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Compliance & Recht

Zeugnisse auf dem Prüfstand

Noten in qualifizierten Arbeitszeugnissen

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von Renate Oettinger (freie Journalistin)

Kritik auch abseits der Gesamtnote möglich

Kundige der Zeugnisschreibung wissen zudem, dass es unzählige Möglichkeiten gibt, auch abseits der Gesamtnote Kritik an den Leistungen eines Beschäftigten anzubringen. Darauf weist auch der Befund hin, dass tatsächlich rund 80 Prozent aller untersuchten Arbeitszeugnisse teils so gravierende Auffälligkeiten aufwiesen, dass die Gesamtnote nicht mehr glaubwürdig wirkte.


Foto: Fotolia.com/CW

Selbst wenn der überwiegende Teil der entsprechenden Mängel auf Unkenntnis des Arbeitgebers zurückzuführen sein sollte, liegt der Schluss nahe, dass Leerstellen und Widersprüche in der Bewertung regelmäßig benutzt werden, um eine gute oder sehr gute Gesamtwertung auf versteckte Weise wieder zu relativieren bzw. zu entkräften. Solche Feinheiten kann letztlich nur ein erfahrener Zeugnisexperte zuverlässig einordnen, ein Arbeitnehmer ohne den entsprechenden fachlichen Hintergrund wird hier in der Regel wenige kritische Punkte erkennen.

Zeugnisse gewinnen an Bedeutung

Die deutliche Verbesserung der Gesamtwertung in Arbeitszeugnissen weist zudem klar darauf hin, dass die erhöhte Mobilität auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich auch zu einer erhöhten Bedeutung dieser Leistungsnachweise für die Arbeitnehmer geführt hat. Ohne entsprechende Veranlassung, d.h. ohne verstärktes Nachfragen/Reklamieren seitens der Beschäftigten wäre ein Sprung um eine halbe Note in weniger als 15 Jahren kaum zu erklären.

Und dieser Befund deckt sich auch mit einer weiteren Auswertung von uns, wonach sich bei einem Wunsch zu einer Korrektur von Arbeitgeberzeugnissen die Arbeitnehmer fast immer eine Note besser einschätzen als der Vorgesetzte. Bereits jetzt wird es also immer wichtiger, bei Arbeitszeugnissen intensiv "zwischen den Zeilen" zu lesen, um die tatsächliche Leistungsbeurteilung bei einem Stellenbewerber nachvollziehen zu können.

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