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iTunes-Software deckt Musikfälschung auf

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Im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit von Kunst werden ungeahnte Fußangeln offenbar. Mittels der iTunes-Software von Apple wurde ein veritabler Musikskandal um die Pianistin Joyce Hatto losgetreten. Der Ehemann der mittlerweile verstorbenen Musikerin hat vermutlich eine unbestimmte Zahl von CDs als Hatto-Einspielungen vermarktet, die aber mit Versatzstücken von anderen Klaviervirtuosen wie Vladimir Ashkenazy, Yefim Bronfman und anderen veredelt worden zu sein scheinen.

Aufgeflogen ist der Schwindel, dessen Ausmaße noch nicht klar sind, dank Apples iTunes-Software. Ein Klassik-Aficionado hatte die vermeintliche Einspielung der "Transzendentalen Etüden" von Franz Liszts auf seinem PC abgespielt. Zu seinem großen Erstaunen identifizierte die iTunes-Software die Aufzeichnung aber als von Laszlo Simon stammend.

iTunes berechnet eine "Disk-Id", die Identität einer spezifischen Aufnahme also. Hierzu nutzt sie unter anderem die Länge der einzelnen Musikstücke. Diese Informationen werden dann mit der Online-Datenbank Compact Disc Database (CDDB) abgeglichen. Im Hatto-Fall kamen auf diese Weise die seltsamen Übereinstimmungen mit der Simon-Einspielung ans Tageslicht.

In der Folge veröffentlichte das britische Klassikmedium "Gramophone" weitere vermeintliche Fälschungen der bis zu ihrem Tod im Sommer 2006 weithin unbekannten Pianistin Hatto, die aber ein geradezu unerhört breites Spektrum an Einspielungen vorzuweisen schien. Sie beauftragte den Musikexperten Andrew Rose von Pristine Audio mit einer Prüfung. Dessen Recherchen waren eindeutig: Die Liszt-Einspielungen stammten nicht von Hatto, sondern von Simon.

Aber Rose deckte noch weitere Fälschungen auf. Gemeinsam mit Technikern konnte er nachweisen, dass Hatto-Stücke von Godowsky künstlich um über 15 Prozent gestreckt worden waren. Nach technischen Eingriffen wieder mit normalem Tempus gespielt, zeigte sich, dass die Aufnahme eindeutig dem Pianisten Carlo Grante zugeordnet werden kann. Auf der Pristineclassical-Homepage listet Rose Hatto-Fälschungen unter anderem von Chopin-, Brahms- und Rachmaninov-Einspielungen auf. Diese kann man sich im Internet anhören. Pristine hat zu Vergleichszwecken auf dem linken Kanal die Hatto- und auf dem rechten Kanal die Originalversionen festgehalten. Alle hat der Ehemann der verstorbenen Künstlerin, William Barrington-Coupe, produziert.

Gramophone schreibt in einem Nachtrag zu seiner Geschichte auf der Homepage, Barrington-Coupe bestreite in einer E-Mail alle Fälschungsanschuldigungen. Allerdings soll er - so anderslautende Medienberichte - mittlerweile in einem Schreiben an die schwedische Musikproduktionsfirma Bis die Fälschungen eingestanden haben. (jm)

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