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Automatischer Aktienhandel

Software schuld am Crash der UAL-Aktie

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Kein menschliches Versagen, sondern ein teilautomatisierter "Workflow" hat für den Absturz der United-Airlines-Aktie gesorgt.

Der dramatische Absturz der Aktie des United-Airlines-Konzerns UAL am Montag ist laut US-Medienberichten weitgehend ohne menschliches Zutun durch Computerprogramme ausgelöst worden. Demnach gelangte ein veralteter Artikel über die UAL-Insolvenz im Jahr 2002 in mehreren Schritten von einer Nachrichten-Website zu Börsenprogrammen, die aufgrund von Meldungen automatisch mit Aktien handeln. Die UAL-Wertpapiere verloren am Montag 76 Prozent ihres Werts, bis die Börse sie vom Handel aussetzte. Nachdem UAL den Bericht als "komplett falsch" zurückgewiesen hatte, gingen die Geschäfte aber weiter. Die Aktie schloss bei 10,92 Dollar und damit um knapp elf Prozent niedriger.

Der sechs Jahre alte Artikel der "Chicago Tribune" erschien zuerst auf der Website der Zeitung "South Florida Sun-Sentinel", die ebenfalls zum Tribune-Verlag gehört. Er geriet nach Angaben des Unternehmens durch einen Link zu dem archivierten Text wieder in Umlauf. "Es wurde keine neue Geschichte veröffentlicht, und die alte Geschichte wurde auch nicht wieder veröffentlicht", erklärte der Verlag am Dienstag in einer Mitteilung. Dennoch klickten etliche Leser auf den Text, der daraufhin in der Liste "Most viewed" (am häufigsten gelesen) prominent auf dem Portal zu finden war. Der Text soll kein Veröffentlichungsdatum enthalten haben.

Woher das Interesse stammte, ist unklar. Das "Wall Street Journal" wies am Mittwoch darauf hin, dass am Wochenende mehrere Stürme über Florida fegten; zahlreiche Surfer könnten im Netz nach Flugabsagen bei United Airlines gesucht haben und dabei auch auf die alte Nachricht von der Insolvenz gestoßen sein. Der Verlag behauptete, dass erst Google die Aufmerksamkeit nach oben getrieben habe. Denn ein Suchroboter des Internet-Konzerns, der Nachrichtenportale regelmäßig auf Neuigkeiten prüft, nahm die ohne Datum publizierte Geschichte auf. Wer unter Google News die Begriffe "United Airlines" eingab, erhielt somit als Ergebnis auch einen Link zum alten Text der "Sun-Sentinel". Dieser war in der Ergebnisliste allerdings mit einem aktuellen Zeitstempel versehen.

Auf diesem Wege erreichte die vermeintliche Neuigkeit schnell einen größeren Leserkreis: Ein Börsenanalyst der Beratungsfirma Income Securities Advisors verwies auf die Geschichte, und auf diese Weise gelangte sie auf Terminals der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg, berichtete die "Chicago Tribune". Minuten später fiel der Kurs der UAL-Aktie um 76 Prozent auf 3 Dollar, bevor das Papier vom Handel ausgesetzt wurde.

Für diesen drastischen Sturz macht das "Wall Street Journal" nicht zuletzt Programme verantwortlich, die automatisch Meldungen und Zahlen auswerten und Transaktionen an der Börse veranlassen. Dieser sogenannte automatisierte Handel nimmt weltweit zu: In der letzten Augustwoche sei derartige Software für ein Viertel aller Umsätze an der New Yorker Börse verantwortlich gewesen. (dpa/ajf)

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