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Mittelstand

"Navigator"

Web.de und GMX bauen E-Mail-Dienste zu Internet-Schaltzentrale aus

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Die E-Mail, lange das Kommunikationsmedium im Internet schlechthin, hat mächtige Konkurrenz bekommen. Immer mehr Nutzer tauschen sich über StudiVZ und Facebook, Chats und neuerdings auch Twitter aus.

Darauf reagiert der deutsche Platzhirsch United Internet nun: Der Mutterkonzern von Web.de und GMX will die beiden E-Mail-Dienste zu einer Schaltzentrale fürs Internet ausbauen. Mit einem Klick können Nutzer aus ihrem Postfach Online-Netzwerke, Web-Läden oder Flirtdienste aufrufen, chatten und personalisierte Nachrichten lesen. Seit Dienstag steht die Funktion mit dem Namen "Navigator" allen 20 Millionen Nutzern zur Verfügung.

'Navigator' - die Antwort von United Internet auf das 'Web 2.0'.
'Navigator' - die Antwort von United Internet auf das 'Web 2.0'.
'Navigator' - die Antwort von United Internet auf das 'Web 2.0'.

Der Konzern aus Montabaur hat sich eines bekannten Problems angenommen. Wer viel im Netz unterwegs ist, muss sich immer wieder mit Nutzernamen und Passwort identifizieren - etwa um Mails zu lesen, Bücher und CDs zu bestellen oder Kommentare in Blogs oder auf Nachrichtenportalen zu hinterlassen. Die Masse der digitalen Identitäten stört viele Nutzer: Laut einer repräsentativen Studie, die Web.de in Auftrag gab, wünschen sich 70 Prozent ein Zusammenwachsen der Dienste.

Der Navigator soll diesen Wunsch erfüllen. Denn mit dem per Browser bedienbaren Programm lassen sich die derzeit beliebtesten Internetdienste mit einem Klick öffnen: Die VZ-Portale um StudiVZ sind etwa dabei, Facebook und Wer-kennt-wen ebenso. Auch zahlreiche Online-Geschäfte machen mit, darunter die Riesen Amazon und eBay. An der Integration von Xing und MySpace arbeite man, auch der boomende Microblogging-Dienst Twitter soll folgen, so die Firma.

Mit der neuen Software sind die E-Mail-Experten aus Karlsruhe auch ein eigenes Problem angegangen. Denn laut der Studie hat zwar praktisch jeder Internetnutzer eine eigene Mail-Adresse, jeder Zweite guckt sogar mehrmals täglich in seinen elektronischen Briefkasten. Doch mit Online-Netzwerken hat sich ernsthafte Konkurrenz etabliert - gerade die Generation unter 30 kommuniziert immer mehr über Anbieter wie StudiVZ, Facebook oder Twitter.

Diesen Trend hat die United Internet AG verschlafen. Erst im April 2007 gründete der Konzern ein bis heute wenig bekanntes Angebot namens Unddu.de - da lockte StudiVZ bereits jeden Tag mehr als 500.000 Besucher auf seine Website. Medienberichten zufolge scheiterte auch der Versuch, sich an dem Marktführer zu beteiligen.

Der Navigator ist die Antwort darauf: Die neuen Funktionen sollen den Schnellzugriff auf andere Dienste ermöglichen - aber ohne, dass die Nutzer ihr Postfach verlassen. Bei einem Test mit 200.000 Teilnehmern sei der gewünschte Effekt eingetreten, sagt Web.de-Chef Jan Oetjen: "Die Nutzer loggten sich bis zu zehnmal häufiger in ihre sozialen Netzwerke ein." Trotzdem seien sie deutlich länger auf der Web.de-Seite geblieben als zuvor. Ein weiterer Vorteil des Modells: Die Integration von Partnergeschäften ermöglicht dem Unternehmen mehr Umsätze durch Online-Marketing.

Die Karlsruher sind nicht die ersten, die eine Schaltzentrale fürs Internet aufzubauen versuchen. Das Hamburger Start-up Allyve bietet zum Beispiel seit dem vergangenen Jahr einen Online-Dienst, dem der Navigator ähnelt. Und Systeme wie OpenID und Facebook Connect wollen sich als Generalschlüssel fürs Internet etablieren. Dabei greift der Nutzer nicht über ein Portal wie Web.de auf die verschiedenen Dienste zu, kann aber eine einzige digitale Identität auf vielen Websites verwenden. Das erspart das Hantieren mit verschiedenen Zugängen. Allerdings verwalten moderne Browser mittlerweile auch Passwörter.

Datenschützer raten bei solchen Anmeldediensten - auch als "Single Sign-On" bekannt - zu Vorsicht. Zwar erleichterten sie den Umgang mit der Technik, sagt Markus Hansen vom Landesdatenschutzzentrum Schleswig-Holstein in Kiel. "Andererseits können sie sich schnell als Schwachstelle erweisen." Wenn sich etwa ein Angreifer Zugang zum Nutzerkonto verschaffe, habe er Zugriff auf alle Dienste. Zudem könne der Betreiber mit den Zugriffsdaten ein Benutzerprofil erstellen. "Man sollte sich genau durchlesen, in welche Formen der Protokollierung und Verwendung dieser Daten man einwilligt." (dpa/tc)

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