- Journalismusferne Portale beeinflussen die Internet-Nutzer stärker als die News-Sites der Verlage und traditionellen Medienhäuser.
- Von Laien betriebene Vor- und Scheinformen von Journalismus in Gestalt sozialer Netzwerke und Weblogs erweisen sich als Bedrohung für den redaktionell betriebenen Journalismus.
- Alle Nachrichten-Sites erheben den Klick, die Page-Impression, zur entscheidenden Kenngröße.
- Nachrichten werden im Web nicht nach Wichtigkeit und Relevanz ausgewählt, sondern nach Einschaltquote.
- Daraus resultiert eine Themenselektion und Gestaltung im vorauseilenden Gehorsam, ausgerichtet an den Bedürfnissen von Suchmaschinen und am Massengeschmack — eine antizipierende, opportunistische und liebedienerische Auswahl, die sich auf technisch begleitetes Ausspionieren der Leser stützt.
- Die Orientierung an Quote und Massengeschmack bewirkt eine Holzschnittartigkeit und Uniformität der Websites, eine Verarmung der journalistischen Stilformen, eine Manipulation der Leser und Inhalte, eine Überrepräsentation seichter und unterhaltender Themen.
- Keine verlegerisch motivierte Nachrichten-Site kann sich dem Druck der Reichweitensteigerung entziehen. Zeitungen und Magazine mit fokussierter Ausrichtung (Wirtschaft, Politik oder Sport) dehnen ihr Angebot weit über ihre eigentlichen Kernkompetenzen aus.
- Nicht durch redaktionelle Beiträge, sondern durch Tools, Show, Rätsel und Fotostrecken wird das Gros der Reichweite rzeugt.
- In der Praxis entwickeln sich Online-Journalisten zu Content-Aggregatoren. Ihre Arbeit beschränkt sich im Wesentlichen auf Zweitverwertung sowie die Bearbeitung und Anpassung angelieferter Texte.
- Die Abhängigkeit von Agenturen steigt.
- Bedingt durch neue Werbeformate verschwimmen die Grenzen zwischen redaktioneller Berichterstattung und Werbung.
- Anzeigenkunden und Werbeagenturen gewinnen stärkeren Einfluss auf redaktionelle Websites.
- Lobbyisten eröffnen sich durch die Arbeitsweise der Online-Redaktionen neue Möglichkeiten zur Instrumentalisierung.
Brilliante Analyse. Aus “Klicks, Quoten, Reizwörter: Nachrichte-Sites im Internet. Wie das Web den Journalismus verändert” von Steffen Range und Roland Schweins im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung. Via Wolfgang.




das ist so ziemlich die gleiche Diskussion, die vor 25 Jahren mit Einführung des Privatfernsehens geführt wurde. Auch dort:
- Massenthemen,
- Verflachung des Inhaltsangebots,
- Quote wird mit Gameshows und Actionfilmen und nicht mit anspruchsvollen Politik- und Kulturmagazinen gemacht,
- Quote ist die Kenngröße, die über Wohl und Wehe von Sendungen und Sendeformeten entscheidet,
- Uniformität der Sender (man kann rein inhaltlich einen Privatsender nicht vom anderen unterscheiden, nur durch das eingeblendete Logo),
- Sender kaufen überwiegend von Produktionsfirmen ein, aggregieren das Material und produzieren immer weniger selbst,
- nachdem nun sogar die Europäische Kommission Schleichwerbung im Fernsehen erlaubt hat, verschwimmen werbliche Inhalte mit redaktionellem Angebot (wenn man Serien und Filme so nennen mag).
Insofern – willkommen im Club.
Danke für die Blumen! Freut uns sehr. Viele Grüße, Roland Schweins
Aber bitte sehr. Auch wenn ich das PDF auf unserem Konica Minolta bizhub 351 ums Verrecken nicht komplett ausdrucken konnte. Aber der Trend geht ja angeblich eh zum papierlosen Büro
Auf den Webseiten der Friedrich-Ebert-Stiftung kann man ein gebundenes Exemplar kostenlos bestellen. Die ganzen Bestellmöglichkeiten stehen auch hier unter dem Artikel: http://www.handelsblatt.com/studienrezension
Viele Grüße
Roland Schweins
Cool, merci für den Tipp!