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Banken kämpfen mit IT-Altlasten

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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Viele deutsche Finanzinstitute steuern ihre Kernprozesse noch immer mit proprietären Altanwendungen. "Es gibt zu viele Eigenentwicklungen, die zum Teil noch aus den 70er Jahren stammen", kritisierte Jürgen Rebouillon, Berater und Ex-Vorstand der Credit Suisse First Boston AG, auf einer Fachkonferenz für Banken-IT in Düsseldorf. Grund dafür sei einerseits der Mangel an Standardsoftware, andererseits nutzten aber auch die Geldinstitute zu wenig die verfügbaren Programme.

Nicht selten hätten die Banken "Wegwerfprodukte" entwickelt, die immer wieder verändert werden mussten. Schuld daran seien vor allem mangelnde Vorgaben. Der Aufwand für die Desintegration - sprich: die Herauslösung und Modernisierung der Legacy-Anwendungen - sei immens und verschärfe die Kostenprobleme der Branche. Allein die Programmierung von Schnittstellen zu anderen IT-Systemen verschlinge Unsummen.

Mit gut einem Drittel bildet die IT einen der größten Kostenblöcke deutscher Geldinstitute. Dennoch warnte Rebouillon davor, die Budgets radikal zu kürzen: "Kosten sind nur eine Seite der Medaille." Nach seiner Einschätzung geben die Banken eher zu wenig für IT aus. Wer nicht in IT investiere, könne auch keine Qualitätsverbesserungen erreichen und etwa neue Geschäftsprozesse unterstützen. "Kämpfen Sie um ihr Budget für Qua-litäts-Management", appellierte der Experte an die IT-Verantwortlichen aus der Bankenszene.

Dauerhaft sparen könnten Finanzdienstleister hingegen, wenn sie Tätigkeiten auslagern, die nicht zum Kerngeschäft zählen. Dazu gehöre beispielsweise die Wertpapierabwicklung oder das Transaction Banking. Auf der von IIR Deutschland ausgerichteten Fachtagung standen deshalb Vorträge zum Thema Outsourcing im Mittelpunkt. Trotz leicht verbesserter Erträge im vergangenen Jahr bleibe der Kostendruck für deutsche Banken bestehen, führte Rebouillon weiter aus. Im internationalen Vergleich gestalte sich das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag noch immer ungünstig. Vor diesem Hintergrund sei mit weiteren Filialschließungen zu rechnen. Er erwarte einen "gewaltigen Schrumpfungsprozess", der auch die Mitarbeiterzahlen drücken werde: "50 Prozent der Arbeitsplätze in der deutschen Finanzindustrie sind gefährdet." (wh)

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