SOA-Anbieter im Vergleich

In einem Blogeintrag wagt der Fachbuchautor Steve Jones ein Rating der großen Anbieter von SOA-Produkten. Die Ergebnisse stellt er auch in Form von Radar Charts dar. Jones bewertet die Softwarehersteller nach einer ganzen Reihe von Kriterien, darunter etwa Business Service Architecture, BPM, Monitoring, Testing, Anwedungsdesign oder “Roadmap Honesty.” Unter letzterem Punkt vergleicht der Experte die von Anbietern veröffentlichen Roadmaps mit den “realen” Entwicklungen”, zumindest wie er sie zu erkennen glaubt.

Die wenigsten Hersteller dürften den zum Teil provokanten Wertungen in allen Punkten zustimmen. Für Projektverantwortliche in Unternehmen und solche, die eine SOA-Strategie gerade erst planen, bieten sie gerade deshalb eine Menge nützlicher Denkanstöße.

Hier einige Auszüge:

Über Bea:

“Well they’ve bought a few more companies and the Aqualogic and Weblogic brands are really beginning to take shape. They still don’t have anything in terms of methodology at the business service level and this really is going to be an issue in the coming years.”

“Great product suite, great stack, good split of business and technology, but they need to focus more around the operationals for SOA in the same way as they have previously done around the application server.”

Über IBM:

“I don’t buy the Advanced ESB line, and I don’t buy the “you’ve got to use a proprietary product that is a bugger to install” rather than a single standards based platform and I really don’t buy the “There are things that MQSI^H^H^H^HAdvanced ESB does that just can’t be done in J2EE”.

“Good suite, good for applications, good vision (where it isn’t subverted) but they are a bit weak across the enterprise they really need to start being honest around their roadmap so people can start planning for the Java based solution that is bound to come.”

Über Microsoft:

“Microsoft’s progression around SOA since last May? Well they’ve released an operating system which has a proprietary async process model in it and they have a decent client side development model for web services….”

” BizTalk remains the “heart” of much of the SOA messaging but its essentially the same product as 2004, which isn’t great.”

Über Oracle:

“A good stack, an amazing rate of acceleration but its fair to say that there are still plenty of areas for improvement for the 11 AS release.”

Über SAP:

“Basically if you are doing SAP then its worth doing, and indeed its probably the only way, but if its a choice as a broad technology stack across the enterprise then this probably isn’t the one you are looking for.”

Über Sun:

“Will Sun deliver on the vision that was put forward last year, or will an EAI centric view of SOA emerge?”

“Great integration stack, really good for doing interfaces onto systems, needs to broaden out (using the tools that they actually have) into being an application stack and from there on towards the business.”

7 Responses to “SOA-Anbieter im Vergleich”


  1. 1 Daniel Ciomek

    Solch einen Vergleich moeglichst neutral zu gestalten, ist eine Herausforderung an sich, und da scheiden sich dann die Geister. Wenn ein Branchenfuehrer im SOA Bereich aber vollstaendig fehlt, ist das eher fragwuerdig. Schade.

  2. 2 Iris Peters

    Übrigens Steve Jones ist kein US-amerikanischer Autor sondern Leader SOA Practice CGEY in London und ist waschechter Brite und ein ehemaliger Kollege von mir.

    Ich vertrete in den meisten Fällen seine Meinung. TIBCO fehlt wie schon mein Vorredner geschrieben hat und natürlich auch die ‘worth-knowing’ Open Source SOA Stacks. Die letzteren sind nach meiner Meinung sehr wichtig und brigen wahrscheinlich auch den meisten Ideen und Druck auf die grossen der Branche.
    IBM muss nach meiner Meinung ihren WebSphere Stack erhablich aufräumen. Kein Kunde weiss mehr, was er nehmen soll und viele Produkte können das selbe. Da wäöre es besser etwas aufzuräumen als , daß IBM immer mehr dazukauft wie zB DataStage und FileNet.
    Wie die Software AG WebMethods integriert wird mit Sicherheit spannend werden

  3. 3 Wolfgang Pleus

    Leider werden Open Source-Lösungen zu selten betrachtet. Dabei gibt es in diesem Bereich bereits sehr vielversprechende Lösungen, wie beispielsweise der Apache Stack mit Produkten wie ServiceMix (ESB), ActiveMQ (Broker) oder Ode (BPEL).
    Die Einschätzung zu Biztalk Server kann ich nicht teilen. Das Kosten/Nutzen-Verhältnis ist hervorragend und kann, wenn überhaupt, nur noch von oben genannten Open Source-Lösungen übertroffen werden.

  4. 4 Iris Peters

    Im Open Source Bereich gibt es mit Sicherheitnoch andere Produkte wie zB Celtix, Intalio und Sopera.
    Grössere Unternehmen und speziell eGovernment Projekte scheinen immer mehr OpenSource Produkte bei Auswahlverfahren miteinzubeziehen.
    Bzgl Microsft kann ich Steve’s Meinung teilweise bestätigen. Das Fundament Biztalk Server is immer noch proprietär und immer noch sehr Broker-lastig. Im Bereich Architektur hat sich mit den WCF bei Microsoft doch viel getan. Eine Anäherung zu den Java-lastigen Architekturen ist dort auf jeden Fall gegeben und Kompatibilität ist erhöht.

  5. 5 Daniel Liebhart

    Die SOA Vendor Ratings von Steve Jones sind zwar nachvollziehbar, aber doch etwas kurz gegriffen. Zuminestes die grossen Hersteller IBM, Microsoft, Oracle und SAP sind nur dann vernünftig einzuschätzen, wenn man die Position des Anbieters auf dem Markt und in den Unternehmen versteht. Hier meine persöhnliche Einschätzung der Anbieter.

    IBM

    Der IBM SOA-Stack ist sehr differenziert. IBM hat als Hersteller die längste Erfahrung im Bereich Enterprise Service Bus und mit MQSeries (WebSphere Message Broker) jenes Produkt im Portfolio, das sich der größten Marktverbreitung erfreut. Eine Stärke des ESB von IBM ist das “Reliable Messaging”, welches eine garantierte Meldungsübermittlung erlaubt. In einem lose gekoppelten Umfeld ist diese Art von Kommunikation nicht immer die beste Lösung, vor allem dann, wenn Dienste nicht sehr oft und nicht zeitkritisch verwendet werden sollen. Der Kunde muss sich also fragen, ob er die entsprechende Komplexität auf sich nehmen will. Als weitere Besonderheit fällt die Differenziertheit des IBM SOA-Stack auf. Sicher hat IBM die größte Anzahl an Produkten in ihrem Stack und ist in den Bereichen Virtualisierung und ESB führend. Im Gegensatz zu den anderen Herstellern bietet IBM jedoch vor allem die Infrastruktur an, diese jedoch in einer besonders ausgereiften Form, da selbst betriebliche ITIL-Funktionen unterstützt werden. Das konkrete System muss darauf aufbauend realisiert werden. Die Problematik, eine heterogene Systemlandschaft zu einem flexiblen, funktionierenden Ganzen zusammenzufügen, bleibt.

    Microsoft

    Eine Besonderheit des SOA-Modells von Microsoft liegt in der Presentation-Ebene. Mit Office-Applikationen als User Interfaces für auf SOA basierende Lösungen und der damit verbundenen Idee, Anwendungen, basierend auf Services, einfach zusammenstellen zu können, erweitert Microsoft den Wirkungsbereich des Desktops. Des Weiteren versucht Microsoft, die Vorteile von SOA in die Entwicklung abzubilden. Dies geschieht durch die nahtlose Integration der Web Services-Technologien in die Entwicklungsumgebung und durch die konzeptionelle Realisierung von Software Factories und Domain Specific Languages. Diese Bestrebungen gehen von der Idee aus, mittels SOA-Anwendungen aus vorgefertigten Komponenten (Services) sehr schnell und produktiv zusammenzustellen. Die Aufteilung der Office-Produktfamilie in eine Vielzahl von Serverprodukten und die Erweiterung von Sharepoint als Portal und Collaboration Environment unterstützen diese Umsetzung.

    Oracle

    Das Angebot von Oracle weist zwei Besonderheiten auf. Oracle weist in seinem SOA-Stack explizit Data Services aus, trennt also bewusst Funktionalität und Daten durch eine Abgrenzung verschiedener Servicetypen. Außerdem hat Oracle mit Business Activity Monitoring (BAM) und Real Time Analytics klassische BI-Funktionen in den SOA-Stack integriert. Oracle hat mit Fusion Middleware eine vielversprechende Komponente in seinem SOA-Stack. Im Gegensatz zu den anderen Herstellern ist Oracle gezwungen, SOA als Basis der eigenen Produkte zu verwenden, da es sonst kaum möglich sein wird, Siebel-Module mit Peoplesoft, Retex, JD Edwards oder anderen Modulen aus der großen Oracle Produktpalette zu einer Lösung zu kombinieren.

    SAP

    Der SOA-Stack von SAP reflektiert die Stellung eines ERP-Systems in einem Unterneh-men als Master. SAP geht davon aus, dass die Umsysteme zu SAP mittels SOA integriert werden können. Dies ist mit der NetWeaver-Plattform möglich. Die Verwendung einzelner SAP-Module als Enterprise Web Services in einer Umgebung, in der SAP nicht das Leading-System ist, gestaltet sich jedoch etwas umständlicher, da die Differenzierung Enterprise Web Service - Web Service und die Bereitstellung so genannter Consuming Services (Composite Applications) nicht allgemein üblich sind. Eine weitere Besonderheit des SAP SOA-Stacks ist die Tatsache, dass die Modellierung von Geschäftsprozessen durch Aris von IDS Scheer erfolgt. Aris ist seit Jahren im Bereich Modellierung von Geschäftsprozessen führend. Die Modellierung erfolgt jedoch mittels EPK (Ereignisgesteuerte Prozessketten) und nicht mittels BPEL.

    Open Source

    Naturgemäß existiert kein durchgehendes SOA-Modell der Open Source-Gemeinde, doch gibt es eine Vielzahl von Produkten und Frameworks, um gewisse Teilaspekte einer SOA umzusetzen. Falls ein Unternehmen bereits eine konsequente Open Source-Strategie für die Realisierung und den Betrieb wichtiger IT-Systeme verfolgt, ist es sinnvoll, die eine oder andere Open Source SOA Lösung in Betracht zu ziehen. Die meisten Open Source-Produkte basieren auf der Realisierung eines oder mehrerer Standards, wie beispielsweise der Umsetzung des JMS- oder des JBI-Standards. Alle diese Standards gehen von einem globalen SOA-Modell aus, das nicht auf ein einzelnes Unternehmen beschränkt ist. Dies bringt eine Komplexität mit sich, die sich nicht für jede Lösung, die auf SOA basieren soll, eignet.

  6. 6 Uwe Wardenbach

    Ich vermisse das Kriterium ‘Ease of Use’ in den Betrachtungen von Mr. Jones und Hr. Liebhart. Ich komme von der praxisnahen Seite (wie Wolfgang Pleus auch) und programmiere als Architekt immer auch mit (”Architect Should Be Programmer”, Jim Coplien, Patterns for Software Organisations, PLOP I). Wer einmal mit den WebSphere Produkten wirklich Lösungen im SOA-Bereich umgesetzt hat, und dann einige andere der aufgezählten und vor allem nicht betrachteten Produkte ebenfalls kennt oder in anderen Projekten verwendet hat, kennt den Produktivitätsunterschied, der bei manchen Paarungen sicher einige 100% beträgt.

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