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Linux-Desktops: Die Hoffnung stirbt zuletzt

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Marktanalysten empfehlen: Mit Open-Source-Anwendungen anfangen, mit Linux nachziehen.

Von CW-Redakteur Ludger Schmitz

Dass Linux längst dem Nischendasein entronnen sei, erklären Marktanalysten seit einiger Zeit. Bei Servern hat das Open-Source-Betriebssystem den Höhepunkt seiner Erfolgsgeschichte noch nicht einmal erreicht. Aber bei Desktops tut sich nichts. Laut Gartner arbeiten weltweit gerade ein Prozent der PC-Anwender in Unternehmen auf Basis von Linux. Bis 2008 sollen es gerade einmal 2,8 Prozent werden. "Bisher waren Migrationen vernachlässigbar", erklärt Analyst Gordon Haffa von Illuminata. Selbst in der öffentlichen Verwaltung Westeuropas liefen 95 Prozent der PCs mit Windows, steuert IDC bei. "Microsofts größter Wettbewerber sind weiterhin ältere Versionen ihrer eigenen Software", stellte Gartner kürzlich fest.

An mangelnder Benutzerfreundlichkeit, hier die Oberfläche von Suse Linux Enterprise Desktop 10, kann es nicht liegen, dass Linux auf PCs keine markrelevante Größe ist.
An mangelnder Benutzerfreundlichkeit, hier die Oberfläche von Suse Linux Enterprise Desktop 10, kann es nicht liegen, dass Linux auf PCs keine markrelevante Größe ist.
An mangelnder Benutzerfreundlichkeit, hier die Oberfläche von Suse Linux Enterprise Desktop 10, kann es nicht liegen, dass Linux auf PCs keine markrelevante Größe ist.

Die Distributionsklassiker haben das Feld weitgehend aufgegeben. Red Hat hat die Desktop-Seite an das "Fedora"-Projekt übergeben, die "Workstation"-Variante von Red Hat Enterprise Linux existiert seit März dieses Jahres nicht mehr. Auch Novell betreibt mit OpenSuse Privatanwender-Outsourcing, es gibt allerdings noch den Suse Linux Enterprise Desktop. Die südafrikanische Canonical-Distribution Ubuntu hat das aufgegebene Terrain besetzt, sich aber in Unternehmen noch keinen Namen machen können.

Die Gründe für die kaum spürbare Akzeptanz von Linux auf Desktops in professionellen Umgebungen sind zahlreich. Im Zentrum steht dabei längst nicht mehr der alte Vorwurf, es gebe einfach zu wenige Anwendungen für das alternative Betriebssystem. Vielmehr fehlen einige, für die es keine ernsthafte Alternative gibt, Photoshop zum Beispiel. Und wo es zahlreiche Windows-basierende firmeneigenen Programme und Makros gibt, kann die TCO-Berechnung, die eigentlich dank fehlender Lizenzkosten für Linux sprechen sollte, gegenteilig ausfallen. "Es geht um das Trägheitsmoment der installierten Basis, um die Hersteller-Bezogenheit der Applikationen und der Daten", erklärt IDC-Analyst Andrew Brown auf Nachfrage der COMPUTERWOCHE.

Dell liefert den Inspiron 530 mit vorkonfiguriertem Ubuntu, weil "die Nachfrage nach Linux-PCs steigt".
Dell liefert den Inspiron 530 mit vorkonfiguriertem Ubuntu, weil "die Nachfrage nach Linux-PCs steigt".
Dell liefert den Inspiron 530 mit vorkonfiguriertem Ubuntu, weil "die Nachfrage nach Linux-PCs steigt".

Auch wenn sich die Illusionen vergangener Jahre längst in Luft aufgelöst haben, verbindet die Open-Source-Gemeinde immer wieder Einzelereignisse mit großen Hoffnungen: Noch eine öffentliche Verwaltung migriert Desktops auf Linux. Ein Großunternehmen wie Renault will 20 000 PCs umstellen. Lenovo bietet vorkonfigurierte Linux-Notebooks an. Dell baut das Angebot an Ubuntu-PCs aus, weil die erste Offerte sehr erfolgreich war. HP denkt allem Anschein nach in eine ähnliche Richtung, kauft sich gar mit Neoware einen Hersteller Linux-basierender Thin Clients. Wyse bietet erstmals Thin Clients mit Linux an. Und jedes Mal hofft die Community wieder: Das muss doch jetzt der Durchbruch sein!

Das Problem heißt "Catch 22": Unterhalb eines gewissen Verbreitungsgrads ist Linux für Softwarehersteller keine vielversprechende Umgebung, was wiederum den Zuspruch für das Betriebssystem hemmt, weshalb es bestimmte wichtige Applikationen nicht gibt… Auffallend ist, dass sämtliche Überlegungen über diesen Knackpunkt um den klassischen Fat Client kreisen. Linux und Open Source sind nicht verbunden mit einer Alternative zu diesem kostspieligen IT-Arbeitsplatzmodell.

Das OpenOffice-Modul Calc. Analysten empfehlen, die Ablösung von Microsoft mit Open-Source-Anwendungen zu beginnen.
Das OpenOffice-Modul Calc. Analysten empfehlen, die Ablösung von Microsoft mit Open-Source-Anwendungen zu beginnen.
Das OpenOffice-Modul Calc. Analysten empfehlen, die Ablösung von Microsoft mit Open-Source-Anwendungen zu beginnen.

Die Analysten sehen den Hebel unverändert im Kostenaspekt der Desktops. Allerdings wird das Kraftmoment nun nicht mehr beim Betriebssystem angesetzt. "Um Linux auf dem Desktop zum Erfolg zu verhelfen, muss OpenOffice erfolgreich werden", meint IDC-Analyst Brown: "Weil dieses Büropaket auf Windows sehr gut läuft, wäre ein konstanter Aufstieg von OpenOffice oder StarOffice auf Windows-Basis ein Indikator einer Bewegung zu Linux." Haben Anwender sich erst einmal an eine andere – und doch gar nicht so unterschiedliche – Anwendung gewöhnt, ist ihnen das ohnehin kaum spürbare Betriebssystem darunter egal.

Gartner-Analyst Michael Silver teilt diese Ansicht, sieht aber noch zwei weitere gleichzeitige Entwicklungen: "Web-2.0-Anwendungen wie Google Docs und Spreadsheets werden eine größere Bedrohung für MS Office als Open-Source-Büropakete." Denn sie sind zum einen Betriebssystem-agnostisch, zum anderen nehmen sie den Anwendern nicht ihre gewohnten Werkzeuge weg, sondern erweitern sie – und ersetzen sie schleichend. Zweitens mache die herstellerunabhängige Standardisierung der Office-Formate die quelloffenen Büroalternativen gegenüber Microsofts Office attraktiver.

Fazit: Nicht mehr allein die Vorteile von Linux stoßen eine Änderung der Desktop-Strukturen an, sondern seine Kombination mit Open-Source-Anwendungen bringt Anwendern mehr. Mit der Umstellung der Applikationen anzufangen erleichtert die Neuausrichtung bedeutend.

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