SOA Governance – die Großen fressen die Kleinen

Ohne ausgefeilte Governance-Mechanismen und -Tools können SOA-Projekte schnell außer Kontrolle geraten. Diese Mahnung von IT-Beratern und Analysten schienen lange Zeit vor allem kleine Spezialanbieter ernst zu nehmen. Softwareschmieden wie Infravio oder Flashline machten sich mit Registry- und Repository-Systemen für die Verwaltung von Softwareservices einen Namen; in Produktvergleichen schnitten sie oft besser ab als die großen Plattformanbieter. Doch inzwischen haben die mächtigeren Player den Bedarf erkannt und schließen Lücken in ihrem Portfolio: Die Übernahme des Repository-Anbieters Infravio durch Webmethods ist nur das jüngste Beispiel für die anhaltende Konsolidierung in diesem Marktsegment. Schon im August hatte Bea Systems das US-Softwarehaus Flashline gekauft. Dessen Metadaten-Repository wird künftig als Teil der Aqualogic-Produktfamilie vermarktet. Die letzten beiden Spezialanbieter für Registry/Repository-Systeme verloren damit ihre Unabhängigkeit.

Dass immer mehr kleine Hersteller von mächtigen Allroundanbietern gefressen werden, zeigte schon die Übernahme von Systinet durch den Hersteller Mercury Interactive, der später von HP geschluckt wurde. Kunden dürften von dieser Entwicklung kaum profitieren, denn die Plattformanbieter betonen stets die enge Integration der Tools in ihre breiter angelegten SOA-Stacks und versuchen naturgemäß, das ganze Paket zu verkaufen. Auch die Software AG geht mit ihrer SOA-Suite Crossvision und dem darin enthaltenen Registry/Repository-System CentraSite diesen Weg. IBM hat ein ähnliches Produkt für Oktober angekündigt und wird dieses als Teil der Websphere-Produktfamilie vermarkten. Die alte Frage “Best of Breed oder integriertes Paket?” könnte sich aus Anwendersicht damit schon bald erledigt haben. Mit der Marktkonsolidierung steigt auch im SOA-Zeitalter wieder die Gefahr der Herstellerabhängigkeit.

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