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Interview mit Prof. Wolfgang Wahlster

Web 3.0 ist bald überall

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Semantisch arbeitende Servicedienste und die Vernetzung von Gebrauchsgegenständen machen das Web der nächsten Generation zur allgegenwärtigen Antwortmaschine, prognostiziert Wolfgang Wahlster, Experte für Computerlinguistik und künstliche Intelligenz.

CW: Herr Professor Wahlster, warum wird das semantische Web kommen?

Wahlster: Die Anforderungen an die Internet-Suche werden komplexer: Gerade mit den zunehmend mobilen Anwendungen muss schneller und präziser die passende Information gefunden und der richtige Dienst aufgerufen werden. Wir brauchen immer häufiger sofort präzise Antworten und Resultate, ohne dass wir einer Suchmaschine unsere Anfrage in mehreren Varianten eingeben oder uns durch Hunderte von Dokumentverweisen durcharbeiten müssen. Ein Beispiel: Ich bin mit dem Auto im Ausland unterwegs, und mein Kind auf dem Rücksitz klagt über starke Bauchschmerzen. Ich suche also den nächstgelegenen Kinderarzt, kann in dieser Situation aber schlecht die Gelben Seiten oder andere Auskunftsdienste bemühen oder während der Fahrt gar im Internet surfen. Ich benötige trotzdem den Namen, die Adresse und die Telefonnummer des Arztes. Ein intelligentes Suchsystem im Auto kann mir all das mit Hilfe von Satellitennavigation und Internet schnell zusammensuchen, dabei prüfen, ob die Praxis geöffnet ist, und mich dann umgehend telefonisch mit dem Arzt verbinden - ohne dass ich selbst jeden Schritt einzeln aktivieren muss. Das geht nur mit semantischen Web-Diensten, bei denen der Rechner gleich zu Beginn versteht, was ich eigentlich von ihm möchte.

Wolfgang Wahlster rät besonders mittelständischen Unternehmen, sich verstärkt an der Forschung und Entwicklung von zukunftsträchtigen Web-Diensten zu beteiligen.
Wolfgang Wahlster rät besonders mittelständischen Unternehmen, sich verstärkt an der Forschung und Entwicklung von zukunftsträchtigen Web-Diensten zu beteiligen.

Wir haben ein solches semantisches Internet der Dienste bereits in unserem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt Smartweb als Prototyp realisiert und führen dies jetzt im Theseus-Projekt zur Produktreife. Das heutige Web ist ein syntaktisch organisiertes, so dass eine Suchmaschine mit genau definierten Begriffen gefüttert werden muss - der Mensch passt sich daran an, wie die Software arbeitet. Buchstabenfolgen werden blind mit einem Index verglichen. Um darüber hinauszukommen, müssen wir weiterführende Informationen zu jedem Dokument in das Web einstellen, mit deren Hilfe die Software auch inhaltlich versteht, was wir von ihr möchten und was die Semantik eines Dokuments ist.

CW: Basiert das semantische Web also auf künstlicher Intelligenz?

Wahlster: Im semantischen Web steckt natürlich ein Schuss KI. Geht es um die semantische Annotation von Milliarden Internet-Seiten, die kein Mensch alleine bewältigen kann, so kommen KI-Technologien ins Spiel. Informationsextraktionssyssteme können beispielsweise Eigennamen, Datumsangaben und einfache Relationen zwischen Begriffen automatisch in Web-Dokumenten erkennen und autonom mit einer semantischen Markierungssprache annotieren. Die automatische Konvertierung einer klassischen Website in eine semantische Seite ist heute aber nur in begrenztem Rahmen möglich. Es kommen also durchaus KI-Technologien wie das maschinelle Lernen ins Spiel, absolut zuverlässig sind die aber noch lange nicht und deshalb bisher auch nicht für jede komplexe Aufgabe einsetzbar.

Zweck des semantischen Web ist es aber auch, dass ein Rechner aufgrund von maschinenverstehbaren Web-Seiten selbst Schlussfolgerungen aus eingegebenen Daten ziehen und die Konsistenz von Eingaben überprüfen kann. Wenn eine gesuchte Antwort in einer anderen bereits enthalten ist oder eine Information einer anderen widerspricht, können semantische Web-Dienste dies aufdecken. Die heutige Vernetzung von Dokumenten geht damit über in eine neuartige Wissensinfrastruktur, die präzise Antwortmaschinen statt unscharfer Suchmaschinen ermöglicht.

CW: Ist es dazu mitentscheidend, dass sich intelligente Technologien wie RFID weiter ausbreiten?

Wahlster: Ja, das wird aber noch fünf bis zehn Jahre dauern, bis wir dies auf breiter Basis erleben werden. Zunächst werden wie beim Web 1.0 und 2.0 nur einzelne Branchen auf den Zug aufspringen, später wird das Web 3.0 - das Web 2.0 ergänzt um semantische Technologien - fast überall verfügbar sein. Im Internet der Dinge kommunizieren Geräte, Systeme bis hin zu Alltagsgegenständen drahtlos untereinander. Viele große Unternehmen wie SAP oder Siemens arbeiten bereits mit uns an derartigen Konzepten, an der Verknüpfung vorhandener Web-Services mit physischen Gegenständen und realen Prozessen.


(1 Beitrag), 
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GPeter
Es stellen sich weitaus bedeutendere Fragen: ? woher kommen die multilingualen bzw. sprachneutralen Thesauren, Klassifikationen ? ? wer ist für deren Aufbau und Pflege zuständig ? ? wie kann der einzelne Endanwender darauf Einfluß nehmen ? ? wie kann der einzelne Endanwender davon aktiv profitieren ? ? wie kann die einfache Transparente Handhabung gesichert werden ? ? wie kann der einzelne Endanwender identifiziert werden ohne seine Anonymität aufzugeben ? zum Beitrag


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