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Online-Textverarbeitung Writely.com geht an Google

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Übernahme von Upstartle bedeutet Kampfansage an Microsofts Office-Monopol.

Upstartle LLC ist Anbieter des Web-basierenden Textverarbeitungsservice Writely.com, der seit rund einem halben Jahr im Web zu Betatest-Bedingungen verfügbar ist. Marktbeobachter werten die Übernahme als Beleg für die sei langem kursierende These, dass Google Microsoft über Office-Dienste im Web angreifen will. Zunächst war angenommen worden, dass der Online-Riese zu diesem Zweck auf Open Office zurückgreifen würde. Eine Partnerschaft mit Sun Microsystems vom vergangenen Herbst hatte diese Spekulationen verstärkt (siehe: Sun und Google - eine Bedrohung für Microsoft?). Spätestens mit dem Kauf der Writely-Site hat sich nun der Kurs geändert. Google hatte auch in seinem kürzlich angekündigten "Google Pack", einem Download-Angebot inklusive Anwendungen wie Ad-aware, Real Player und Firefox, das Open-Office-Paket ausgespart.

Writely.com wurde als "The Web Word Processor" bezeichnet, der Anwendern ermöglicht, Dokumente in einem HTML-Interface zu erstellen und zu editieren. Unter anderem werden Word-, RTF-und PDF-Dokumente sowie das Open-Document-Format unterstützt. Die Dateien lassen sich auf dem eigenen Rechner oder im Web speichern.

Einige Funktionen machen den Dienst besonders interessant - zum Beispiel die Möglichkeit, dass mehrere Personen gleichzeitig an Dokumenten arbeiten können, ohne dass es zu Kollisionen und Datenverlusten kommt. Außerdem können Texte besonders bequem verteilt oder im Blog veröffentlicht werden. Writely nutzt das Ajax-Programmiermodell (Asynchronous JavaScript and XML), das von den meisten aktuellen Browsern unterstützt wird.

Der Informationsdienst "Computerwire" bezeichnet Upstartle als "archetypisches Web-2.0-Startup", das ein perfekter Kandidat für eine Übernahme durch ein finanzstarkes und gesundes Unternehmen wie Google gewesen sei. Die Bekanntmachung erfolgte sparsamer Manier: In zwei Blog-Einträgen bei Writely wurden einige wenige Informationen herausgelassen, die nicht besonders hilfreich sind. Dort heißt es etwa, Writely sei wie ein Bulldozer, der sich bei Google zu einem wunderschönen Schmetterling entwickeln werde. Außerdem freue man sich bei Writely auf "free Googleplex lunches".

Diskutiert werden dürfte nun, ob Web-basierende Office-Dienste tatsächlich am Microsoft-Monopol nagen können. Writely-Mitgründer Sam Schillace hatte in einem Blog-Interview im Oktober 2005 gesagt, der Dienst verstehe sich als komplementäres Angebot zu Word. "Web-Textverarbeitung wird sich zu einer separaten Kategorie entwickeln."

Microsoft verfügt bislang noch nicht über ein vergleichbares Angebot, könnte aber unter dem Label der "Live"-Produkte mit etwas Ähnlichem herauskommen. Bislang ist Office Live aber nur ein Web-Hosting- und E-Mail-Service, von Office-Anwendungen ist noch nichts zu sehen. Doch auch Google ist von einer kompletten Web-fähigen Office-Suite noch weit entfernt. Produkte, die mit Microsofts Excel, Powerpoint oder Access mithalten können, sind noch nicht zu sehen. Deshalb dürften nun Websites wie Jotspot, NumSum oder iRows besonders beobachtet werden. Se stellen jeweils kleine Ajax-Anwendungen bereit, mit denen sich Gruppenarbeit online organisieren beziehungsweise Spreadsheets via Browser anfertigen lassen.

Writely wird derzeit von einigen Tausend Betatestern geprüft. Mit der Übernahme hat Google die Zulassung weiterer Betatester unterbrochen, bis das Software-Backend auf die Google-Systeme übertragen ist. Das Unternehmen hatte vor der Übernahme angekündigt, für bestimmte "Premium-Services" wie das Erstellen von pdf-Dokumenten Gebühren zu nehmen. Ob es dabei bleibt, ist allerdings fraglich geworden. (hv)

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