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IT-Strategie

IT-Abteilungen unter Druck

Gartner singt den Blues

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von Christoph Witte (Herausgeber der COMPUTERWOCHE)

Business-Anforderungen an erster Stelle

"Wenn Sie einem Verletzten helfen wollen, der einen Arm gebrochen hat und stark blutet, rät Ihnen jeder professionelle Rettungssanitäter zu allererst die Blutung zu stoppen und sich erst dann um den gebrochenen Arm zu kümmern." Mit diesem drastischen Bild forderte Gartner-Analyst Richard Hunter die CIOs auf, sich im kommenden Jahr in allererster Linie um die Belange des Business zu kümmern: "Es dreht sich alles um die Bedürfnisse der Business-Seite und wie die IT sie am besten befriedigen kann." Dabei sollten CIOs jedoch unbedingt darauf achten, dass die Geschäftsseite auch registriere, was von der IT beigetragen werde. Schließlich "unterstützt das Business die IT nur dann, wenn Sie auch Messbares zum Geschäftserfolg beiträgt". Im übertragenen Sinne gehe es 2009 in der IT darum, "das eigene Zimmer aufzuräumen, das ganze Haus zu säubern, alles in Frage zu stellen, was man kaufen wolle, die eigenen Leute zu beschützen, die Budgets noch einmal zu überprüfen und sich auf verschiedene Zukunftsszenarien vorzubereiten."

Die IT muss produktiver werden

Jorge Lopez, Managing Vice President des Researchers, sieht allerdings weitere drastische Kostensenkungsmaßnahmen auf die IT zukommen. "CEOs kennen Moores Gesetz, wonach sich die Leistung der Prozessoren alle 18 Monate verdoppelt. Sie fragen sich nicht zuletzt deshalb, warum sie für die IT jedes Jahr mehr ausgeben sollen." Lopez geht davon aus, dass der IT eine "Ära der Produktivität" bevorsteht. "Bis 2012 werden sich in den größten Unternehmen die Einnahmen pro IT-Mitarbeiter verdoppeln", sagt er voraus. Er zitiert eine Aussage von Citibank Chef Vikram Pandit in der Financial Times: "Uns erscheint es durchaus möglich, zehn, 15 oder 20 Prozent unserer Kosten zu senken, speziell im Bereich Informationstechnologie…".

Natürlich sei die Situation für Banken zurzeit extrem, aber in solchen Grenzsituationen würden sich Unternehmen eben auch radikale Fragen stellen und die Citibank frage nach dem Nutzen der 23000 IT-Mitarbeiter. Dabei sei die Citibank keineswegs allein. HP habe bereits 2006 öffentlich angekündigt, die IT-Ausgaben im Verhältnis zum Umsatz von vier auf zwei Prozent zurück zu fahren. In konkrete Zahlen übersetzt bedeutet das eine jährliche Einsparung von zwei Milliarden Dollar.

Ein nicht namentlich genannter Finanzdienstleister will sogar von 13 Prozent auf 6,9 Prozent und ein großer Einzelhändler von drei auf 1,8 Prozent am Umsatz herunter. Dabei gehe es also nicht mehr um eine Reduzierung um ein paar Prozent, sondern fast um eine Halbierung der IT-Kosten. Das lässt sich natürlich nicht mehr mit Budgetkürzungen erreichen, dazu muss die IT radikal umstrukturiert werden. "Wir hören von immer mehr CEOs die Frage, wie können wir das schaffen, was HP geschafft hat?", berichtet Lopez. Während bis in das Jahr 2000 hinein IT-Investitionen zu bemerkenswerten Leistungsverbesserungen geführt hätten, sei seit der Jahrhundertwende die IT-Rendite gesunken. Deshalb sieht Lopez die IT jetzt in eine "Ära der Produktivität" eintreten. Ähnlich wie die Landwirtschaft in den vergangenen Jahrhunderten oder die Industrieproduktion in den vergangenen Jahrzehnten sei nun die IT aufgerufen, ihre Produktivität radikal zu erhöhen. Zurzeit hätten Unternehmenschefs den Glauben an den Zusammenhang zwischen IT-Investitionen und Umsatzwachstum verloren, erklärte Lopez. In Zukunft werde von der IT besonders in Großunternehmen verlangt, ihre Services bei sinkenden IT-Investitionen zu verbessern. Von der Produktion in Industriebetrieben werde schließlich auch ein jährlicher Produktivitätszuwachs verlangt. Diese Vorgabe sei nur für die IT-Welt neu.

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