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Musik-Flatrate

Dernier cri: Musik-Flatrate als Zugabe zum Internet-Zugang

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von Handelsblatt
Der Musikdownload gehört zum Internet- und Mobilfunkvertrag wie die eigene E-Mailadresse - mit diesem Angebot geht jetzt der dänische Telekomkonzern TDC auf Kundenfang. Das Unternehmen bietet den Download von einer Millionen Liedern ohne Aufpreis. Doch die Musikflatrate hat einen bitteren Beigeschmack.

Der größte dänische Internet- und Mobilfunk-Anbieter TDC bietet seinen Abonnenten ab sofort einen DSL- und Mobilfunktarif mit kostenlosen Downloads aus dem kompletten Angebot mehrerer weltweit führender Musikkonzerne wie Emi, Sony BMG und Warner Music Group. Marktführer Universal ist allerdings nicht mit von der Partie. Die Lizenz-Kosten gegenüber der Musikindustrie übernimmt TDC. Dabei wird jeden Monat - unabhängig von der tatsächlichen Höhe der Download-Zahlen - ein fester Betrag überwiesen und nach Marktanteil am dänischen Musikmarkt an die Teilnehmer verteilt, so TDC-Sprecher Ib Konrad Jensen auf Anfrage.

Was für den Kunden bequem ist, kann sich für die Musikindustrie als wertvernichtender Boomerang erweisen: "Musik wird so vom Konsumenten immer mehr als reine Zugabe verstanden", fürchtet Konrad von Löhneysen, Geschäftsführer des Berliner Szene-Labels "Ministry of Sound Recordings". Löhneysen überlegt noch, ob er da mitmachen will. Aber auch für die Kunden gibt es einen bitteren Beigeschmack: Nachdem Download-Shops wie iTunes oder Amazon.com mit dem Verkauf kopierschutzfreier Musik begonnen haben, wird der Kopierschutz nun über Abo-Modelle durch die Hintertür wieder eingeführt. Wechselt der Web- oder Handy-Kunde zu einem günstigeren Anbieter, wird seine Musiksammlung elektronisch gesperrt.

TDC verwendet ein DRM-System (Digitales Rechtemanagement) von Microsoft. Die Songs werden im Microsoft-Format ".wma" übertragen, das nur auf PCs und entsprechend kompatiblen MP3-Player abspielbar ist. Produkte des Marktführers Apple (iPod, iPhone) kennen das nicht. Für Mobiltelefone wird das DRM "OMA" der "Open Mobile Alliance" verwendet, die Files werden im ".aac"-Format bereitgestellt. "OMA ist auf über zwei Milliarden Telefonen weltweit verfügbar", sagt Willms Buhse, Geschäftsführer von Coremedia, Mitglied der Mobile Alliance. Große OMA-Kunden sind Provider in Japan, wie Softbank oder iMobile. Softbank habe etwa 2.000 Inhalteanbieter - vom Klingelton-Handel bis zum Mobile-TV - über OMA integriert.

"Mobil-TV und Musik-Abos werden zu einer Renaissance der Kopierschutzsysteme führen", prophezeit Buhse. "Allerdings nur, wenn die Inhalte so einfach zu handhaben sind wie normale MP3-Files." Technisch gesehen haben die Dateien ein Verfallsdatum von dreißig Tagen und müssen online immer wieder neu freigeschaltet werden. Das geschieht bei eingeschalteten Handys oder am Internet-PC automatisch im Hintergrund.

Solche "All-You-Can-Hear"-Angebote gelten derzeit als Allheilmittel, um Musikpiraterie im Internet einzudämmen. Motto: Was man "umsonst" bekommt, muss man nicht klauen. Hendrik Daldoph, Geschäftsführer von Sony/BMG Dänemark, sieht den "Play" genannten Dienst von TDC als "Stärkung des digitalen Musikvertriebs." Er bringe Dänemark "an die Spitze der Innovationen im Musikmarkt." Von Löhneysen sieht das anders: "Wie in Mediamärkten CDs billig angepriesen werden, damit die Leute noch eine Mikrowelle kaufen, lockt nun Musik Kunden für ein Internetangebot."

Manche Manager bei Internet-Providern bezeichnen solche Pauschal-Abgeltungen gar als eine Art "Schutzgeldzahlung". Die Musikindustrie bedrohe Internet-Provider zunehmend mit Klagen, wenn Zugänge zu illegalen Angeboten nicht gesperrt würden. Wer wie TDC sozusagen pauschal für alle Nutzer (auch die, die nichts runterladen) zahle, könne hoffen, in Ruhe gelassen zu werden.

Aber die Musikbranche hat noch einen Hintergedanken: Abo-Dienste könnten die Macht von Apples iTunes-Shop brechen. Der beherrscht mit über zwei Milliarden verkaufter Lieder weltweit den Download-Markt und wird nach Schätzungen des Branchendienstes NPD Group Ende des Jahres in den USA Wal Mart überholen, die Nummer eins im CD-Verkauf. iPods und iPhones funktionieren nur mit dem Apple-eigenen Rechtemanagement "Fairplay" und sind bei den anderen Abo-Diensten außen vor.

Nach Brancheninformationen bastelt Apple deshalb an einem Gegenkonzept. Für einen einmaligen Aufpreis (angeblich 20 Dollar) soll für die Lebensdauer des iPod Zugriff auf die Musik-Bibliothek von iTunes gewährt werden. Wie die Lebensdauer bestimmt wird - bis zum Akkuwechsel, oder bis ein Gerät nicht mehr zu reparieren ist? -, ist nicht klar. Apple selbst verweigert jeden Kommentar.

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