BPM Technologie – Kernbestandteil einer SOA Plattform?

Service-orientierte Architekturen (SOA) und Business-Prozess-Management (BPM) werden heute immer häufiger in einem Atemzug genannt. Darüber hinaus spielt in zahlreichen SOA-Projekten das Thema BPM eine zentrale Rolle. Aber warum ist die Kombination von SOA und BPM eigentlich so attraktiv?

Traditionell wird Geschäftsprozessmanagement als Management-Disziplin verstanden, die Unternehmen bei der kontinuierliche Verwaltung ihrer operativen Geschäftsprozesse unterstützt. Daneben wird BPM aber auch als Technologie zur Beschreibung, Steuerung, Ausführung und Überwachung von Prozessen, inkl. der Einbindung von Mensch und Maschine, im Sinne von Workflow einerseits und Systemintegration andererseits gesehen. Die Umsetzung von grafisch modellierten Geschäftsprozessen in ausführbaren Code in Form eines automatisierten Prozesses stellt hierbei die größte Herausforderung dar.
Der Grundgedanke einer SOA verspricht durch die Bereitstellung von Standards auch den entsprechenden Technologieplattformen Nutzen. Im Rahmen einer SOA sind im Wesentlichen zwei Ebenen zu unterscheiden: Die erste Ebene dient dazu, Services durch die Basisapplikationen bereitzustellen. Die zweite Ebene unterstützt die Konsumierung von Services, im Weiteren auch Service-Orchestrierung genannt. Gerade bei der zweiten Ebene spielen BPM Technologiekomponenten zur Umsetzung von End-To-End Geschäftsprozessen eine zentrale Rolle.

SOA Technologieplattformen bieten umfangreiche Funktionalitäten für die technische Bereitstellung von Services. Der effiziente Einsatz von BPM Technologiekomponenten ist allerdings wesentlich von der Bereitstellung semantisch integrierter und betriebswirtschaftlich eindeutig definierter Services abhängig. Mit ihrer Hilfe sollen End-To-End Geschäftsprozesse flexibel orchestriert werden. Die schnelle und einfache Orchestrierung von Services aus unterschiedlichen heterogenen Systemen funktioniert nur, wenn der abgebenden und der konsumierenden Applikation dieselbe semantische Struktur zugrunde liegt. Voraussetzung dafür ist, dass auch die involvierten Stakeholder aus Business und IT das gleiche Verständnis dieser semantischen Struktur haben.

Welche Rolle spielen nun Modellierungssprachen wie die Business Process Execution Language (WS-BPEL) oder die Business Process Modeling Notation (BPMN) im Rahmen von BPM Technologiekomponenten? Die Möglichkeit, modellbasiert Applikationen zu erstellen, unterstützt zum einen die von einer SOA propagierte schnelle und flexible Änderung von Geschäftsprozessen, zum anderen aber auch die Dokumentation und das Monitoring dieser Geschäftsprozesse. Mit BPEL lässt sich ein Prozess beschreiben und der dadurch erzeugte Workflow anschließend in einer BPEL-Engine automatisiert ausführen. BPEL hat jedoch zwei wesentliche Nachteile: die mangelnde Unterstützung bei der Ausführung von Prozessschritten durch den Menschen und die fehlende Möglichkeit, Geschäftsprozessmodelle End-To-End abzubilden. Die Nutzung von BPEL-Modellen zur Dokumentation von Geschäftsprozessen und damit als gemeinsame Sprache für Business und IT ist daher sehr eingeschränkt.
Diese beiden Schwachpunkte werden durch den BPMN Standard, eine Spezifikation der Object Management Group (OMG), teilweise ausgeglichen. Die BPMN Notation bietet eine einheitliche Sprache für eine klare, vollständige und effiziente Darstellung von Geschäftsprozessen, die es erlaubt, sowohl menschliche Interaktion als auch automatisierte System-Interaktionen zu modellieren. Durch die Nutzung einer entsprechenden BPM Engine besteht die Möglichkeit, automatisiert ausführbaren Code zu erstellen. Im Gegensatz zu BPEL bietet BPMN eine Notation, die von allen gleichermaßen verstanden wird, von Geschäftsprozess- wie auch von IT-Experten.

An dieser Stelle darf nicht vergessen werden, dass der Einsatz und der Erfolg von BPMN Technologien wesentlich von dem zur Verfügung gestellten betriebswirtschaftlichen Inhalt abhängt. Notwendig sind demnach vor allem betriebswirtschaftlich und semantisch korrekt beschriebene Services aber auch vordefinierte Prozessmodelle. SOA Plattformen müssen hierbei die einheitliche Nutzung von betriebswirtschaftlichem Inhalt und BPM-Funktionalitäten einheitlich und integriert unterstützen.

Insgesamt betrachtet bleibt zu sagen, dass SOA eine hervorragende technische Grundlage ist, um BPM im Unternehmen umzusetzen.

1 Response to “BPM Technologie – Kernbestandteil einer SOA Plattform?”


  1. 1 Claus-Jürgen Moessinger

    BPM und SOA in der Praxis

    Zitat aus dem Artikel von Herrn Schuhmann: “SOA Technologieplattformen bieten umfangreiche Funktionalitäten für die technische Bereitstellung von Services. Der effiziente Einsatz von BPM Technologiekomponenten ist allerdings wesentlich von der Bereitstellung semantisch integrierter und betriebswirtschaftlich eindeutig definierter Services abhängig. Mit ihrer Hilfe sollen End-To-End Geschäftsprozesse flexibel orchestriert werden.”

    Die “Bereitstellung semantisch intergrierter und betriebswirtschaftlich eindeutig definierter Services” ist der Kern des Problems. Viele Versuche in den 90er Jahren mit den Themen Business Process Reengineering und Prozessoptimierung oder -automatisierung hatten alle den gleichen Ansatz: Top Down. Mittlerweile gibt es Menge (auch renomierter) Tools, mittels derer immer wieder eine graphische Modellierung von Prozessen vorgenommen wird. Erfahrungen zeigen, dass diese “Versuche” meist auf der 2 oder 3 Prozessebene enden. Das Resultat ist in der Regel eine Umorganisation des Unternehmens oder bestimmter Bereiche. Keine dieser Massnahmen hat für den Sachbearbeiter eine Verbesserung seiner Situation gebracht. Geht man von dem POS (Point of Service) aus (dem Sachbearbeiterarbeitsplatz) und untersucht mit einem Bottom Up Ansatz das Zusammenspiel von Prozessen und IT-Systemen gewinnt man erstaunliche Erkenntnisse. Man kann sehr schnell fachliche Services identifizieren, die mit Hilfe einfacher Technologien in technische Services umsetzbar sind und das ohne die bestehenden IT-Systeme zu verändern. Ausgangspunkt sind einzig und allein die Dialoge, die der Sachbearbeiter nutzt. Viele Tätigkeiten, die der Sachbearbeiter mit Hilfe von Dialogen in unterschiedlichen Systemen erledigen muss, sind Hilfstätigkeiten, die enorm viel Zeit kosten. Entledigt man den Sachbearbeiter von diesen Hilfstätigkeiten, wie z.B. die Ermittlung eines aktuellen Kontostandes auf dem Vertragskonto des Kunden (dies wäre z.B. ein fachlicher Service), spart man enorm viel Zeit in der Prozesskette. Erfahrungswerte haben gezeigt, dass Einsparungen zwischen 40 % und 70 % möglich sind. Der Qlou des Ganzen liegt nun darin, dass viele dieser fachlichen Services (die ohne IT-Beteiligung identifiziert und umgesetzt wurden) später mit Hilfe der IT in eine technisch korrekte SOA-Welt dauerhaft transferiert werden können. Der erste Schritt wird also im Rahmen von BPM vollzogen und in einem zweiten Schritt nach Bewertung mit Hilfe einer ABC-Analyse mit Hilfe von SOA dauerhaft zur Verfügung gestellt.
    Auf diese Art und Weise ergänzt SOA das BPM, aber BPM muss an erster Stelle liegen.
    Die Auswahl der Technik (auch wenn viele Hersteller dies nicht gerne hören) spielt eine untergeordnete Rolle. Diese Entscheidung sollte einzig und alleine in der IT-Abteilung liegen, da hier dann ein entsprechendes IT-Mangement aus technischer Sicht erforderlich ist.

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