Konvergenz von SOA und Web 2.0

Wer die typischen Merkmale von Web 2.0 und SOA vergleicht, wird interessanterweise einige Parallelen feststellen. Die Ziele von SOA und Web 2.0 sind zwar verschieden, nämlich Anwendungsintegration vs. „Mitmach-Web“ und Social-Computing, doch einige Grundgedanken sind identisch. Beide Ideen entfernen sich gedanklich von traditionellen Applikationen und gehen hin zu Plattformen, die aus zusammengesetzten Anwendungen bestehen. Dieser Weg erfordert zwangsweise Offenheit und Interoperabilität. Unter diesen Gesichtspunkten ist es sinnvoll, sich auf eine modulare Anwendungsentwicklung zu konzentrieren. SOA kann hier von Web 2.0 lernen, indem Entwickler zum Beispiel schauen, was im Bereich von Mashups funktioniert und wie sich diese Prinzipien auf Composite Applications übertragen lassen.

Nun ist es aber nicht so, dass Web 2.0 mit einer Technologie gleichzusetzen ist, sondern eine sehr große soziale Komponente besitzt. Das „Mitmach-Web“ kann in vieler Hinsicht mit kollektiver Intelligenz gleichgesetzt werden, und es gibt die verschiedensten Studien über dieses Phänomen. Dabei sind sich alle einig, dass es enorm schwierig ist, einen kollektiven Denk- und Entscheidungsprozess zum einen in Gang zu setzen und zum anderen sinnvoll zu unterstützen. Versuchen wir einmal anhand von Szenarien, in denen dies bisher funktioniert hat, Rückschlüsse darauf zu ziehen, wie SOA und Unternehmen davon profitieren können.

Amazon.com hat sich Web 2.0-Prinzipien auf verschiedene Weisen zunutze gemacht. Im ersten Schritt ermöglichte das System den Benutzern das Bewerten und Kommentieren von Produkten. Auf diese Weise wurde es dem kompletten Kundenstamm ermöglicht, Kaufentscheidungen auf der Basis von Erfahrungen anderer Kunden zu tätigen. Da das Bewerten und Kommentieren auf freiwilliger Basis geschah, kam es vor, dass manche Artikel nicht mit diesen Bewertungsinformationen versorgt waren. Also ging Amazon noch einen Schritt weiter und führte ein Prinzip ein, bei dem zu einem gewählten Artikel eine Liste verwandter Artikel angezeigt wurde: „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, haben auch diese hier gekauft…“. Der Kunde wird also durch die Erfahrungen bzw. Kaufentscheidungen anderer Konsumenten auf einen kontextbezogenen Navigationspfad geschickt. Anstatt sich durch endlos lange Listen zu wühlen, wandelt der Kunde auf diesen Pfaden, die mit großer Wahrscheinlichkeit etwas bereithalten, was in einem bestimmten Kontext relevant ist.

Nun übersetzen wir diese zwei Prinzipien einmal in die SOA-Welt und schauen, ob sie dort auch sinnvoll sind. Beispielsweise wäre es interessant, wenn ich meine SOA-Assets (Services, Prozesse, Layouts, etc.) anhand der Erfahrungen meiner Kollegen beurteilen und aussuchen könnte. Und wäre es nicht genauso hilfreich, wenn ich in dem Dickicht von Assets einen Navigationspfad hätte, der mir hilft, das zu finden, was ich suche?

Der Hype um Web 2.0 hat seinen Höhepunkt überwunden, und es ist an der Zeit eine Bilanz zu ziehen. Welche Technologien bzw. welche Prinzipien haben ihre Versprechen gehalten und in welchen Anwendungsszenarien sind sie erfolgreich? Es gilt, sich mit diesen Fragestellungen auseinanderzusetzen und die Antworten auf die eigenen Business- bzw. SOA-Szenarien zu übertragen.

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