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Oracle konkretisiert Siebel-Pläne

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Seit Ende Januar ist die Übernahme des Customer-Relationship-Management-Spezialisten (CRM) Siebel Systems offiziell. Nun erläutern die Verantwortlichen des Datenbankanbieters, wie sie sich die Integration vorstellen.

"Oracle ist jetzt der unbestrittene Marktführer in Sachen Kunden-Management", triumphierte Oracle-Chef Lawrence Ellison anlässlich des offiziellen Abschlusses der Siebel-Übernahme am 31. Januar dieses Jahres (siehe auch: Oracle schließt Siebel-Übernahme ab). Oracle hatte im September vergangenen Jahres bekannt gegeben, den Pionier in Sachen Kunden-Management-Software für 5,85 Mrd. Dollar übernehmen zu wollen (siehe auch: Mit Siebel kauft Oracle Marktanteile).

Für die Oracle-Verantwortlichen geht es nun darum, die Siebel-Produkte in das "Project Fusion" einzubinden. Fusion wurde im vergangenen Jahr nach der Übernahme von Peoplesoft und J.D. Edwards gestartet. Ziel des Projektes ist es, auf Basis von Oracles "E-Business-Suite" und den zugekauften Business-Softwarelösungen bis 2008 eine integrierte Applikationslinie zu entwickeln (siehe auch: Großbaustelle Oracle).

Der CRM-Kern in Fusion soll von Siebel übernommen werden, ergänzt um einzelne Kunden-Management-Funktionen der Produkte von Oracle, Peoplesoft und J.D. Edwards. Welche dies sein werden, steht bislang noch nicht fest. Experten befürworten diese Strategie, befürchten jedoch, dass damit das Ende der anderen CRM-Applikationen eingeläutet ist. Dies könnte Unruhe unter den Peoplesoft-Kunden auslösen. Diese hatten bislang damit gerechnet, das eigene CRM-Produkt könnte eine stärkere Rolle in Oracles Fusion-Plänen spielen.

Während sich Siebel-Anwender um ihre CRM-Applikation wohl keine Sorgen machen müssen, steht die Plattform "Siebel Component Assembly" (SCA), vormals "Nexus", auf dem Prüfstand. Oracle plant mit der eigenen "Fusion"-Middleware als Unterbau für die Business-Applikationen. Hier dürfte die Siebel-Plattform keinen Platz haben.

Um die Anwender nicht zu verunsichern, haben die Oracle-Verantwortlichen weit reichende Support-Versprechen gegeben. So soll neben den Softwareprodukten der übernommenen Firmen auch Siebels-Integrationsplattform weiter unterstützt werden. Oracle hat versichert, keinen Kunden zur Migration auf Fusion zu zwingen. Alle Produkte würden so lange gepflegt, wie Kunden dies wünschten.

Bislang bleiben die Aussagen zu Oracles künftiger Fusion-Linie wenig konkret. Die künftige Software basiere auf der Business Process Execution Language (BPEL) sowie XML-Standards. Darüber hinaus sollen die Business-Applikationen auf einer gemeinsamen konsistenten Datenbasis aufbauen. Dafür will Oracle mit den "Data Hubs" spezielle Datensilos bauen. Je nach Kundenanforderung werde es unterschiedliche Datenfundamente beispielsweise für Kunden- und Produktinformationen geben. Mit weiteren technischen Einzelheiten zur Integration der Produkte hält sich Oracle bislang zurück.

Oracle plane, mit seinen Produkten einzelne Prozesse beim Anwender abzubilden, heißt es in einem offiziellen Statement von Oracle-President Charles Phillips. Der US-amerikanische Softwarehersteller hält sich zu gute, mit seiner Datenbank, der Middleware und seinen Business-Anwendungen den kompletten Software-Stack anbieten zu können. Derzeit arbeiten die Oracle-Entwickler daran, industriespezifische Prozesse zu definieren, die mit den eigenen Softwareprodukten unterlegt werden könnten. Phillips hatte im vergangenen Jahr angekündigt, sich stärker auf bestimmte Industrielösungen konzentrieren zu wollen (siehe auch: Wer siegt im Kampf um die Branchen). So kaufte Oracle beispielsweise mit der Übernahme von Retek Branchen-Knowhow im Handel und mit der Mehrheitsbeteiligung am indischen Softwarehaus Iflex Expertise im Bankensektor.

Eine Sonderbehandlung erfährt Siebel im operationalen Geschäft. Während Oracle im Zuge der Übernahme von Peoplesoft und J.D. Edwards die dazu gehörigen Organisationen von Beginn an komplett integriert hat, soll es für das CRM-Geschäft eine eigene Business-Unit geben. Diese soll sich nur um den Vertrieb der Kunden-Management-Lösungen kümmern.

Das könnte bedeuten, dass der überwiegende Teil der Siebel-Belegschaft mit einem neuen Arbeitsvertrag von Oracle rechnen darf. Im Zuge der Akquisitionen des vergangenen Jahres hatte Oracle zwar die Entwicklungsabteilungen der akquirierten Softwarehäuser größtenteils übernommen, im administrativen Bereich jedoch empfindliche Einschnitte vorgenommen. Rund 5000 Stellen wurden im Zuge der Peoplesoft/J.D. Edwards-Übernahme gestrichen.

Über den möglichen Umfang von Entlassungen schweigen sich die Oracle-Verantwortlichen bislang aus. Rolf Schwirz, Geschäftsführer von Oracle in Deutschland, kündigte an, die Siebel-Niederlassungen würden geschlossen. Wie viele der rund 150 deutschen Siebel-Mitarbeiter unter dem Oracle-Dach ein neues Zuhause finden werden, vermochte er noch nicht zu sagen.

Währenddessen will die Nachrichtenagentur AP erfahren haben, dass Oracle im Rahmen der Siebel-Übernahme weltweit rund 1000 der insgesamt etwa 4700 Arbeitsplätze des CRM-Spezialisten streichen will. Ob nur Siebel-Mitarbeiter von den Kündigungen betroffen sind, oder auch Oracle-Angestellte den gefürchteten rosa Brief erhalten sollen, ist noch nicht klar. In der Nacht vom 9. auf den 10. Februar wollen die Verantwortlichen des Datenbankanbieters Stellung zu ihren Plänen nehmen. Sollte sich die Spekulationen bewahrheiten, würde die Oracle-Belegschaft nach der Integration von Siebel global knapp 55 000 Köpfe zählen. (ba)

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