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Mittelstand

Softwareprojekte im Mittelstand

Die sieben Tugenden des ERP-Projektleiters

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von Werner Schmid (Geschäftsführer der Gesellschaft zur Prüfung von Software und ERP-Experte)
Für so manches mittelständische Unternehmen bedeutet die ERP-Einführung einen Kraftakt und Kulturschock zugleich. Keine leichte Aufgabe für den Projektleiter.

Unternehmerisches Wissen, Denken in größeren Zusammenhängen und Kenntnisse über Geschäftsbeziehungen sollten einen Projektleiter für die ERP-Einführung auszeichnen. Das ist wichtiger, als sich in den Tiefen der Software auszukennen.

1. ERP-Projektleiter müssen besondere Eigenschaften haben

Ein ERP-Projektleiter braucht in erster Linie unternehmerische Kompetenz, "Entrepreneurship", die Fähigkeit, Ideen in die Tat umzusetzen. Dazu zählt zu begreifen, wie Menschen in einem Unternehmen zusammenarbeiten und -leben. Zudem sollte die Person über umfassende Kenntnisse der Geschäftsbeziehungen und Verständnis für deren Funktionsweise verfügen.

Erst in zweiter Linie sind technische Kenntnisse notwendig. Sie können sich zunächst auf das Prinzipielle beschränken, vor allem wie das Datenmodell (des ERP-Systems) aussieht, wie (neue) Auswahlfelder in die Ablaufsteuerung eingebaut werden oder wie die Benutzeroberfläche individuell gestaltet werden kann. Wenn man das Prinzip versteht und den Zusammenhang kennt, in dem die Funktionen genutzt werden sollen, findet man sich in jeder Funktion zurecht.

2. Einführungsdauer realistisch abschätzen

Als Orientierung gilt: Je mehr Funktionen einzurichten sind, desto mehr Aufwand ist erforderlich. Als Funktionen sind hier die Anwenderfunktionen zu sehen, zum Beispiel Angebotserstellung, Auftragsbearbeitung oder Fakturierung. In einem Unternehmen gibt es von dieser Art Funktionen etwa zwischen 60 und 100, abhängig vom Geschäftsmodell. Ein Handelsunternehmen hat etwas weniger Funktionen als ein produzierendes Unternehmen. Zu einer Funktion gehören:

  • die Einrichtung der Regeln, nach denen die Funktion arbeiten soll ("steuernde Daten und Parameter");

  • die Bedienung der Funktion über die Oberfläche;

  • die gegebenenfalls erforderlichen Dokumente (Print-Output) und

  • die Einrichtung der Zugriffsberechtigung.

Die Herausforderung in einem ERP-Projekt liegt im Erkennen und Verstehen der eigenen Regeln, nach denen das Unternehmen arbeitet, und im Erlernen und Verstehen der Mechanismen, nach denen die Software gesteuert wird. Bei der Einführung sollen diese beiden ja zur Deckung gebracht werden. Ersteres sollte bei Beginn der Einführung, spätestens beim "Kickoff-Meeting", vollständig dokumentiert sein (Pflichtenheft).

Wie viel Zeit zum Erlernen und Verstehen der Regeln der Software erforderlich ist, hängt sehr von sozialen Einflussfaktoren ab, vom (Durchschnitts-)Alter der Mitarbeiter, dem Skill (Ausbildung, Erfahrung) und der Führungskompetenz des Managements. Setzt man also eine Zeit (t) dafür an, diese Regeln zu lernen (um sie richtig anwenden zu können), kann man sie mit dem Faktor "F" = Anzahl der Funktionen multiplizieren und kommt so auf eine Einführungsdauer.

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