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Novell entnervt von Kritikern und Microsoft-Behauptungen

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Firmenchef Ron Hovsepian schreibt einen offenen Brief an die Open-Source-Community - und meint als Adressaten eigentlich auch das Redmonder Topmanagement.

Die Netware-Company bekommt zur Zeit von zwei Seiten Feuer: Zum einen ist vor allem der idealistische Flügel der Open-Source-Szene (erkennbar an der häufigen Betonung der Worte "free" und "GNU") unverändert ziemlich aufgebracht. Denn Novell hat am 2. November mit Microsoft einen in der Tat ziemlich dilettantischen Deal vereinbart, der sich im Kern nicht nur um Linux dreht, sondern auch als Freibrief für Klagen Microsofts gegen den Großteil der Open-Source-Entwickler und -Anwender interpretiert wird (kritische Hintergrundanalyse hier). Zum anderen erklärt Microsoft-Chef Steve Ballmer bei jeder Gelegenheit, so kürzlich auf einem SQL-Server-Kongress gegenüber Anwendern: "Novell hat Microsoft angemessen für unser geistiges Eigentum entschädigt. Nur ein Kunde, der Suse Linux verwendet, hat hinreichend für die Verwendung unseres geistigen Eigentums gezahlt."

Ballmer ging noch weiter: "Jeder Anwender von Linux im Rechenzentrum hat heute eine Art Zahlungsverpflichtung in seiner Bilanz, denn es geht nicht nur um Microsoft-Patente." Novell gelingt es nicht, die Verunsicherungskampagne aus Redmond zu stoppen. Zunächst musste die zweitoberste Management-Ebene ran. So beschwichtigte kürzlich Novells Verkaufs- und EMEA-Chef Tom Francese, es gebe bei Linux keine Probleme mit geistigem Eigentum. Ferner hätten auch keine Drohungen in dieser Richtung zu dem Patentvertrag mit Microsoft geführt. Gewirkt hat derlei weder in Richtung Microsoft noch bei den Kritikern im Open-Source-Lager.

Jetzt sah sich Novell-Chef Ron Hovsepian zum Eingreifen genötigt. In einem "Open Letter to the Community from Novell" hebt er zunächst hervor, im Zentrum des Vertrages stehe die Entwicklung neuer Techniken für das Server-Management, die Virtualisierung und die Interoperabilität von Dokumentenformaten. "Die Linux-Community wird von der verbesserten Interoperabilität zwischen Linux und Windows profitieren."

Doch das Schreiben hätte er besser nicht nur an die Open-Source-Community, sondern auch an das Microsoft-Topmanagement, allen voran Ballmer, gerichtet. Denn ohne diese Adressierung geraten die folgenden Ausführungen unversehens zu fehlgerichteten Angriffen. Einige Statements zum Vertrag hätten "Schaden angerichtet", so Hovsepian. "Wir widersprechen entschieden diesen Erklärungen."

Erst danach, an zweiter Stelle, kommt der Novell-Chef auf Microsofts Verunsicherungsstrategie zu sprechen: "Wir stimmen nicht überein mit den letzten Microsoft-Erklärungen in Sachen Linux und Patente. Wir betonen: Unsere Übereinkunft mit Microsoft ist in keiner Weise eine Zustimmung dazu, dass Linux irgendwelches geistiges Eigentum von Microsoft verletze." Hovsepian betont es noch einmal: "Novell hat nicht zugestanden, dass Linux oder irgendein anderes unserer Angebote Microsoft-Patente verletze."

Abschließend richtet sich der Novell-Chef noch einmal an die Community. Er versucht zunächst, anhand mehrerer Beispiele deutlich zu machen, dass sein Unternehmen zu Open Source und Linux stehe. "Abschließend möchte ich eindeutig klar machen, dass Novell dazu steht, die Freiheit für freie und Open-Source-Software zu beschützen, zu bewahren und zu fördern." Hovsepians letzter Satz ist ein Eingeständnis, dass sein Unternehmen begriffen hat, dass Gesprächsbedarf besteht, und wahrscheinlich hinter den Kulissen bereits ein Verhandlungsmarathon begonnen hat: "Wir erkennen an, dass die Gemeinschaft der Open-Source-Entwickler essentiell für alle unsere Aktivitäten um Linux ist, und wir freuen uns auf den Dialog mit der Community darüber, inwieweit wir für diese gemeinsamen Ziele zusammenarbeiten können." (ls)

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