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IT-Services

Kai Simon, Gartner Deutschland

IT Governance: Spagat der "Glokalisierung"

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von Kai Simon
International tätige Unternehmen müssen eine Balance finden zwischen einer zentralen Steuerung der IT und den Bedürfnissen auf lokaler Ebene. Geht das Gleichgewicht verloren, drohen hohe Effizienzverluste, die weit über die IT hinausgehen.

Viele IT-Organisationen streben nach globaler Standardisierung und zentraler Steuerung der IT – in der Hoffnung, dadurch IT-Kosten zu reduzieren und Effizienz zu steigern. IT ist jedoch selten Selbstzweck des Unternehmens, sondern soll der Geschäftsstrategie und ihren Anforderungen folgen. Meist ist für diesen Abgleich eine enge Zusammenarbeit zwischen lokalen Geschäftseinheiten und lokaler IT sinnvoll. Wie kann ein Unternehmen diese auf den ersten Blick widersprüchlichen Herausforderungen – Zentralisierung für Effizienz, Lokalisierung für Effektivität – miteinander in Einklang bringen? Schlüssel zum Erfolg ist die richtige und vor allem unternehmensspezifische Mischung aus zentraler und lokaler Governance.Dafür gibt es das Kunstwort "Glokalisierung".

Der Widerspruch gestaltet sich konkret so: Einerseits müssen immer mehr kritische Geschäftsprozesse durchgängig über Landes- und Regionsgrenzen hinweg unterstützt werden – dies erfordert eine Harmonisierung von Prozessen und Daten und legt einen zentralisierten Governance-Ansatz nahe. Andererseits gibt es lokale geschäftliche und rechtliche Anforderungen, was für einen dezentralen Ansatz spricht. Beide Anforderungen existieren in den meisten Unternehmen in unterschiedlich starker Ausprägung parallel. Typische Beispiele für diese Problematik finden sich in den Bereichen der Finanzdienstleistungen oder auch der pharmazeutischen Industrie, in denen die Ausgestaltung von Produkten oder regulatorische Anforderungen lokalen Gegebenheiten unterworfen sind.

Somit stellt sich für den CIO nicht die Frage des Entweder Oder, sondern welche Balance zwischen Zentralisierung und Dezentralisierung den größten Geschäftsnutzen ermöglicht. Grundsätzlich gilt: Zentralisierung so weit wie möglich, aber nicht weiter als nötig.

Hierbei lassen sich, je nach Druck in Richtung globaler Integration und lokaler Anpassung, drei Governance-Ansätze unterscheiden: zentralisiert, föderal und multi-lokal. (siehe Tabelle)

Drei  Governance-Ansätze

Drei Governance-Ansätze

Anders als in den vergangenen Jahrzehnten, in denen dezentrale Strukturen favorisiert wurden, setzen die meisten großen Unternehmen heute auf eine föderale Struktur mit Betonung der zentralen Elemente. Die Zentralisierung findet hierbei schwerpunktmäßig im Bereich der Geschäftsprozessharmonisierung und -optimierung sowie bei der Konsolidierung und Rationalisierung von Commodity-Services statt.

So weit zum idealtypischen Bild. In der Realität sind jedoch viele Organisationen weit von der Theorie entfernt. Da entsprechende Prozesse und Strukturen fehlen, stellt sich die zentrale IT bei der Durchsetzung einer zentralen oder föderalen Governance häufig als zahnloser Tiger dar. Typische Symptome einer fehlenden Governance und somit Effizienz- und Effektivitätshemmer sind:

  1. umfangreiche IT-Ausgaben außerhalb des regulären IT-Budgets,

  2. so genannte Schatten-IT-Abteilungen in den Fachabteilungen sowie

  3. lokale IT-Abteilungen, die ausschließlich der Linienorganisation unterstehen.

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