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Lotusphere: IBM macht Fortschritte bei der Echtzeit-Kooperation

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Das neue Sametime 7.5 beruht auf dem Eclipse-Framework und öffnet sich für Fremdsysteme und Erweiterungsmodule.

Nach längerer Zeit der gemächlichen Weiterentwicklung kündigte die IBM nun eine umfassende Erneuerung seines wichtigsten Tools für Realtime Collaboration (RTC) an. Es hörte zwischenzeitlich die sperrige Bezeichnung "Instant Messaging and Web Conferencing Server" und erhielt jetzt wieder seinen ursprünglichen Namen "Sametime". In der Version 7.5, die Mitte 2006 erscheinen soll, vollzieht die IBM einen Architekturwechsel.

War der Sametime-Client bisher nur als native Anwendung für Windows verfügbar, so setzt er wie der Workplace Client und die nächste Notes-Version ebenfalls auf das in Java geschriebene Eclipse-Framework auf. Dadurch wird das neue RTC-Frontend auch für Apple- und Linux-Rechner verfügbar. Da Eclipse einen modularen Ansatz verfolgt, der die Erweiterung des Systems mit weiteren Bausteinen vorsieht, öffnet sich Sametime für Zusatzfunktionen von Drittanbietern. Anstatt wie bisher nur in andere Anwendungen eingebettet zu werden, wird Sametime nun selbst zu einer Plattform. Denkbare Ergänzungen wären etwa Text-to-Speech-Konverter oder Softphones.

Ästhetische Innovation

Das generalüberholte RTC-Werkzeug bietet nicht nur Neuerungen unter der Oberfläche, sondern möbelt auch die angestaubte Bedieneroberfläche der bisherigen Ausführungen auf. Dazu zählen nicht nur kosmetische Verbesserungen wie die Unterstützung von Emoticons oder die Integration von Benutzerfotos. Die Version 7.5 umfasst auch andere Verbesserungen, die in den meisten Consumer-Tools schon lange selbstverständlich sind. Darunter fallen etwa die Kennzeichnung von Nachrichten mit Datums- und Zeitangaben. Außerdem zeigt Sametime zukünftig den Text der letzten Konversation an, wenn man mit dem aktuellen Kommunikationspartner bereits in Verbindung gestanden ist. Für zusätzlichen Komfort sorgen zudem eine Online-Rechtschreibkorrektur sowie eine automatische Speicherfunktion.

Das Instant Messaging wird zusätzlich durch Rich-Text-Fähigkeiten aufgewertet. Sie erlauben nicht nur ansprechende Formatierungen von Textnachrichten, sondern auch das Versenden von Grafiken. Neu hinzu kommt auch die Möglichkeit für das Aussenden bestimmter Nachrichtentypen an Benutzergruppen. Die IBM spricht in diesem Zusammenhand von Funktionen für das Social Networking. Darunter fallen etwa Umfragen, bei denen die Empfänger aus vorgegebenen Alternativen auswählen können. Der Absender kann anhand eines in Echtzeit aktualisierten Diagramms beobachten, in welche Richtung sich die Ergebnisse entwickeln.

Öffnung gegenüber Consumer-Netzen

Unter dem Eindruck von Microsofts RTC-Ambitionen mit dem "Live Communications Server" öffnet die IBM ihre unternehmensinterne Insellösung für die Interaktion mit öffentlichen IM-Netzen. Auf der Lotusphere kündigte Big Blue ein Gateway an, das die Verbindung mit AIM und ICQ von AOL sowie den Messenger-Dienst von Yahoo herstellen kann. Außerdem ist die Anbindung von Google Talk geplant, über eine entsprechende Kooperation verhandelt die IBM noch mit der Web-Company. Die Kommunikation mit diesen Consumer-Systemen beschränkt sich vorerst auf Textnachrichten und die Anzeige des Online-Status ("Presence Awareness"). Im Gegensatz zu Microsofts Live Communications Server fallen bei Sametime keine zusätzlichen Lizenzgebühren für diese Brücken in die Außenwelt an.

Die Öffnung einer Enterprise-IM-Lösung gegenüber den externen Netzen versetzt Administratoren in die Lage, die Consumter-Clients aus dem Unternehmen zu verbannen und den Mitarbeitern mit Sametime ein universelles Frontend anzubieten. Damit wird die gesetzlich geforderte Protokollierung von IM-Inhalten auch bei der Kommunikation mit externen Partnern gewährleistet. Die intern mögliche Verschlüsselung der Daten klappt beim Austausch mit den Consumer-Systemen allerdings nicht.

VoIP über Partner

Neben den Übergängen zu AOL, Yahoo und Google umfasst Sametime 7.5 zusätzlich ein Multiprotokoll-Gateway, mit dem das RTC-System auch mit solchen Lösungen kommunizieren kann, die auf dem Session Initiation Protocol (SIP) basieren. Dazu zählt auch die RTC-Komponente in Workplace.

Wie Microsoft mit dem neuen "Communicator"-Client möchte auch die IBM einen zentralen RTC-Client etablieren, der auch Telefonfunktionen übernehmen kann. Im Gegensatz zu den Redmondern überlässt Big Blue die Integration von VoIP-Funktionen und die Anbindung von Telefonanlagen seinen Partner. Schon bisher existierte eine Kooperation mit Avaya, auf der Lotusphere gab IBM die Zusammenarbeit unter anderem mit Iscoord, Polycom, Siemens und Tandberg bekannt. Letztere erweitert Sametime um Videofähigkeiten. (ws)

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