Per-Vertu

Nokia Vertu Ferrari Phone Rückseite

Das hier ist die Kehrseite eines neuen Ferrari-Telefons. Das baut Nokias Scheich-, Oligarchen- und Promi-Ableger Vertu (dessen Website läuft in Englisch, Russisch und Japanisch, sieh mal einer an) und verkauft es für 25.000 Dollar.

Ich finde das schlicht und ergreifend obszön. Möchte ja nicht peinlich simplifizieren, aber wenn ich zum Beispiel bei welthungerhilfe.de lese

Alle drei Sekunden stirbt ein Kleinkind unter fünf Jahren an Durchfall, Lungenentzündung, Malaria, Masern, Aids. Mehr als die Hälfte dieser Kinder überlebt einfache Krankheiten nicht, weil ihr Körper durch Unterernährung geschwächt ist. Ausreichend sauberes Wasser, Hygieneeinrichtungen und genug zu Essen – das könnte jedes Jahr fast zehn Millionen Kleinkinder retten.Noch immer hungern rund 150 Millionen Kleinkinder in den Entwicklungsländern. Jedes Jahr werden mehr als 20 Millionen Babys schon untergewichtig geboren, ohne dass es für sie spezielle medizinische Hilfe gäbe.

dann kotzt mich so ein Produkt einfach an. Ich finde, Nokia sollte seinen Juwelierladen dicht machen und lieber ein paar mehr Dollars für gute Zwecke spenden und noch mehr in die Entwicklung von erschwinglichen Telefonen für die Emerging Markets investieren. Turbokapitalismus sucks.

10 Responses to “Per-Vertu”


  • Ich verstehe den Zusammenhang nicht? Wenn Vertu Handys für 100 Euro oder 100 Millionen Euro das Stück produziert, macht das ÜBERHAUPT keinen Unterschied aus. Geld ist wie Prestige nur virtuell. Wenn ein Scheich, Oligarch oder Promi 25.000 für ein Handy ausgibt, ist das Geld nicht weg, sondern nur in Händen, die mehr damit machen können.

  • Das ist in der Tat ein Punkt. Ich finde es aber trotzdem unerträglich, dass überhaupt solche Produkte existieren und Käufer finden. Da läuft einfach eine Menge verkehrt auf dieser Welt. Die Ansicht, Geld sei nur virtuell, kann ich außerdem nicht teilen. Es besitzt zweifellos einen stark abstrahierten Tauschwert. Wenn ich aber keines habe, bin ich arm und verhungere. Das finde ich sehr real und gar nicht virtuell.

  • Wie Du weisst, kauft ein Euro bei uns keine zwei Kugeln Eis, woanders aber Nahrung für eine Woche. Geld hat keinen absoluten Wert. Wenn in China in großen Mengen Geld hin und her getauscht wird, hat das keinerlei Einfluß auf Dein Wohlbefinden oder den Hunger in Darfur.

    Ich glaube, Du hast ein Nullsummenspiel im Kopf. Jemand muss verlieren, damit ein anderer gewinnen kann. Das Gegenteil ist der Fall. Luxusprodukte bringen Geld zurück in den Umlauf. Und das ist gut, weil es Arbeit schafft. Je mehr gearbeitet wird, desto mehr Wohlstand kann man schaffen. Und dank Globalisierung auch woanders auf der Welt.

  • Ich habe kein Nullsummenspiel im Kopf. Aber von Luxusprodukten und Globalisierung profitieren mir einfach zu wenige. Ansonsten mach ich jetzt Feierabend. Wir können am Montag aber gern weitermachen…

  • Der doch ziemlich weise Günter Grass hat gestern in “ttt” gesagt, die einstige soziale Marktwirtschaft in Deutschland sei durch einen Neoliberalismus verdrängt worden, der eine Klassengesellschaft zur Folge habe. Ich denke, das sieht er ganz richtig. Link folgt, sobald Das Erste ihn online stellt.

  • Ich muss da noch mal nachfragen: Was ändert sich daran, wenn Nokia Vertu dioht macht, so wie von Dir gefordert?

  • Vermutlich gar nichts. Vertu ist nur ein Exzess von vielen von aus meiner Sicht gesellschaftlichen und ökonomischen Fehlentwicklungen; andere Beispiele wären die absurden Gehälter von (gedopten) Spitzensportlern oder “Top-Managern”, um nur zwei zu nennen. Die machen mir Bauchschmerzen, und deswegen hab ich das Posting abgesetzt.

  • Ich verstehe ja Dein Unbehagen. Ein Online-Redakteur hat gegenüber einem Chinesen auch ein absurdes Gehalt. Es kommt aber gar nicht darauf an, wie man jemandem sein absurdes Gehalt wieder abnimmt. Sei es nun mit einem Vertu-Handy, oder jährlich einer neuen Digicam und einem Nokia-Handy. :-)

    Ich habe übrigens große Freude daran, dass es Ferraris oder Yachten gibt. Ich kann mir zwar keine kaufen, aber ich schaue sie mir sehr gerne an.

  • Gegenüber einem chinesischen _Bauern_ vielleicht. Und auch ich schau mir, zugegeben, gern mal Ferraris und Yachten an, will ich gar nicht leugnen (den “Überflüssigkeitsfaktor” des monierten Vertu-Telefons würde ich auf einer nach oben hin offenen Skala allerdings auch drastisch höher ansetzen als den von den meisten Ferraris und Yachten). Was ich mir aber nicht gern anschaue ist das zunehmende soziale Gefälle in diesem unserem Lande und auch anderswo.

    Und was Grass angeht: Das Erste hat zu allen Beiträgen Details gepostet. Außer zu GG. Typisch.

  • Irgendwie habe ich das Gefühl, auf ein totes Pferd einzuprügeln.

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