SOA im Jahr 2008

Vom Hype zur Realität. So lässt sich die Entwicklung Service-orientierter Architekturen im Jahr 2007 beschreiben. Zwar nahmen etliche Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten eine SOA-Initiative in Angriff oder schmiedeten Pläne. Doch fast ebenso häufig traten die Hürden und Probleme beim Umsetzen der oft zu ambitionierten Vorhaben zutage. Dennoch wird SOA auch 2008 nicht von der CIO-Agenda verschwinden: Mit der Anzahl bekannt gewordener typischer Fehler in SOA-Projekten, wie sie beispielsweise Gartner kürzlich beschrieben hat, steigt auch die Lernkurve in den Unternehmen.

Und angesichts der inzwischen zahlreich verfügbaren Erfahrungsberichte und Best Practices ist die Hoffnung berechtigt, dass Unternehmen nicht mehr nur aus ihren eigenen Fehler lernen. Sie werden kleiner in die SOA einsteigen und frühzeitig versuchen, auch Fachabteilungen den Nutzen des Konzepts klar zu machen.

Wird der Graben zwischen Business und IT im neuen Jahr also kleiner? Zumindest scheint das Problem erkannt zu sein. Immer mehr Organisationen verbinden SOA mit Konzepten aus dem Business-Process-Management (BPM) und dem strategischen Rahmen einer Enterprise Architecture. Mit einer neuen Generation von Standardsoftware hält Service-Orientierung zudem auch in Unternehmen Einzug, die sich aus unterschiedlichen Gründen bislang kaum dafür interessierten.

Werden auch die Hersteller dazu lernen? Viele können ihre eigenen Produkte oder das damit gelöste Kernproblem nicht erklären, kritisiert der US-amerikanische SOA-Experte David Linthicum: “Sie wissen, wie man Buzzwords aneinander reiht, von denen sie glauben, dass sie Kunden beeindrucken.” Oftmals steigere das nur die Verwirrung der Kunden, schlimmer noch: Sie verständen nicht einmal das Konzept hinter dem Produkt, ganz zu schweigen von SOA.

Der Wettbewerbsdruck im überhitzten SOA-Markt wird 2008 jedenfalls eher zunehmen. Neben den Machtgelüsten der Branchenschwergewichte trägt dazu auch das wachsende Angebot ausgereifter Open-Source-Software für die benötigte Infrastruktur bei. Die Konsolidierung auf Anbieterseite dürfte sich fortsetzen. In seinen SOA Predictions für 2008 prognostiziert etwa Linthicum, dass IBM einen großen und einen kleineren Hersteller von SOA-Software kaufen werde. Nach der (vorerst) geplatzten Übernahme durch Oracle ist zudem das Schicksal von Bea Systems unsicherer denn je. Dass die Ellison-Company ihre Expansionsstrategie in 2008 zurückfährt glaubt kaum jemand in der Branche.

Linthicum erwartet darüber hinaus, dass die Presse und Blogger sich verstärkt auf gescheiterte oder zumindest problembehaftete SOA-Initiativen der Unternehmen stürzen werden. Dahinter steckt unter anderem der oft beobachtete Kardinalfehler, eine SOA gleichsam einzukaufen, statt eine eigene Architektur zu entwickeln. Dennoch sollten sich Projektverantwortliche von einschlägigen Berichten nicht abschrecken lassen. Schließlich gibt es auch zahlreiche positive Beispiele. Dabei lohnt etwa ein Blick auf Joe McKendricks Blog-Posting “Nine places where SOA is making a difference, right now.” Der Analyst nennt eine Reihe von Business-Problemen, die Unternehmen mit Hilfe von SOA-Konzepten angegangen sind. Natürlich werden auch die COMPUTERWOCHE und der SOA-Expertenrat im neuen Jahr über erfolgreiche Projekte berichten, dabei aber die Schattenseiten nicht außer Acht lassen.

0 Responses to “SOA im Jahr 2008”


  1. No Comments

Leave a Reply