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Generation Google lernt nichts mehr auswendig

04.12.2008 um 09:10 Uhr
Autor(en): pte pte.
An der Frage, ob Schüler im Wiki-Zeitalter noch Informationen auswendig lernen müssen, scheiden sich die Geister.

Das althergebrachte Auswendiglernen von trockenen Fakten und Zahlen ist für die meisten Schüler heute nur noch reine Zeitverschwendung. Google, Wikipedia und Online-Bibliotheken machen jegliche Informationen per Mausklick zugänglich und das klassische Büffeln damit oft überflüssig. Für stures Auswendiglernen sei heute kein sinnvoller Platz mehr in den Schulen, meint Don Tapscott, Autor des Bestsellers "Wikinomics" und Vorreiter der Internet-Generation. Es sei viel besser, den Kindern kreatives Denken beizubringen, sodass diese lernen können, wie mit den Informationen aus dem Netz richtig umzugehen ist. "Lehrer sind nicht mehr die Quelle allen Wissens, sondern das Internet", meint Tapscott. Kinder sollten über Geschichte Bescheid wissen, müssten aber nicht jedes einzelne Datum parat haben. Mit einer Basis an Grundwissen sei es für die junge Generation jederzeit möglich, die restlichen Fakten zu googeln.

Lehrer betrachten die Thematik allerdings etwas anders. "Die Physiologie und Psychologie der Lern- beziehungsweise Gehirnvorgänge ändert sich nicht durch das Internet. Das Netz mag zum Recherchieren interessant sein. Dies zu nutzen, dazu muss man Schüler erziehen", sagt Josef Kraus, Präsident des deutschen Lehrerverbands, auf Nachfrage von pressetext. Man müsse sie aber auch dazu erziehen, zu erkennen, dass das Internet zu 90 Prozent Unsinn biete. "Auswendiglernen wird nicht überflüssig, man denke nur an Fremdsprachen", ergänzt Kraus. Wer kein Vorratswissen habe, sei nicht kommunikationsfähig und auch nicht politisch mündig. "Wer nicht mitreden kann, weil er vorher erst alles downloaden muss, ist verführbar für jede Propaganda und Lüge, die ihm aufgetischt wird", gibt Kraus zu bedenken.

Tapscott seinerseits verwehrt sich gegen die Kritik, sein Zugang zu Wissen entspreche einer "Anti-Lern-Haltung", berichtet "Times Online". Die Fähigkeit, neue Sachen zu lernen, sei heute wichtiger denn je. Er ergänzt aber, dass "Kinder ihr Grundwissen heute laufend erneuern müssen" und das Auswendiglernen von Fakten und Zahlen nur Zeitverschwendung sei. Der Autor vertritt außerdem die Meinung, dass das Unterrichtsmodell, das derzeit hauptsächlich in den Schulen vorherrscht, für das Industriezeitalter konzipiert war. "Das mag gut für eine Massenproduktionswirtschaft gewesen sein, aber es bringt nichts für die Herausforderungen der digitalen Wirtschaft", meint Tapscott. Ganz anders als Lehrerverbands-Präsident Kraus geht der Autor davon aus, dass die Gehirnvorgänge der jungen Leute heute anders als jene der Elterngeneration ablaufen. Die digitale Realität, in der Kinder gleichzeitig SMS verschicken, im Web surfen und MP3s hören, könne ihnen auch dabei helfen, kritische Denkweisen zu entwickeln, glaubt Tapscott.

Dass die Ansichten des Internetverfechters nicht allgemein akzeptiert werden, liegt auf der Hand. Die britische, staatliche Schul-Aufsichtsbehörde Ofsted berichtete, dass die Kenntnis einzelner Schlüsselinformationen für die Schüler nicht dazu ausreicht, sich einen adäquaten Gesamtüberblick - etwa über Geschichte - zu verschaffen. Kraus warnt gegenüber pressetext außerdem davor, sich im Unterreicht nur auf das Internet zu verlassen. "Viele Schüler, die ihre Arbeiten nur mit Hilfe von Google und Wikipedia anfertigen, erleiden Schiffbruch. Es geht auch zukünftig nicht ohne Buch." Gleichzeitig orientieren sich aber auch immer mehr Schulen in Richtung alternative Lehrmethoden und verzichten zum Beispiel auf Frontalunterricht. Stattdessen werden Gruppen gebildet, die im Stile eines Seminars über Themen diskutieren. (pte)



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