CW-Subnets     |     Executive Briefings     |     Blogs & Forum     |     CW-TV     |     Newsletter     |     RSS
Schließen
Dock ein-/ausblenden
IT-Services

Service Center in der Kritik

Call-Center: Jung und unprofessionell

Drucken |  Empfehlen |  PDF |  Merken

Call-Center beuten ihre Mitarbeiter aus

Kerstin S., Dresden: "Ich habe für ein Outbound-Center Zeitschriften und Bücher verkauft. Die Mitarbeiter wurden allesamt als freie Handelsvertreter beschäftigt. Nur in der Einarbeitungszeit gab es einen festen Stundenlohn von fünf Euro, danach wurden wir bloß noch auf Erfolgsbasis bezahlt. Bei meiner Einstellung hieß es, man könne zwölf bis 13 Euro die Stunde verdienen. Ich habe etwa sieben bis acht Euro geschafft. Einige Mitarbeiter mussten sich mit einem Stundenlohn unter fünf Euro begnügen." Die Branche ist in eine preisliche Abwärtsspirale geraten und gibt den Druck an ihre Angestellten weiter. Das gilt nicht nur für Raubritter, die mit ihren Call-Centern schnelles Geld verdienen wollen, sondern auch für seriöse Anbieter. Im Inbound-Geschäft, also bei der Anrufannahme von Kundengesprächen, wird die Produktivminute eines Agenten derzeit für 38, zum Teil auch für 36 Cent verkauft. Pro Stunde können Mitarbeiter etwa 42 bis 48 Minuten telefonieren, nur diese Zeit bezahlen die Auftraggeber. Im ungünstigen Fall erlösen die Call-Center also rund 15 Euro pro Stunde. Davon müssen sie den Agenten, das Management, die Betriebskosten und Investitionen in die Technik bezahlen. Wen wundert es da, dass die Betreiber beim Gehalt geizen und den Einfluss der Gewerkschaften scheuen. Bis heute konnte beispielsweise die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nicht in der Call-Center-Branche Fuß fassen.

Einige Anbieter haben mit der Auslagerung der Arbeitsplätze in Niedriglohnländer reagiert. Eine besondere Rolle spielt zudem Istanbul, wo die Anbieter zweisprachig aufgewachsene Türken einstellen. "Das Nearshore-Thema wird übertrieben dargestellt", winkt CCF-Präsident Stockmann ab. Seiner Einschätzung zufolge bedienen weniger als 10.000 ausländische Agenten deutsche Kunden.

Problematisch ist der Teufelskreis aus Preisdumping der Anbieter, Kostendruck der Kunden und kurz laufenden Verträgen. Die großen und etablierten Anbieter drücken die Preise, weil sie von wenigen großen Kunden abhängig sind. Laufen die Abkommen aus, deren Laufzeit sich oft nur über Monate erstreckt, geraten die Call-Center-Betreiber in Zugzwang. Sie müssen den Kunden behalten, um die aufgebaute Belegschaft weiter beschäftigen zu können. Die Auftraggeber wiederum betonen zwar die Qualität in der Kundenbetreuung. Den Erfolg ihrer Einkäufer für Serviceleistungen bewerten sie in der Regel aber an finanziellen Kenndaten und nicht anhand der Servicequalität.

Der Ausweg aus der Spirale führt nur über gute Leistung: Auftraggeber müssen Qualität nachfragen, die Betreiber müssen sie liefern. "Schwarze Schafe können wir nicht verhindern. Auch in anderen Branchen gibt es Gesetzesbrecher. Was mich ärgert, sind die schlechten Kampagnen etablierter Anbieter. Hier haben wir noch ein Qualitätsproblem", schimpft Stockmann. Gut gemeinte Aktionen wie das einheitliche Gütesiegel von Call-Center-Forum und DDV (Deutscher Direktmarketing Verband e.V.) allein bringen nichts, wenn die Call-Center einen schlechten Job machen.

(3 Beiträge), 
Kommentieren
jeliel
hi dschien, da hast du vollkommen recht. es wird auch viel über die arbeitsbedingungen so wie über den gehalt gesprochen. Es gibt sicher genau so viele unfreundliche Kunden wie auch Agenten. Da ich telefonieren eh nicht als meine leidenschaft bezeichnen könnte, wäre das nicht wirklich ein job für mich. grüsse zum Beitrag

dschien
na ja, etwas schwierig, wenn man als Call-Center-Agent im Minutentakt telefoniert, sich immer wieder den Sonnenschein zu bewahren. Außerdem referiert der Herr Geffroy über Neukundengewinnung, das ist nun wirklich ein undankbares Geschäft. zum Beitrag

jeliel
Hallo, da ich hier schon einige gute Tipps bekomme hab, wollte ich auch mal einen los werden. Passend zum Thema hab ich heute auch das Video der Woche, bei http://www.youedu.tv, von Herrn Edgar Geffroy gesehen. Liebe Grüsse zum Beitrag


Beitrag schreiben

Noch kein Forums-Mitglied?
Dann gleich hier anmelden.

IT-SERVICE: CW-REDAKTEURE EMPFEHLEN
So viel darf ein Consultant kosten (Foto: Thomas Weissenfels/Fotolia.de) So viel darf ein Consultant kosten Dass erfahrene Consultants im Vergleich zu Newbies oft das Drei- oder Vierfache an Honoraren einstreichen, ist bekannt. Doch welche Tagessätze sind ei ...
weiter
IT-Outsourcing auf Augenhöhe (Foto: ag visuell/fotolia) IT-Outsourcing auf Augenhöhe Die IT-Abteilungen von Mittelständlern stehen unter erheblichem Leistungs- und Kostendruck.
weiter
Die Geschichte von Atos und SIS (Foto: Atos Origin) Die Geschichte von Atos und SIS Mit der Übernahme von SIS durch Atos Origin endete eine lange Leidensgeschichte der einstigen Siemens-IT-Sparte. Ein Rückblick mit Bildern.
weiter
Die Geschichte von Fujitsu (Foto: Fujitsu) Die Geschichte von Fujitsu Mainframes, Server, PCs, mobile Geräte und Cloud-Services: Fujitsu Technology Solutions spiegelt in seiner wechselvollen Geschichte auch die rasante E ...
weiter
Die Top Ten der SAP-Berater (Foto: SAP) Die Top Ten der SAP-Berater SAPs ERP-Lösungen sind erste Wahl in den Unternehmen. Wir nennen Ihnen Stärken und Schwächen der größten SAP-Beratungshäuser.
weiter
Jobangebote
FEATURED LINKS

KOSTENLOSE NEWSLETTER VON COMPUTERWOCHE
Nachrichten morgens
Whitepaper
Nachrichten mittags
CW-Mittelstand
Highlights der Woche
Hardware
SAP-Newsletter
Software
Job + Karriere
Open-Source
Stellenmarkt
Produkte + Techn.
Freiberufler
Security
Server + Storage
Netzwerke
Mobile & Apps