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Anlaufstelle SchülerVZ

Die Kommunikation der Jugendlichen: Immer mehr sind im Netz

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Wer nicht drin ist, ist nicht in: Immer mehr Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren nutzen Online-Netzwerke für junge Leute.

Mehr als zwei Millionen Schüler haben sich seit dem Start im Februar bereits im größten Netz, dem "SchülerVZ" (Schüler-Verzeichnis), registriert. "Fast jeder, der einen Internet-Zugang hat, ist dabei - die Seite ist total angesagt", berichtet ein 15-jähriger Gymnasiast aus Bonn.

Was die Schüler begeistert, entgeistert so manche Eltern und Jugendschützer. Denn auf der Seite kursieren nicht nur Klatsch und Tratsch, sondern durchaus auch heikle Inhalte. Bekanntheit in der Erwachsenenwelt hat das Netzwerk erlangt, als ein Schüler Fotos von einem Massaker veröffentlicht und damit eigene Pläne für einen Amoklauf angedeutet hatte. Die Polizei griff ein.

Der Ableger der Holtzbrinck-Tochter StudiVZ ist zum einen Podium zur Selbstdarstellung: Nutzer können einen Steckbrief samt Porträtbild einstellen, Fotos vom Urlaub oder der Klassenparty veröffentlichen und sich mit Freunden vernetzen. Sascha Neurohr, Diplom-Pädagoge bei SchülerVZ, misst diesen Aktivitäten große Bedeutung zu: Schüler könnten so ihre eigene Identität entwickeln und sich von den Erwachsenen abgrenzen. Der Gemeinschaft darf nur beitreten, wer von einem anderen Nutzer eine Einladung erhält.

Das SchülerVZ ist aber auch eine Kommunikationszentrale: Die Nutzer schreiben sich Nachrichten und diskutieren in Foren. "Ich verschicke am liebsten Mails oder schreibe anderen Leuten auf die Pinnwand", berichtet etwa Jakob aus Hamburg. Da seine Freunde auch häufig online sind, spart der 13-Jährige nebenbei noch Geld, weil er seltener SMS verschickt.

Mehr als 60 Prozent der Schüler loggen sich täglich ein, berichtet der Betreiber - so auch Jakob. Allerdings habe er die Seite oft nur nebenbei geöffnet, während er chattet oder spielt. "Ich lasse ein Fenster offen und gucke, ob sich jemand anmeldet, den ich kenne." Der Schüler aus Bonn verbringt wöchentlich zehn bis 15 Stunden im Netzwerk. Während er Fotos anschaut oder Nachrichten schreibt, kann er gut "abgammeln".

Schule und Sport, Politik und Liebe, manchmal auch einfach Unsinn - die Themenpalette ist breit. Das Interesse der Jugendlichen hänge stark vom jeweiligen Alter ab, sagt Neurohr. Zu heiklen Fragen wie etwa Essstörungen richte StudiVZ auch aktiv Gruppen ein. "Wir können dann ganz gezielt warnen oder Ratschläge geben."

Auf dem virtuellen Schulhof machen aber auch jugendgefährdende Inhalte die Runde: So seien bei SchülerVZ Sexbilder, rechtsextreme Parolen oder Diskussionen über verbotene Computerspiele gefunden worden, berichtet Katja Knierim von Jugendschutz.net, der Jugendschutz-Stelle der Bundesländer fürs Internet. Während es sich dabei um Einzelfälle handelt, ist Alkohol ein großes Thema: "Die Gruppen zum Thema Saufen haben die meisten Mitglieder", berichtet der Bonner Schüler.

Eine lückenlose Überprüfung aller Inhalte ist kaum möglich: 600.000 Fotos laden die Nutzer jeden Tag hoch, 1,4 Millionen Gruppen gibt es. SchülerVZ zieht nach eigenen Angaben Stichproben und reagiert auf Beschwerden der Nutzer - wie im Fall des Kölner Jugendlichen, der auf seiner Seite Bilder eines Massakers veröffentlicht hatte. "Sehr positiv war in diesem Fall, dass die Schüler das gleich gemeldet haben", sagt Sascha Neurohr.

Katja Knierim bescheinigt SchülerVZ, sich um die Einhaltung des Jugendschutzes zu bemühen, etwa mit einer Eltern-Hotline und der Moderation von Diskussionsforen. Problematisch bleibt jedoch der Altersunterschied der Nutzer: Die Spanne reicht von zwölf bis 18 Jahren. Was pubertäre Schüler spannend finden, halten Eltern von Zwölf- oder 13-Jährigen oft für bedenklich. (dpa/tc)

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