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IT-Services

IT-Projekt der Bundeswehr

Herkules wird zum Desaster

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Das Outsourcing-Vorhaben der Bundeswehr verzögert sich und wird teuer. Der Haushaltsausschuss des Bundestags verlangt den Ausstieg.

Dem größten IT-Projekt der Bundeswehr droht einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge ein Milliardenfiasko. Die Zeitung beruft sich auf vertraulichen Unterlagen. Demnach monieren Prüfer verfehlte Planungen. Zudem liegt das Vorhaben weit hinter dem Zeitplan zurück. Das veranschlagte Budget in Höhe von 7,2 Milliarden Euro sei nicht zu halten. Laut dem Bericht ist die Kostenentwicklung derzeit nicht mehr kalkulierbar. In den vertraulichen Papieren heißt es, ein erheblicher finanzieller Mehraufwand sei "nicht zu vermeiden". Viele Arbeiten seien "noch nicht einmal begonnen". Außerdem sei ein Mehrbedarf von "10.000 IT-Arbeitsplätzen" erkennbar.

Damit wird das Projekt erneut zum Politikum. Schriftlich forderten die Haushälter aller Parteien im Bundestag den Verteidigungsminister auf, den Managern des eigens gegründeten Joint Ventures BWI-IT wegen verfehlter Ziele, keine Boni mehr zu zahlen. "Sollte die Gesellschaft das nicht vollziehen, wird das Ministerium aufgefordert, den Ausstieg aus der Gesellschaft zu prüfen", drohen die Haushaltsexperten.

In seiner Antwort darauf signalisiert das Verteidigungsministerium Ohnmacht vor den privaten Partnern, man könne die eigenen Vorstellungen nicht durchsetzen. Am Gemeinschaftsunternehmen hält der Bund nur 49 Prozent, die Mehrheit liegt bei den beteiligten Firmen Siemens und IBM. Das Ministerium kennt auch die Gründe für die steigenden Kosten: "Es fehlt der Druck des Wettbewerbs, der sich auf Preise, Qualität und Service auswirkt."

Ein Sprecher des Gemeinschaftsunternehmens BWI-IT räumte gegenüber der COMPUTERWOCHE ein, dass es Verzögerungen gibt, die auch nicht mehr zu kompensieren sind. Betroffen seien zwei von insgesamt acht Teilprojekten. Man habe die Arbeiten an der Erneuerung der lokalen Netze in den Kasernen gestoppt, weil die ursprüngliche Planung den anvisierten Kostenrahmen gesprengt hätte. Ursprünglich hatte die Bundeswehr den kompletten Austausch aller vorhandenen LANs und neue Leitungen und Netzkomponenten gefordert. Derzeit prüft die BWI-IT, welche installierten Netze den vereinbarten Service-Level-Agreements (SLAs) hinsichtlich Bandbreite und Fernwartbarkeit genügen. Später sollen nur solche Kabel und Geräte erneuert werden, die den Anforderungen nicht entsprechen. Infolge dieser Verzögerung hat sich auch der Austausch der 140.000 PC-Arbeitsplätze verschoben. Sie sollen erst dann erneuert werden, wenn geklärt ist, wie die Netze künftig gestaltet werden.

Die Schwierigkeiten beschreiben die Prüfer im jährlichen Fortschrittsbericht, der unter anderem dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags vorgelegt wurde. Für Unmut unter Politikern sorgten allerdings nicht allein die Projektverzögerungen, sondern auch die Mehrkosten und ausgezahlten Boni an Manager der BWI-IT. Dessen Sprecher bestätigte, der Haushaltsausschuss habe den Ausstieg aus dem Projekt gefordert. Das Verteidigungsministerium habe sich dem Votum jedoch nicht angeschlossen. Die Kosten seien gestiegen, weil die Bundeswehr etwa 10.000 weitere PC-Arbeitsplätze benötige. Das aber decke das unterschriebene Abkommen nicht ab. (jha)

Das Herkules-Projekt

Das Outsourcing- und Modernisierungs-Vorhaben der Bundeswehr im Überblick:

  • Die Ursprünge des Vorhabens gehen auf Verteidigungsminister Rudolf Scharping zurück. Er unterzeichnete im Dezember 1999 einen Rahmenvertrag mit der Industrie.

  • Ziel des Vorhabens ist, die nicht militärische Informationstechnik zu erneuern und von externen Firmen betreiben zu lassen.

  • Im Rahmen des Projekts sollten 140.000 Computerarbeitsplätze, 7000 Server, 300.000 Festnetztelefone und 15.000 Mobiltelefone an mehr als 700 Liegenschaften (Kasernen) in Deutschland erneuert und vereinheitlicht werden.

  • Das Volumen belief sich zunächst auf 6,5 Milliarden Euro über eine Laufzeit von zehn Jahren. Der Auftragswert wurde später auf 7,2 Milliarden Euro korrigiert.

  • Den Zuschlag bekam im März 2006 die Bietergemeinschaft SI, bestehend aus Siemens Business Services (heute SIS) und IBM.

  • Das Projekt wird von dem Joint Venture BWI-IT verantwortet. Das Gemeinschaftsunternehmen gehört zu 49,9 Prozent der Bundeswehr. Die Mehrheit der Anteile teilen sich SIS (50,5 Prozent) und IBM (0,5 Prozent).

  • Im Dezember 2006 haben die Partner den Vertrag unterzeichnet.

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