Einher mit der Marketing-Euphorie von Herstellern, die SOA in den höchsten Tönen loben, hat sich die Anzahl der sogenannten SOA-Anbieter über die letzten 3 Jahre deutlich erhöht. Ich sage hier “sogenannte” SOA-Anbieter, da eine Architektur für eine Unternehmens-IT nicht von der Stange gekauft werden kann. Insofern kann es auch keine SOA-Anbieter geben, wohl aber Anbieter, deren Produkte mit allgemein anerkannten SOA-Standards konform sind. Diese kleinen aber wichtigen Unterscheide sind bei dem Anwenderunternehmen bisher nicht angekommen, wie eine aktuelle Studie der Experton Group bereits jetzt schon zeigt. Danach geben fast die Hälfte an, keine oder praktisch keine Kenntnisse über Service-orientierte Architekturen zu haben. Lediglich sieben Prozent der Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern haben derzeit eine SOA-Initiative entweder in Planung, Pilotierung oder Umsetzung. Es bleibt den Herstellern also noch einige Überzeugungsarbeit zu tun bevor der Euro auf der SOA-Schiene rollt.
Jegliche SOA Diskussionen werden aktuell nur auf der technischen Ebene geführt. Das grosse Thema der Kommunikation zwischen den Systemen. Es stellt sich die Frage: Wird alter Wein in neuen Schläuchen verkauft? Ein wirkliches umdenken in die Service Welt wird bei den Anbietern von SOA Produkten vermisst. Die Anbieter werden mit einer grossen Skepsis betracht, da man ihnen nicht abnimmt, dass sie innerhalb weniger Monate neue SOA-Produkte entwickelt haben. Sind heute schon die “richtigen” SOA-Produkte auf dem Markt?
Michael Hertrampf
Folgender Beitrag stellt das Thema “Service-orientierte Architekturen (SOA)” einmal nicht der Frage gegenüber ob nun Architektur, Technologie oder Organisation die Hauptkomponenten eines SOA-Projekts darstellen. Viel mehr sollen SOAs folgender Frage gegenüberstellt werden:
Ist SOA ein Innovationsprojekt oder doch der Instandhaltung eines Unternehmens zuzurechnen?
Die Beantwortung der Frage gestaltet sich als durchaus schwierig da man sich, selbst in Fachkreisen, nicht sicher ist wem die Verantwortlichkeiten zuzuordnen sind. IT? Business? IT und Business? Jedoch ist die Beantwortung dieser Fragestellung durchaus notwendig, um beispielsweise der vielbeschworenen IT-Kostenfalle entkommen zu können. Bekanntlich setzen sich die Kosten der IT-Abteilung eines Unternehmens in der Regel aus zwei Komponenten zusammen:
1. Instandhaltungskosten:
Das sind die Kosten, die aufgewendet werden MÜSSEN, um das bestehende Rechenzentrum einschließlich der zugehörigen Applikationen am Laufen halten zu können.
2. Innovationskosten:
Das sind die Kosten, die für Projekte aufgewendet werden, die etwas völlig Neues schaffen beziehungsweise das Unternehmen der Erreichung seiner Unternehmensziele näher bringen.
Das bedeutet, das IT-Budget wird in diese beiden Kostenstellen aufgeteilt. Da aber vor allem Legacy-Systeme jährlich einen höheren Aufwand verursachen (und somit der Anteil der Instandhaltungskosten am IT-Budget steigt), ist es klar, dass bei gleichbleibendem IT-Budget, das Budget für die Innovationsprojekte schrumpft. Dieses Phänomen bezeichnet man als IT-Kostenfalle, da es eine Art Teufelskreis darstellt.
Zurück zur SOA. Bekanntlich versucht eine SOA bestehende Legacy-Applikationen in Services zu modularisieren und somit für andere Services standardisiert verfügbar zu machen. Es geht offensichtlich um die bestehenden Systeme. Handelt es sich also um eine Instandhaltung der Systeme, da die Legacy-Applikationen irgendwann zusammenbrechen würden? Und das würden sie tatsächlich. Das heisst man erneuert nur seinen alten Bestand und weiß nicht so genau, ob die Umstrukturierung wirklich halten kann was sie verspricht. Oder schafft man etwas völlig Neues (natürlich auf der Basis der alten Legacy-Applikationen), das dem Unternehmen einen riesigen Marktvorteil den Konkurrenten gegenüber bietet? Das meine Instandhaltungskosten in Zukunft drastisch senken wird, so dass ich mehr Möglichkeiten für die wirklichen Innovationsprojekte übrig habe.
Ich denke diese Fragestellung gilt es für IT-Verantwortliche im Zuge der Initiierung eines SOA-Projekts zu beantworten, um letzen Endes das Business wirklich von der Notwendigkeit einer SOA überzeugen zu können. Schließlich geht es denen in erster Linie ums Finanzielle.
Da wir bereits seit 10 Jahren, ja seit 10 jahren, das Thema Serviceorientierung unter dem Begriff SOA kennen, mag es für den Einen oder Anderen verwunderlich scheinen warum die Aussage von Rüdiger Spies dennoch richtig ist. Die Gründe dafür sind vielschichtig und es hilft auch nicht wirklich, sich zu lange damit aufzuhalten. Fakt ist, dass nach den Sparorgien der letzten Jahre, viele Unternehmen wieder ernsthaft darüber nachdenken wie Wachstum zu gestalten ist. Wachstum schafft man über wettbewerbsfähige Geschäftmodelle und die IT spielt dabei in den meisten Fällen eine Hauptrolle. Dies gilt sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Wachstumspotentiale werden durch Flexibilität bei Organisation und Prozessen adressiert und die IT muss das unterstützen können. Genau hier jedoch liegt das Problem in den meisten Fällen. Aus einst schlanken Anwendungsgebilden haben sich Zombies entwickelt, die nur mit viel Aufwand am Leben gehalten werden können. Hier ist also Umdenken und Umbau angesagt. Wer diesen Umbau unter rein technischen Gesichtspunkten betrachtet kann sein Geld auch gleich verbrennen!
Nur eine zielgerichtete, auf die Bedürfnisse der Unternehmensstrategie abgestimmte Vorgehensweise kann erfolgreich sein. Serviceorientierung ist dabei kein Allheilmittel aber wenn relevant, ein Erfolg versprechendes Konzept!
Nein, ein Marketing-”Gag” ist SOA nicht; aber ein Marketing-Schlagwort.
Und gerade weil díe Idee der Service-Orientierung nicht neu ist, ist die Frage sehr berechtigt, warum sie sich bisher nicht durchgesetzt hat. Es würde sich sehr wohl lohnen, diese Fragen zu klären.
Die angesprochene Studie der Experton Group kann man, SOA-wohlwollend, so lesen wie von Hrn Spies beschrieben: 7 Prozent machen bereits SOA, fast die Hälfte der Unternehmen weiß davon nichts. D.h. aber auch, daß die andere Hälfte der Unternehmen SOA bereits kennt und keine Anstalten unternimmt, mehr darin zu investieren. Warum? Weil es Innovation, Flexibilität und Dynamik verspricht und jeden Beweis, daß es das auch leisten kann, schuldig bleibt? Weil die großen ERP-Hersteller erst ihre Monolithen auseinandergenommen haben um jetzt Tools und Techniken zu verkaufen sie wieder zusammenzufügen? Weil SOA mehr ein Schnittstellen-Thema ist (und damit sehr wohl ein ausschließliches IT-Thema), die Business-Inhalte aber innerhalb der Bausteine laufen? Weil die Anforderungen an Geschäftsprozesse immer schon eine Holschuld waren und keine IT-Abteilung jemals erleben wird, daß sich andere Fachbereiche auf die IT zubewegen? Weil kein Projekt jemals an Problemen gescheitert ist, die ursächlich mit Service-Orientierung zu tun haben? Weil SOA nur der Kitt ist um Existierendes am Leben zu halten ohne tatsächlich kostensenkend zu wirken?
Wenn es nur auf wenige dieser Fragen mit SOA keine guten Antworten gibt, und ich kenne momentan keine gute Antwort auf eine dieser Fragen, wird sich diejenige Hälfte der Unternehmen, die SOA noch nicht kennt, eher zur Mehrheit schlagen und nichts in SOA investieren.