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Update: Hummingbird will mit Reddot in den Mittelstand

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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der ECM-Anbieter Hummingbird (Enterprise Content Management) kauft die in Oldenburg ansässige Reddot Solutions AG. Die Kanadier zahlen für das deutsche Unternehmen, das sich in privatem Besitz befindet, 39,1 Millionen Euro sowie zusätzliche Beträge in der Höhe von zirka 4,5 Millionen Euro.

Reddot gilt als eines der letzen heimischen Softwarehäuser, das mit seinem Web-Content-Management-System (WCMS) international erfolgreich ist. Zu den Kunden der Firma zählen vornehmlich mittelgroße Betriebe. In den letzten Jahren weitete Reddot sein Portfolio aus und beschrieb die Zielrichtung mit dem Paradox "ECM für mittelständische Unternehmen". Zum WCMS gesellten sich daher ein leichtgewichtiges Dokumenten-Management-System (DMS), einfache Collaboration-Funktionen, die "Integration Extensions" für die Einbindung von Backend-Anwendungen sowie eine Personalisierung-Engine, um Inhalte nach dem Muster von Portalen individuell zusammenstellen zu können.

Hummingbird stieg mit der Übernahme von PC Docs Ende der 90er Jahre in den Markt für Dokumenten-Management-Systeme ein. Die Ausrichtung auf ECM führte zu einer breiteren Produktpalette inklusive Mail-Management, Collaboration-Tools oder einer eigenen Portallösung. Allerdings konnte das Unternehmen die Lücke bei Web-Content-Management bisher nicht schließen und kooperierte daher schon seit einiger Zeit eng mit Reddot. Insofern kommt der Zukauf des deutschen Herstellers nicht ganz überraschend.

Im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE betonte Niels Metger, CEO und Mitbegründer von Reddot, dass es Hummingbird beim Kauf seines Unternehmens nicht nur um das WCMS gehe. Um ihr Portfolio mit solchen Funktionen abzurunden, hätten die Kanadier entsprechende Technologie von einem anderen Anbieter günstiger erwerben können. Die erheblichen Redundanzen in den Produkten der beiden Softwarehäuser habe man nicht nur in Kauf genommen, sondern sie seien erwünscht. Die leichtgewichtigen Lösungen von Reddot sollen nämlich weitergeführt werden und Hummingbird den Zugang zum Mittelstand eröffnen. Das gelte für alle Applikationen, die unter dem Titel "ECM für den Mittelstand" firmieren.

Das Olderburger Unternehmen erwartet sich umgekehrt von der Akquisition durch Hummingbird, dass es mit Hilfe des ECM-Herstellers und dessen weltweiten Vertriebs in zusätzlichen Regionen Fuß fassen könne, besonders in Asien. Die Rückendeckung durch einen großen Anbieter sollte Reddot zudem mehr Vertrauenswürdigkeit verschaffen und Türen zu neuen Kunden öffnen. Allerdings zählt Hummingbird hinter den großen Vier des ECM-Marktes (Documentum, Filnet, IBM, Opentext) mit einigem Abstand zu den mittelgroßen Playern und muss gerade ein schlechtes zweites Geschäftsquartal verkraften.

Die Vision der beiden kombinierten Softwarehäuser muss noch einige Hürden nehmen. Trotz der dreijährigen Kooperation ist ihre Software kaum integriert. Für die meisten Produkte aus dem Hause Reddot spielt das keine besondere Rolle, da sie ohnehin als eigenständige Angebote für den Mittelstand weitergeführt werden. Das WCMS hingegen soll das ECM-Portfolio komplettieren und muss in Hummingbirds "Enterprise" eingebunden werden. Bisher verwenden beide Systeme separate Repositories, zukünftig sollte Reddots WCMS auf den unternehmensweiten ECM-Speicher aufsetzen. Zusätzlich würde eine weitergehende Integration erfordern, dass die ECM-Funktionen wie Records-Management, Workflow oder Reporting auch für die Web-Inhalte zur Verfügung stehen.

Bis jetzt hat Hummingbird die mit dem ECM-Anspruch verbundene einheitliche Plattform für die hauseigenen Produkte noch nicht vollständig umgesetzt. So steht für das DMS die Portierung auf eine übergreifende Architektur noch bevor. Mit der Übernahme von Reddot kommt auf die Kanadier in dieser Hinsicht noch mehr zu. Eine eigene Produktlinie für den Mittelstand kann nicht isoliert von der ECM-Schiene weiterentwickelt werden. Kunden erwarten für die Reddot-Anwendungen eine Option für die unproblematische Migration in Richtung Enterprise sowie eine harmonische Koexistenz der beiden. (ws)

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