsatzgebiete für Mashups im Unternehmen bieten sich eine Reihe von besonders zeitraubenden Arbeitsschritten an, bei denen eine Entscheidung auf Basis von Informationen getroffen werden muss. Beispiele dafür sind Änderungen von Lieferantenverträgen, Freigaben von Rabatten sowie das Verwalten von Projekten, Lieferanten, Kunden oder Budgets. Da sich die Entscheidungsfindung von Person zu Person unterscheiden kann, sind Mashups benutzer-getrieben und erlauben daher die Abmischung der Inhalte bzw. die Darstellung der Informationen auf persönliche Belange.

Unternehmen, die sich mit diesen neuen „Self Services für Business Users“ beschäftigen, stehen schnell vor der Fragestellung, inwieweit sich die Mashup-Technologie in die bestehende Anwendungslandschaft integrieren lässt. Neue Herausforderungen stellen sich insbesondere auch einem Compliance Officer, der im Unternehmen verantwortlich ist für die Einhaltung und Beachtung von Richtlinien, Informationssicherheit und Datenschutz.

In welchem Umfang die Mashup-Technologie Einzug in Unternehmen erhält, ist noch nicht ganz absehbar. Erfolgreiche Unternehmen sollten allerdings im Stande sein, innovative Technologien schnell zu evaluieren und – bei einem Mehrwert für den Geschäftablauf – rasch zu implementieren. Voraussetzung dafür ist eine integrierte, unternehmensweite Geschäftsprozessplattform, welche zum einen die Offenheit bietet Fremdsysteme auf Basis von Standards anzubinden und zu anderen die Sicherheit gewährleistet, neue IT Lösungen in einer verteilten, web-orientierten Umgebung erfolgreich zu betreiben.

1 Response to “Mashups: Neue Self-Services für Business User?”


  1. 1 Axel Irriger

    Mashups – irgendwie, irgendwann, irgendwo ?

    Ich gehe eigentlich nicht davon aus, dass sich in nennenswerter Weise Mashups in näherer Zeit etablieren werden. Die Idee hinter einem Mashup ist, Daten aus unterschiedlichen Quellen zu rekombinieren, um darüber Mehrwert zu erzeugen.
    Dazu bedarf es aber einiger Voraussetzungen:

    * Die Daten müssen vorhanden und entsprechend zugreifbar sein
    * Die Verknüpfung sollte einfach und schnell erfolgen

    Das Vorhandensein von Daten ist dabei in den wenigsten Fällen ein Problem, aber allein das hoch-integrative Beispiel von Kartenmaterial zeigt auf, dass es um die Datenverknüpfung von internen wie externen Daten geht. Aus Datenschutzgründen ist es für Unternehmen sicherlich schwierig zu akzeptieren, dass Daten von außen den Daten “im Inneren” beigemischt werden. Der Mehrwert von Mashups kann schließlich in den wenigsten Fällen komplett im Unternehmen selber geleistet werden.

    Vielmehr ist der Datenbestand im Unternehmen der Ausgangspunkt für ein Mashup. Darauf aufbauend können anschließend Daten “von extern” dazugezogen werden, um diese Informationen zu visualisieren oder wie-auch-immer anzureichern. Zumal die meisten Datentöpfe für diese Art der Verwendung auch nicht vorbereitet sind.

    Neben diesen Problemen sind auch Aspekte des Zugriffs noch ungeklärt. Zugriffsschutz auf interne Daten muss auch bei Verwendung von Mashups erhalten bleiben. Dazu gibt es AFAIK in der “Szene” noch keine Antworten.

    Die einfache Bereitstellung ist sicherlich auch noch ein riesiges Problem. Yahoo hat gezeigt, wie es “vereinfacht” gehen kann, aber ob dies das Ende der Fahnenstange ist, darf bezweifelt werden. Auch Google arbeitet in diesem Gebiet mit, auch hier dürften Innovationen noch zu erwarten sein. Das Credo muss auch hier sein, dass das Mashup

    * einfach und
    * für den Fachbereich verständlich

    erstellt werden kann. Nur dann ist die Akzeptanz da, diese neue Möglichkeit aufzugreifen und Lösungen “mal eben so” zu erstellen und zu nutzen.

    Aber auch wie Wiki’s oder Weblogs nach einer ganzen Weile Einzug ins Unternehmen halten, wird auch das Mashup seinen Platz in der Unternehmenswelt finden – und sei es nur als leichtgewichtige Möglichkeit, die Unzulänglichkeiten der im Einsatz befindlichen Applikationen “einfach” zu überspielen, indem dynamische Datenverknüpfungen “on demand” geschaffen werden, um Fragen zu beantworten.

    Nicht umsonst ist die statische Verknüpfung von an sich dynamischem Inhalt der große Vorteil. Diesen für die Geschäftswelt sichtbar zu machen und durch die IT in geordneten Bahnen umzusetzen ist sicherlich eine Herausforderung, die kommen wird. Nur wann – wie immer schwer abzusehen :-)

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