SOA – worüber reden wir eigentlich?

Was habe ich neulich in der Presse gelesen? Eine Umfrage der User Group eines ERP-Herstellers hätte ergeben, dass sich nur ein geringer Bruchteil dessen Kunden mit SOA beschäftigt. Sofort setzte die Diskussion ein, ob SOA real oder nur ein Hype ohne Substanz ist.

Was war passiert? Die Marketing-Abteilung dieses Herstellers hatte seine SOA Strategie erneut umbenannt und war schließlich bei dem Begriff „Enterprise SOA“ angelangt. Hätte sie den Begriff etwas präziser gefasst, etwa „Enterprise Ressource Planning SOA“, wäre die Diskussion wahrscheinlich nie aufgekommen. Dann hätte jeder gewusst, dass in diesem Fall mit SOA ein Großprojekt gemeint ist – nämlich das Re-Design einer großen und komplexen Standardsoftware. Das geht nicht von heute auf morgen und ist nicht gerade einfach – das gilt im Übrigen für alle Großprojekte, auch für die A380. Solche Projekte haben noch etwas gemeinsam: den Kunden kommt eine passive Rolle zu. Ob wir in einigen Jahren mit einer A380 fliegen oder ein SOA-basiertes ERP einsetzen, liegt nur an den Fähigkeiten der Projektteams des jeweiligen Herstellers. Wir können lediglich zuschauen und die Daumen drücken, dass alles gut geht. Von daher verstehe ich die Zurückhaltung der erwähnten User Group.

Es gibt aber noch andere SOA Use Cases. Organisationen gehen zum Beispiel das Thema an, wie sie die Abstimmung zwischen IT und Business besser hinbekommen und wie im Lichte dieser verbesserten Zusammenarbeit Governance und Lebenszyklus einer SOA aussehen muss. Ich erlebe auch wöchentlich den erfolgreichen Abschluss von Projekten, die lediglich wenige Wochen gedauert haben. Dort wurde Funktionalität von bestehenden Systemen zu Services gekapselt – um darauf eine neue Generation von Enterprise Mash-Ups zu bauen. Das bringt Produktivität, verkürzt Prozesslaufzeiten und bringt Errungenschaften von Web 2.0 in die Unternehmen. Das sind keine Großprojekte, hier geht es um pragmatische Lösungen nach denen die Fachabteilung fragt. Die dazugehörige Kategorie sollte als „Quick ROI SOA“ bezeichnet werden.

Einfach nur über SOA diskutieren bedeutet also über kurz oder lang Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Es ist an der Zeit, SOA thematisch in verschiedene Kategorien aufzuteilen. Dann weiß jeder, wovon gesprochen wird.

Eine erste Konsequenz wäre, dass niemand mehr die Erfolgsaussichten einer leichtgewichtigen „Quick ROI SOA“ in Frage stellen würde, dazu gibt es schon zu viele Erfolge zu vermelden. Auf der anderen Seite könnten einige Analysten nicht den Tod von ERP aufgrund von SOA prognostizieren, sondern bestenfalls den Tod von „Enterprise Ressource Planning SOA“ durch SOA. Nur: in diesem Fall merkt jeder, wie wenig Sinn das macht!

Peter Kürpick
Mitglied des Vorstands
Software AG

1 Response to “SOA – worüber reden wir eigentlich?”


  1. 1 Bernd Eckenfels

    “Quick ROI SOA” ist ein Alias für die Legacy von Morgen. Man denke nur an die ganzen “kleinen” Acess Projekte von vor 8 Jahren die noch immer in den Unternehmen Unmengen von Kosten für den Unterhalt verschlingen und Flexibilitätshemmer erster güte sind.

    Mal einfach so zwei Anwendungen miteinander zu verbinden ist sehr gefährlich – kurzfristig erfolgreich, mittelfristig aber schon sehr schmerzhaft. Denn auch wenn die Schnittstelle locker gekoppelt ist (was sie bei Synchronen Web Services nicht ist) so gibt es doch trotzdem semantische Abhängigeiten. Ich kann keinen der beiden Services einfach mal im Handstreich ersetzen.

    Und ganz nebenbei hat die IT auch keine Möglichkeit mehr die Anwendungen zu konsolidieren.

    Gruss
    Bernd

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