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Horrornachricht per Mail

Nokia Siemens Networks schließt Standorte

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Die Horrornachricht kam um 12:01 Uhr per Email an alle Mitarbeiter.
Die NSN-Zentrale auf dem Nokia-Campus in Espoo bei Helsinki
Die NSN-Zentrale auf dem Nokia-Campus in Espoo bei Helsinki
Die NSN-Zentrale auf dem Nokia-Campus in Espoo bei Helsinki
Foto: NSN

"Restrukturierung von NSN - nächste Schritte in Deutschland", lautete die Betreffzeile, die tausende Mitarbeiter des Unternehmens Nokia Siemens Networks (NSN) in München, Hamburg, Berlin und anderen Standorten des Unternehmens am Dienstag erstarren ließ: 2900 Arbeitsplätze will NSN streichen und fast alle deutschen Standorte schließen. Am schlimmsten trifft es die Zentrale in München mit 3600 Mitarbeitern, die ihre Jobs verlieren oder umziehen müssen. "Wir sind alle geschockt", sagte Michael Leppek von der IG Metall München.

Die Nachricht von der Standortschließung hat die schlimmsten Befürchtungen der Mitarbeiter in München übertroffen. "Brutaler geht es nicht", sagte Leppek. Auch die Art der Kommunikation sorgte für Entsetzen im Unternehmen. "Das ist einfach unglaublich", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Georg Nassauer, der das Drama am Dienstag in Berlin verfolgen musste. Erst am Nachmittag, dreieinhalb Stunden nach der Mail, sollten die Mitarbeiter in München in einer Betriebsversammlung persönlich informiert werden. "Die Menschen so vor den Kopf zu stoßen und dann stundenlang allein zu lassen - das geht gar nicht", schimpfte Leppek.

Schon seit Monaten bangen die rund 9000 Mitarbeiter von NSN an den 35 deutschen Standorten um ihre Jobs. Denn schon Ende November hatte das angeschlagene Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und Nokia mit Hauptsitz in Finnland den Abbau von weltweit 17.000 Stellen bekanntgeben - aber keine Details für Deutschland genannt. Über Weihnachten schwankten die Mitarbeiter zwischen Hoffen und Bangen. "Sie waren in einer Schockstarre - haben aber gearbeitet wie Sau", sagte Gewerkschafter Leppek. Dass es so schlimm kommen wird, hat aber kaum einer erwartet.

NSN-Chef Rajeev Suri
NSN-Chef Rajeev Suri
NSN-Chef Rajeev Suri
Foto: NSN

Die Probleme des Unternehmens sind alles andere als neu. Seit Jahren leidet der Netzwerk-Ausrüster unter einem harten Preiskampf und der scharfen Konkurrenz und strich bereits in den vergangenen Jahren tausende Jobs in Deutschland. Seinen Müttern Nokia und Siemens machte das 2007 gegründete Gemeinschaftsunternehmen viel Kummer und häufte Verluste in Milliardenhöhe an. Allein 2010 schrieben die beiden Konzerne eine Milliarde Euro auf das Problemkind ab.

Künftig will NSN das Geschäft in Deutschland nur noch von fünf Standorten aus steuern: Berlin, Bruchsal, Düsseldorf, Bonn und Ulm. Alle anderen Niederlassungen, darunter zahlreiche kleine mit deutlich weniger als 100 Mitarbeitern, sollen dicht machen. Die IG Metall sieht darin einen schleichenden Rückzug von NSN: "Das ist der Abschied von NSN aus Deutschland." Die Gewerkschaft kündigte aber massiven Widerstand gegen die Pläne an und rief bereits für Mittwoch zum Protest in München auf. "Wir wollen, dass der Standort erhalten bleibt", sagte Nassauer.

Viel Zeit bleibt der IG Metall nicht, das Schicksal der Standorte abzuwenden, denn NSN will bei dem Abbau aufs Tempo drücken. "Dringlichkeit ist jetzt das Gebot, damit wir unser Ziel erreichen", schrieben die NSN-Geschäftsführer in ihrer Mail an die Mitarbeiter. "Wir sind fest davon überzeugt, dass wir mit der neuen Strategie und der geplanten Organisationsstruktur bestens für die Zukunft gerüstet sind." Für den weiteren "Planungsprozess" der Restrukturierung versprachen sie den Mitarbeitern Fairness und Respekt und verabschiedeten sich mit "Vielen Grüßen". (dpa/tc)

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