computerwoche.de
Newsletter  |   CW-TV  |   Bilder-Galerien  |   Blogs & Forum  |   CW mobil  |   RSS  |   Aboshop


Open Source

Open Source: Business-Applikationen schließen auf

29.10.2007
Autor(en): Denis Mrska.
Während ausgereifte quelloffene Infrastruktur-Software mittlerweile in vielen deutschen Unternehmen zum Einsatz kommt, haben Open-Source-Lösungen als Geschäftsanwendungen etwa für das Customer-Relationship-Management noch einen weiten Weg vor sich.

Neben Linux als quelloffenem Betriebssystem, das heute bereits für ein breites Spektrum an Server-Workloads zum Einsatz kommt und im High-Performance-Umfeld ebenso wie in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) vertreten ist, hat sich auch andere Open-Source-Software inzwischen bewährt, vor allem im Infrastrukturbereich. Unter den bis dato weltweit über 140.000 quelloffenen Softwareentwicklungen finden sich neben den populären Lösungen für Server und Clients überwiegend kleinere Tools und spezielle Softwarekomponenten. Zu nennen sind etwa Red Hat und Novells Suse-Linux als Plattformen, Apache als Web-Server, Samba als File- und Print-Server, Xen für die Virtualisierung sowie über 50 weitere Betriebssystem-nahe Programme.

Unter den Bereich Middleware fallen über 100 verschiedene Infrastrukturkomponenten, Frameworks, Programmiersprachen und Datenbanken ? hier zählen JBoss und Zope Application Server, das Eclipse Framework, die Skriptsprache PHP sowie MySQL und PostgreSQL/Enterprise DB als Datenbanken zu den meistverbreiteten Open-Source-Produkten. Eine Vielzahl von Dienstleistern bietet Integrations- und Support-Services für diese ausgereiften quelloffenen Programme an, und die Größe der Entwicklergemeinde hinter den Open-Source-Projekten garantiert unter anderem für die Zukunftsfähigkeit des Einsatzes und die langfristige Unterstützung der Software.

Lösungen oberhalb der Middleware

Die Verfolgung von Vertriebschancen und ?aktivitäten auf einen Blick: Für die übersichtliche Benutzeroberfläche von SugarCRM gibt es aus der Community ein deutsches Sprachpaket.
Die Verfolgung von Vertriebschancen und ?aktivitäten auf einen Blick: Für die übersichtliche Benutzeroberfläche von SugarCRM gibt es aus der Community ein deutsches Sprachpaket.

Auf den Basissystemen, die aus freien Betriebssystemen und Middleware bestehen, mit einigen reifen quelloffenen Security-Tools abgesichert und über System-Management-Software verwaltet werden, setzen zunehmend Lösungen rund um Communication, Collaboration, Groupware und Enterprise-Content-Management auf. Das Angebot zuverlässiger Open-Source-Lösungen aus der Community oder von kommerziellen Anbietern ist hierbei allerdings schon überschaubarer: Asterisk für VoIP, Scalix Collaboration (vom Linux-Anbieter Xandros übernommen), Open-Xchange und Zimbra (von Yahoo akquiriert) für Groupware, Typo3 und Alfresco als Content- sowie eZ publish als Dokumenten-Management-System sind unter etwa 40 relevanten Open-Source-Programmen als führende Lösungen dieser Kategorien zu nennen.

Anbieter in diesem Lösungsumfeld sind derzeit ebenso wie noch die meisten der Open-Source-Firmen für Infrastruktursoftware vor allem damit beschäftigt, ihre Geschäftsbereiche zu professionalisieren. Dazu gehören der Auf- beziehungsweise Ausbau der Vertriebswege, die Suche nach zertifizierten Software-, Hardware- und Service-Partnerschaften, die Erweiterung des Lösungsportfolios und der Funktionen sowie das breitere Angebot von Service und Support. Hier bilden sich bereits vereinzelt selektive "Ökosysteme", die aber noch nicht stark genug sind, um etablierte Player wirklich zu gefährden. Einige Open-Source-Nischen-Player wie etwa Zimbra und Scalix sind bereits der Konsolidierung unterlegen. Dies kann zur steigenden Professionalisierung des Angebots führen, oder aber die Open-Source-Software wird im Portfolio der übernehmenden Firmen verschwinden.

Business Applications

Es existieren rund 40 weitere Softwareprojekte aus dem Open-Source-Lager, die sich die Entwicklung geschäftsunterstützender Applikationen auf die Fahne geschrieben haben. Diesen Produkten fehlt es allerdings oftmals an der nötigen Reife, was sich häufig in der zu kurz greifenden Funktionalität, der geringen Größe und Supportfähigkeit der Entwicklergemeinde sowie in zu wenigen Referenzinstallationen widerspiegelt. Die Community-getriebenen Lösungen in diesem Umfeld wie Compiere (Enterprise-Resource-Management), Pentaho (Business Intelligence), Mondrian (Data Warehousing) oder Jasper Reports (Reporting) sind dabei an einem Punkt angekommen, der durch die Weiterentwicklung der Software über die Entwicklergemeinde und kleinere kommerzielle Firmen bestimmt ist und sich eher an einem Aufschließen an bewährte Standards orientiert als an bahnbrechenden Neuerungen. Hier werden die nächsten zwei bis drei Jahre zeigen müssen, ob diese Lösungen an nötiger Marktreife hinzugewinnen und den Sprung in den breiten Markt schaffen werden oder in Nischen verschwinden.

Open-Source-CRM

Eine Sonderstellung unter den geschäftskritischen Anwendungen auf Basis von Open Source hat das Customer-Relationship-Management (CRM). Hier bieten heute einige wenige Community-Produkte und kommerzielle Lösungen weit entwickelte Grundfunktionen für professionelles Kundenbeziehungs-Management, die für viele Anwender bereits ausreichen. SugarCRM gilt als populärster und am weitesten professionalisierter Anbieter in diesem Bereich. vTiger CRM, die Abspaltung einer älteren Version von SugarCRM, und XRMS CRM sind weit weniger bekannt und zum Teil unterschiedlich in den Features und der funktionellen Ausrichtung. Alle drei Lösungen haben jedoch eine intuitive Handhabung gemein und bauen auf dem populären LAMP-Stack (Linux, Apache, MySQL, PHP) auf.

Darüber hinaus gibt es bereits eine Anzahl regionaler und überregionaler Dienstleister in Deutschland, die die international entwickelte Software in die bestehende Unternehmens-IT integrieren, Anpassungen von Schnittstellen und an anderen Programme vornehmen sowie Schulung und Support anbieten. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen können diese Lösungen deshalb eine Alternative zu proprietärer CRM-Software etablierter Hersteller sein, zumal hier in der Regel die preislichen Vorteile der geringen beziehungsweise wegfallenden Lizenzgebühren bei Open-Source-CRM-Systemen direkt zum Tragen kommen. Meist verfügen kleine und mittlere Anwenderunternehmen über zu geringes Wissen, was die Einführung solcher Geschäftsapplikationen betrifft. Sie benötigen externe Hilfe bei der Analyse der Vertriebsabläufe, der Abstimmung auf die vorhandene IT-Landschaft und in Sachen Anwendertraining. Der kostenpflichtige Service für Integration, Schulung und Support wird in dieser Gruppe im Fall der Wahl einer proprietären Lösung oftmals genauso anfallen wie bei der Open-Source-Software.

Geringe installierte Basis

Bisher sind erst ein bis zwei Prozent der installierten CRM-Software im Mittelstand entweder kommerzielle oder nichtkommerzielle Open-Source-Systeme. Im Vergleich hierzu haben CRM-Lösungen von SAP im Mittelstand einen Marktanteil von 35 Prozent und Oracle (inklusive Siebel) etwa 16 Prozent. Der Kundenkreis für Open-Source-CRM besteht vorwiegend aus Beratungsunternehmen, Medienagenturen, Handel, Handwerk und Kleinindustrie und geht dabei nur selten über mehr als 50 Benutzer hinaus, da die Lösungen bezüglich ihrer Skalierbarkeit noch an Grenzen stoßen. Die von quelloffener CRM-Software derzeit unterstützten Prozesse Marketing, Vertrieb und Kundenpflege im B-to-B- und B-to-C-Bereich gehören zu den Basiskomponenten einer modernen Kunden-Management-Lösung - umfangreichere Funktionen finden sich derzeit nur in den Angeboten etablierter Hersteller.

Branchenanpassungen der Lösungen sind zwar auf Basis offenen Quellcodes für Spezialisten unter Umständen vorteilhafter vorzunehmen als bei geschlossenen Systemen, doch die Vielzahl der branchenspezifischen Anbieter von proprietärer Software, meist in Partnerschaft mit den großen etablierten Playern, spricht auch in diesem Punkt gegen eine schlagartige Verbreitung von Open-Source-CRM. Als Treiber für die quelloffenen Lösungen fungiert demnach derzeit vor allem das Geschäftsmodell Application Service Providing, das SugarCRM recht erfolgreich umsetzt. Der günstige Preis und die Flexibilität machen den Einstieg in gehostete Open-Source-Lösungen sehr einfach und erleichtern erste Gehversuche. (ue)



Seite: 1 2 3  weiter


Leserkommentare 
(0 Beiträge), 
Kommentieren

Beitrag schreiben

Noch kein Forums-Mitglied?
Dann gleich hier anmelden.

INHALT DIESES ARTIKELS Mehr zum Thema Weiterführende Links
Energieeffizienz in der IT
Best of IT-Solutions - Energieeffizienz in der IT
Der Einsatz von stromsparenden Technologien ist en Vogue. Im neuen Best of IT-Solutions-Blogs diskutieren Experten über die wahren Werte und Zielsetzungen grüner IT-Technologien und ihr Einsparpotential für die Unternehmens-IT.

Zum Best of IT-Solutions-Blog
OPEN SOURCE: CW-REDAKTEURE EMPFEHLEN
Best of Open Source: Productivity-Anwendungen Best of Open Source: Productivity-Anwendungen Office, Browser, Multimedia - die COMPUTERWOCHE stellt die besten Productivity-Werkzeuge aus der Open-Source-Community vor. weiter
Die Zukunft von Open Source Die Zukunft von Open Source Quelloffene Software dringt in alle Bereiche der Unternehmens-IT vor, prognostizieren US-Marktforscher weiter
Best of Open Source: Enterprise-Anwendungen Best of Open Source: Enterprise-Anwendungen ERP, CRM, Business Intelligence - die COMPUTERWOCHE stellt die besten Open-Source-Produkte für Collaboration-Aufgaben vor. weiter
Best of Open Source: Collaboration Best of Open Source: Collaboration Wikis, Blogs, Social Software - die COMPUTERWOCHE stellt die besten Open-Source-Produkte für Collaboration-Aufgaben vor. weiter
OpenSUSE 11.0 im Test OpenSUSE 11.0 im Test Das neue Major Release der Linux-Distribution bringt eine Reihe von Verbesserungen für professionelle und private Nutzer. weiter
Best of Open Source: Productivity-Anwendungen Die Zukunft von Open Source Best of Open Source: Enterprise-Anwendungen Best of Open Source: Collaboration OpenSUSE 11.0 im Test
  • Top geklickt
  • Top verlinkt
Aktuelle Umfrage

Wie verändert sich Ihr IT-Budget 2009 gegenüber 2008?

  • Whitepaper
FEATURED LINKS

Virtual Data Center
Virtual Data Center
Eine auf Linux basierende Supercomputing-Installation von IBM belegt auf der neuen "Green500"-Liste der weltweit energieeffizientesten Höchstleistungsrechner den ersten Platz. Kernstück dieser Installation ist das "IBM BladeCenter QS22".

Supercomputing im Mittelstand
KOSTENLOSE NEWSLETTER VON COMPUTERWOCHE
Nachrichten morgens
Whitepaper
Nachrichten mittags
CW-Mittelstand
Highlights der Woche
Hardware
Neu: SAP-Newsletter
Software
Job + Karriere
Open-Source
Stellenmarkt
Produkte + Techn.
Freiberufler
Security