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Hohe Fluktuationsraten gefährden Offshore-Erfolge

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Mit Karriereprogrammen und höherwertigen Projekten versuchen Anwender, gute Entwickler bei ihren Offshore-Providern zu halten.

Der Offshore-Boom ist ungebrochen. Um langfristige Erfolge zu erzielen, sollten Firmen, die bestimmte Tätigkeiten ins Ausland verlagern, allerdings sicherstellen, dass die dortigen IT-Dienstleister qualifizierte Mitarbeiter einstellen und vor allem auch halten können.

Das ist jedoch nicht einfach, wie eine Umfrage unter IT-Verantwortlichen auf der IBM Rational Software Development Conference in Orlando gezeigt hat. Viele Teilnehmer berichteten von ihren oft vergeblichen Bemühungen, Top-Entwickler nicht an andere Arbeitgeber zu verlieren. Diese erhoffen sich von häufigen Jobwechseln vor allem neue Perspektiven – etwa den Aufstieg ins Projekt-Management.

Die Fluktuation in Indien, Israel und China ist "schrecklich", beklagte sich Jan Roberts, als Senior Director für die Softwareentwicklung bei Cisco verantwortlich. Um dagegen anzugehen, habe der Netzspezialist seinen Offshore-Providern mehr wichtige Projekte übertragen. "Die Programmierer sollen nicht das Gefühl haben, dass wir ihnen die Arbeit geben, die wir selbst nicht machen wollen", begründete Roberts. Die Rechnung scheint aufzugehen: Laut Cisco ist die Fluktuationsrate seit der Umsetzung der neuen Strategie ein gutes Stück zurückgegangen.

Auch der Frankiermaschinenhersteller Pitney Bowles leidet unter der Abwanderung qualifizierter Fachkräfte an seinen Offshore-Standorten. Gemeinsam mit seinen dortigen Partnern hat das Unternehmen klare Aufstiegsperspektiven für die einzelnen Top-Entwickler erarbeitet, um sie zu halten.

Als weiteres wichtiges Kriterium für den Offshore-Erfolg gelten laut Umfrage Metriken zur Messung der Entwicklerleistungen. Bei Pitney Bowles beispielsweise erkennen US-Entwickler im Schnitt doppelt so viele Bug-Meldungen von ausländischen Software-Testern nicht an wie von US-amerikanischen Testern.

Einig waren sich die Befragten zudem darin, dass Kostensenkung nach wie vor das zentrale Motiv für Offshoring darstellt. Allerdings steigen die Löhne und Preise in den noch als Niedriglohnländer geltenden Regionen. In Indien etwa ziehen die Kosten für Offshoring-Angebote um durchschnittlich 15 Prozent pro Jahr an.

Vor diesem Hintergrund könnte Offshoring irgendwann nicht mehr genug Mehrwert bieten. Nach den Worten von Roberts etwa würde Cisco seine Offshore-Entwicklung zurückfahren, wären die Kosten in den USA genauso niedrig wie in Indien oder China. Nanette Brown Leiterin Architektur- und Qualitäts-Management bei Pitney Bowes äußerte sich ähnlich. Andererseits glaubt sie, dass sich die Offshorer bei einer Annäherung der Entwicklungskosten auf neue Leistungen verlegen würden. "Der Wettbewerb würde sich dann bei den Services stattfinden, die besonders stark nachgefragt werden – das sind doch spannende Aussichten", so Brown.

Daniel Sabbah, General Manager der IBM-Sparte Rational, würde dagegen auch dann noch bestimmte Tätigkeiten ins Ausland verlagern, wenn es keine Preisunterschiede mehr gäbe. Durch Offshoring könne ein Unternehmen viele Erfahrungen sammeln, die ihn bei der Erschließung neuer Märkte von Nutzen seien, begründete der Manager. (sp)

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