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Telekommunikation & Netze

Telekom-Chef

René Obermann sieht Branche am Scheidepunkt

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Das Internet verändert die Telekommunikationsbranche aus Sicht von Telekom-Chef René Obermann grundlegend.
René Obermann präsentiert morgen seine "Strategie 2.0".
René Obermann präsentiert morgen seine "Strategie 2.0".
René Obermann präsentiert morgen seine "Strategie 2.0".

"Die Einführung von Internettechnologie wird die bisherigen Geschäftsmodelle langfristig ablösen", sagte Obermann am Dienstag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Branche werde künftig noch stärker mit Internetunternehmen zusammenarbeiten müssen. Die Vermarktung von Internetdienstleistungen im Mobilfunk stehe aber noch ganz am Anfang.

Seit einigen Jahren kämpft die Telekommunikationswirtschaft in Europa und den USA im klassischen Sprachgeschäft mit sinkenden Umsätzen. Der enorme Preisverfall im Mobilfunk und im Festnetz drückt auf die Margen der Unternehmen. Die neuen Dienstleistungen für Privat- und im Systemgeschäft für Großkunden gewinnen zwar zunehmend an Bedeutung, ihnen fehlt es aber noch an Masse.

Wachstumsphantasien sind Vergangenheit

Große Wachstumsphantasien gehören auch bei Konkurrenten der Telekom wie Vodafone, Telefónica oder France Télécom längst der Vergangenheit an. Im vergangenen Jahr steigerte der deutsche Branchenprimus Telekom Umsatz und operativen Gewinn nur dank einer Übernahme.

IPTV - ein Wachstumfeld der Telekom ("Entertain")
IPTV - ein Wachstumfeld der Telekom ("Entertain")
IPTV - ein Wachstumfeld der Telekom ("Entertain")

Die Telekom hat ihre Geschäfte in den vergangenen Jahren neu ausgerichtet. Der Konzern wurde zum Teil kräftig umgebaut. Hierzu gehörte die Zusammenführung der deutschen Mobilfunkaktivitäten mit dem Festnetzgeschäft. Am morgigen Mittwoch wird Obermann die "Strategie 2.0" der Telekom näher erläutern. Zuvor zeichnete sich ab, dass die Telekom verstärkt auf Dienstleistungen rund um das Internet setzen will, um Wachstumschancen zu nutzen und Geschäftsausfälle auszugleichen. Dazu gehören unter anderem Speicherdienste sowie der Ausbau von Bezahldiensten und des Internetfernsehens.

Kroes will EU breitbandiger machen

Nach einem internen Arbeitspapier der neuen EU-Kommissarin für Telekommunikation und Informationstechnologie, Neelie Kroes, sollen bis 2013 alle Bürger der Europäischen Union via Breitband Zugang zum Internet haben; in zehn Jahren mit einer Mindestgeschwindigkeit von 30 Megabit pro Sekunde (Mbps). Nach dem Papier, das dem "Handelsblatt" (Dienstag) vorlag, soll die Hälfte aller Haushalte 2020 sogar mit mehr als 100 Mpbs Sekunde surfen können.

Auch wenn dem Internet die Zukunft gehört, wird allerdings die traditionsreiche Sprachtelefonie nach den Worten von Obermann noch lange die tragende Säule vieler Unternehmen bleiben. "Für viele Anbieter macht das Telefongeschäft auf lange Jahre den mit Abstand größten Umsatzanteil aus" - trotz Preisverfalls und Wettbewerbsdrucks. Dieser Markt bringe in Europa allein Umsätze im dreistelligen Milliardenbereich. Ein Telekommunikationsanbieter könne es sich nicht leisten, das Stammgeschäft zu ignorieren.

Umsatzchancen

"Zwei Dinge sind wichtig, ein margenstarkes Kerngeschäft und der Mut, auf chancenreiche Wachstumsfelder zu setzen", unterstrich Obermann. Dabei geht es nach seiner Ansicht darum, die Trends um das mobile und feste Internet rechtzeitig zu erkennen. "Die Unternehmen müssen ihren Kunden künftig einen bestmöglichen Zugang zu allen Internet-Dienstleistungen bieten." Entlang der gesamten Wertschöpfungskette böten sich Umsatzchancen, die zum großen Teil aber nur in Partnerschaften gehoben werden könnten.

Bei der Bilanzvorlage Ende Februar hatte Obermann angekündigt, die Großkundensparte T-Systems solle künftig eine größere Rolle im Konzern spielen. Die Tochterfirma stellt unter anderem Rechenzentren für Großkonzerne bereit. Großes Wachstum sieht Obermann in der Bereitstellung von IT-Diensten und Speicherplatz über das Internet, dem sogenannten Cloud Computing. "Für unsere Branche ist das Thema Cloud Computing mit zweistelligen Zuwachsraten ein echter Wachstumstreiber", sagte er. "Das darf man nicht verschlafen". (dpa/tc)

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