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"Microsoft hat die Internet-Entwicklung völlig verschlafen"

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von pte pte

pressetext: Sehen Sie einen Ausweg, wie man diesem Problem beikommen könnte? Wie müssten Autoritäten aussehen, die als Hüter des Internets akzeptiert werden?

Cap: Ich denke, dass sich die Autoritäten innerhalb des Prozesses entwickeln werden. Institutionelle Mechanismen, wie eine Ausbildung oder ein Titel, werden aber wohl kaum eine Rolle spielen. Im Moment stecken wir in einem Lernprozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Denken Sie nur, wie lange es gedauert hat, bis das Verlags- und Zeitschriftenwesen zu dem geworden ist, was es heute ist. Bei den Webseiten war es ähnlich, was die Rechtsverantwortlichkeit für Inhalte oder die Kennzeichnung durch ein Impressum betrifft. Da ist man schon ein Stück weiter.

pressetext: Google, aber auch andere Marktgiganten wie Microsoft und Yahoo haben die Weiterentwicklung des Web 2.0 in den vergangenen Monaten kräftig angetrieben. Werden die Großen weiterhin Innovationsmotor bleiben können?

Cap: Für die etablierten Unternehmen geht es in erster Linie darum, dass sie den Trend richtig mitkriegen und antizipieren. Google ist darin insofern sehr stark, da es sich nach außen öffnet und immer auch versucht, die unabhängige Entwickler-Community auf sich aufmerksam zu machen. Indem sie offene Schnittstellen anbieten, können sie neue Ideen schnell in ihren kreativen Pool einspeisen. Für alle Unternehmen gilt aber, dass sich die Landschaft in kürzester Zeit komplett umdrehen kann, wenn ein Konkurrent etwas richtig oder falsch macht.

pressetext: Microsoft versucht - auch angetrieben vom Erfolg von Google und Yahoo im Werbemarkt - stark gegenzusteuern. Haben die Redmonder mit Neuentwicklungen wie Virtual Earth, Live Search oder etwa dem überarbeiteten Hotmail gegen Google eine Chance?

Cap: Microsoft hat in der Tat eine Reihe von Dingen nicht oder viel zu spät verstanden. Das Internet etwa haben sie in seinen Anfängen komplett verschlafen. Und momentan verschläft das Unternehmen etwa die Problematik der Browser und verliert hier seit zweieinhalb Jahren kontinuierlich Marktanteil an Public-Domain-Browser wie den Firefox (siehe: "Mozilla Firefox: 400 Millionen Downloads in weniger als drei Jahren").

pressetext: Der Fehlstart in den Urzeiten des Internets hat Microsoft aber auch nicht davon abgehalten, mit dem Internet Explorer später zum uneingeschränkten Marktführer aufzusteigen.

Cap: Die enorme Stärke von Microsoft liegt einfach darin, dass es in jedem PC den Fuß drin hat, der im Geschäft gekauft wird. Ein Beispiel für innovative Entwicklungen war das Unternehmen ja nie wirklich. Die Strategie von Microsoft sieht vor, dass wenn sich ein Konzept im Markt bewährt hat, man dann reingeht und die Konkurrenz langsam aus dem Markt drückt. Das ist ihnen beim Internet Explorer eindrucksvoll gelungen. Dass sich Microsoft im Gegensatz zu Google aber nicht nach außen öffnet, halte ich für einen Fehler.

pressetext: Herzlichen Dank für das Gespräch. (pte)

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