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GPLv3 – Erfolg oder Misserfolg?

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Bisher sind 171 Community-Projekte auf die neue GNU General Public License gewechselt. Sind das nun viele oder wenige?

Als die Free Software Foundation (FSF) am 27. Juni diese Jahres die dritte Version der GPL einführte, zeigten sich ihre Vertreter überzeugt, die neue Lizenz werde in Kürze ähnlich erfolgreich sein wie die GPLv2. Diese ist die mit Abstand beliebteste Lizenz für freie und Open-Source-Software. Und sie wird es wohl auf absehbare Zeit bleiben. Das zeigen Zahlen von Palamida, einem Unternehmen, dessen Produkte auf das Tracking von Code und Lizenzen spezialisiert sind.

Bis gestern hat Palamida auf einer speziellen Web-Site 171 Community-Projekte registriert, welche die GPLv3 verwenden; bei der abgeschwächten Variante LGPLv3 sind es sieben. Andererseits aber zählen die Lizenz-Tracker 2806 Projekte unter der alten GPLv2 und 22 unter deren "Lesser"-Ausgabe. Das ergibt insgesamt einen Anteil von rund sechs Prozent für die dritte Version.

Nachdem erwartungsgemäß Samba den Wechsel vollzogen hat (mehr dazu hier), fallen unter den Neuerern jüngeren Datums die GNU-Projekte EMMS (Emacs Multimedia System) und PG (Privacy Guard, ein Nachfolger von openPGP) auf. Nicht aus dem FSF-Kreis kommen die Lizenzwechsler Pluck (Content Management), Klötzle (Animation) und IcyOwl (C++-Entwicklungsumgebung). Unverändert nicht überzeugt hat die GPLv3 Linux Torvalds und die Maintainer des wichtigsten Open-Source-Projekts überhaupt, die Linux Kernel Group. Weiterhin auf Distanz befinden sich die wichtigsten Linux-Distributionen Suse und Red Hat sowie Vorzeigeprojekte wie Apache (eigene Lizenz), Jboss oder MySQL. Von den IT-Branchengrößen hat nicht einmal die GPL-geneigte Sun Bereitschaft zur Übernahme der neuen Lizenz erkennen lassen (mehr Reaktionen hier).

Gegner der Bewegung für freie Software könnten genüsslich darauf hinweisen, dass Palamida selbst nur einen kleinen Teil der insgesamt tätigen Community-Projekte beobachtet und Sourceforge mehr als 100.000 Free- und Open-Source-Produkte aufführt. Mithin zeige die aktuelle Verbreitung der GPLv3 nur deren Misserfolg an. Das tut wohlweislich nicht einmal Microsoft. Zum einen ist mit der Sourceforge-Zahl schwer zu operieren, denn bei gut 70 Prozent der dort verzeichneten Projekte handelt es sich um "One-Man-Shows", die eher ihre Produkte updaten als ihre Lizenzen. Zum anderen kommt die GPLv3 nach einem sehr verhaltenen Start inzwischen deutlich besser voran: Momentan wechseln täglich etwa zehn Projekte auf die neue Lizenz. (ls)

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