CW-Subnets     |     Executive Briefings     |     Blogs & Forum     |     CW-TV     |     Newsletter     |     RSS
Schließen
Dock ein-/ausblenden
Produkte + Technik

Zweifel an Darstellung des Verteidigungsministeriums zum Datenverlust

Drucken |  Empfehlen |  PDF |  Merken
Das Verteidigungsministerium hat in einem Schreiben an den Ausschuss zur Untersuchung der Kurnaz-Affäre zugegeben, dass wegen des Defekts eines "Datensicherungsroboters" Geheimdienstunterlagen verloren gingen.

Wie der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Peter Wichert, laut Berichten diverser Medien in einem Schreiben an den Verteidigungsausschuss vor zwei Wochen mitteilte, sind bis Ende 2004 gespeicherte Geheimdienstunterlagen abhandengekommen. Diese hatte der Ausschuss im Zuge seiner Untersuchungen zur Affäre um den in Afghanistan festgehaltenen Bremer Murat Kurnaz angefordert. Laut einem Bericht des Fernsehmagazins "Report Mainz" soll es sich hierbei um geheime Berichte auch des Bundesnachrichtendienstes (BND), von Militärattachés im Ausland sowie um Mitteilungen ausländischer Dienste an die Bundeswehr handeln. Hierzu sollen auch Meldungen über den Fall des ehemaligen Guantánamo-Häftlings Kurnaz gehören. Dieser hatte gesagt, zwei deutsche Soldaten des "Kommandos Spezialkräfte" (KSK) hätten ihn während seiner Inhaftierung auf dem südafghanischen Stützpunkt Kandahar misshandelt. In diesen Zeitraum fallen auch Daten, die jetzt nicht mehr verfügbar sind.

Wichert erklärt den Verlust des brisanten Datenmaterials auch mit Sparzwängen. In seinem Schreiben formuliert er, das IT-System "Jasmin", in dem das Verteidigungsministerium seit 1998 Daten der Militärstellen lagere, sei an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Dies sei mit den vielen Auslandseinsätzen der Bundeswehr zu erklären. Ein nötiger Ausbau des Systems und "bestimmte Anpassungen" seien aber "aufgrund haushalterischer Maßnahmen" verzögert worden, zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" aus dem Schreiben. Um das System zu entlasten, habe man 2004 nicht mehr benötigte Daten auf einen "Datensicherungsroboter" übertragen. Dieser habe dann einen "technischen Defekt" gehabt, er "musste Ende 2004 durch ein Austauschgerät ersetzt werden". Dabei sei es nicht gelungen, die Daten zu übertragen. Die Bandkassetten seien nicht mehr lesbar gewesen und "entsprechend den gültigen Vorschriften zum Umgang mit Verschlusssachen wurden die nicht mehr lesbaren Kassetten am 4. Juli 2005 vernichtet", so der Staatssekretär in seinem Schreiben an den Verteidigungsausschuss.

Unsachgemäße Migration als Grund?

Diese Informationen sind allerdings irritierend. Ein Experte für robotergestützte Bandspeichersysteme sagte gegenüber der COMPUTERWOCHE, er könne die Erklärungen des Verteidigungsministeriums nicht nachvollziehen. Würde tatsächlich das eigentliche Robotersystem – das also Bandkassetten aus einer Bandbibliothek herausnimmt und in Laufwerke einlegt, von wo aus die Daten dann eingelesen werden können - selbst einen "technischen Defekt" erlitten haben, so sei es kein Problem, dieses auszutauschen. Er vermutet, dass die Bundeswehr eine Migration der Datenhaltungssysteme vorgenommen hat. Hierbei könne es in der Tat zu erheblichen Problemen insbesondere bei der zugrunde liegenden Software, dem Dokumenten-Management-System (DMS), kommen. Diese Software verwaltet sämtliche Daten eines IT-gestützten Archivsystems. Werde die Migration unsachgemäß realisiert, könne es unter anderem passieren, dass der Katalog eines Bandspeichersystems beschädigt wird. Der Katalog ist der Teil der DMS-Software, der genau festhält, an welcher Stelle sich welche Daten auf welcher Bandkassette befinden. Sind diese Informationen verloren, ist es ohne extrem großen Aufwand auch finanzieller Natur fast nicht möglich, Daten wieder zu finden. Große Bandbibliotheken von Robotersystemen können Zehntausende Kassetten umfassen.

(0 Beiträge), 
Kommentieren

Beitrag schreiben

Noch kein Forums-Mitglied?
Dann gleich hier anmelden.

CW-REDAKTEURE EMPFEHLEN
Die beste Freeware der Welt Die beste Freeware der Welt Jede Aufgabe am PC lässt sich mittels Freeware hervorragend lösen. Wir stellen die besten Freeware-Programme vor, die auf keinem Rechner fehlen sollte ...
weiter
10 Fotosharing-Dienste im Check (Foto: Stefan von Gagern) 10 Fotosharing-Dienste im Check Wer gewinnt den "Website Award" in der Kategorie Fotosharing-Portale? Wir haben zehn bekannte Angebote unserem Website-Check unterzogen.
weiter
Marktübersicht Ultrabooks Marktübersicht Ultrabooks Die schicken Ultrabooks sollen dem iPad Paroli bieten. Doch was leisten die Topmodelle der Anbieter wirklich? Und sind sie ihren Preis wert?
weiter
Honig verführt Hacker (Foto: Yuri Arcurs - Fotolia) Honig verführt Hacker Mit Honigtöpfen, zu englisch Honeypots, lockt die Telekom Angreifer im Internet auf IT-Systeme ohne Funktion.
weiter
Welche Geräte von der WPS-Lücke betroffen sind Welche Geräte von der WPS-Lücke betroffen sind Eine neu entdeckte Schwachstelle erlaubt es aber, den PIN-Schutz WPS in WLAN-Komponentenen schnell und einfach auszuhebeln.
weiter
KOSTENLOSE NEWSLETTER VON COMPUTERWOCHE
Nachrichten morgens
Whitepaper
Nachrichten mittags
CW-Mittelstand
Highlights der Woche
Hardware
SAP-Newsletter
Software
Job + Karriere
Open-Source
Stellenmarkt
Produkte + Techn.
Freiberufler
Security
Server + Storage
Netzwerke
Mobile & Apps