| 3GSM: UMTS schaltet den Turbo zu | |
| Handys bleiben Fremdkörper |
Neben dem Aspekt der Kundenbindung spricht für die Kleinstzellen aus Sicht der Mobilfunker noch ein anderer Punkt: Wenn der User zu Hause sein gewohntes Handy benutzt, dann können sie ihm über diesen Kanal auch Mehrwertdienste wie Music-Downloads offerieren. Branchenkenner wie Shaw, sein Unternehmen baut Universal-Mobile-Access-Lösungen (UMA) wie Network-Controller, sind allerdings skeptisch, ob sich die Femtocells schnell durchsetzen, da sie im Vergleich zu einem klassischen WLAN-Access-Point doch deutlich teurer sind. "Ob sich das für die Carrier rechnet, muss sich noch zeigen", gibt Shaw zu bedenken.
Aus Anwendersicht spricht für die Femtocells, dass keine neuen Handys benötigt werden. Auf der anderen Seite konterkariert der Femtocell-Ansatz die mit VoIP verfolgte Idee eines einheitlichen Netzes für Daten und Sprache: Im Gegensatz zu den Dual-Mode-Handys, mit denen per VoIP over WLAN telefoniert wird, bleiben die GSM-Handys in den Femtocells ein Fremdkörper. Letztlich dürfte der Erfolg der neuen Technik auch davon abhängen, ob die Betreiber für Gespräche in diesen Funkzellen günstigere Tarife - ähnlich etwa den Homezones von Genion - offerieren.
Gab die 3GSM in Sachen Technik viele neue Impulse, so sah es auf der Anwendungsseite eher bescheiden aus, wenn man einmal von Mobile E-Mail absieht. "Ich bin enttäuscht, für die Enterprise-Kunden gab es in Sachen CRM oder Field-force-Automatisierung keine großen Ankündigungen", zog Lars Vestergaard, Research Director European Wireless and Mobile Communications bei IDC, Bilanz. 3GSM-Aussteller wie Oracle und andere befänden sich hier noch in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung, las Vestergaard den CRM-Anbietern die Leviten.
Zumindest Vodafone lässt die Enterprise-Nutzer nicht ganz im Regen stehen. Mit der Vodafone Application Services Platform (VAF) hat der Konzern eine Art Middleware entwickelt, die Unternehmensanwendungen mobilisiert. Über Konnektoren wird die Plattform mit Enterprise-Systemen wie SAP, Siebel oder Oracle verbunden und erlaubt mobilen Endgeräten einen Zugriff darauf. "Vereinfacht dargestellt, funktioniert das Ganze ähnlich wie die Mobile-E-Mail-Nutzung beim Blackberry", erklärt Oliver Mauss, Director bei Vodafone in England. Ähnlich wie bei der RIM-Lösung werden die Daten aus dem Unternehmen über einen verschlüsselten Tunnel zum Vodafone Application Server übertragen. Von dort erfolgt der Transfer über das Mobilfunknetz auf das Endgerät. Auf diesem muss dann ein entsprechendes Frontend zur Datenverarbeitung installiert sein. Bislang offeriert Vodafone diesen Service in England und Spanien. Dazu, wann der Dienst auch in Deutschland verfügbar sein wird, wollte Mauss keine Angaben machen, da dies in der Entscheidungshoheit der einzelnen Landesgesellschaften liege. (hi)