computerwoche.de
Newsletter  |   CW-TV  |   Bilder-Galerien  |   Blogs & Forum  |   CW mobil  |   RSS  |   Aboshop


VoIP & TK

Microsoft erhebt seine Stimme in der Unternehmenskommunikation

17.10.2007 um 14:43 Uhr
Mit seinem neuen "Office Communications Server 2007" wildert Microsoft im angestammten Revier von TK- und Netzausrüstern.

Microsoft hat gestern seinen Office Communications Server (OCS) 2007 vorgestellt. OCS läuft auf großen Server-Systemen und erlaubt es Nutzern der Office-Büroanwendungen, Sprachanrufe von ihrem PC aus und in Kombination mit E-Mail, Instant Messaging und anderen Kommunikationsformen zu verwalten. Ausgestattet mit einem Headset kann man etwa durch Klick auf einen Namen in einer Adressliste ein Telefonat starten. Das ist aber bei weitem nicht alles - zu einer Telefonkonferenz lassen sich beispielsweise Teilnehmer hinzuschalten, indem man ihre Namen per Drag and Drop hineinzieht.

Derartige Möglichkeiten, von Microsoft (und anderen) als "Unified Communications" bezeichnet, werden laut Firmengründer und Chairman Bill Gates "genauso umwälzend sei wie der Wechsel von Schreibmaschinen zu Textverarbeitungsprogrammen".

Ein Screenshot aus Office Communicator 2007.
Ein Screenshot aus Office Communicator 2007.

Neben der Server-Komponente bietet Microsoft auch die passende Client-Software "Office Communicator 2007" und eine neue Version seiner Videokonferenzsoftware "Office Live Meeting" an. Dazu gesellt sich noch die 3000-Dollar-Hardware "Roundtable", die Teilnehmer eine Videokonferenz an einem Tisch in 360-Grad-Rundumsicht aufnimmt.

Telefone in Unternehmen und die dahinterliegenden Anlagen werden seit langem von Ausrüstern geliefert, die von Microsofts Brot- und Buttergeschäft mit PC-Software Welten trennen. Mit dem Vordringen von Internet-Technik in die Telekommunikation ergibt sich allerdings eine Chance, die Sprachtelefonie gleich mit über das Werkzeug zu erledigen, mit dem man auf das Internet zugreift - den PC. Als weltgrößter Anbieter von PC-Software will Microsoft diesen sich entwickelnden Markt für sich besetzen.

Die neue Microsoft-Software ist umstritten, weil sie die traditionellen Barrieren zwischen dem PC-Softwaregeschäft und den TK-Ausrüstern einreißt, die seit langem das lukrative Geschäft mit Telefonen und Telefonanlagen (PBX, Private Branch Exchange) für die Unternehmenstelefonie kontrollieren.

Ein Highend-IP-Telefon von LG Nortel.
Ein Highend-IP-Telefon von LG Nortel.

Microsoft versucht deswegen, diese Hersteller als Partner mit ins Boot zu nehmen. So werden nun unter anderem Ericsson und der kanadische Ausrüster Mitel Networks Produkte anbieten, die auf OCS zugeschnitten sind. Die beiden gesellen sich zu Nortel Networks hinzu, dass bereits im vergangenen Jahr eine Entwicklungskooperation mit Microsoft angekündigt hatte.

Es gibt aber trotzdem große Herausforderungen. Der Netz-Branchenprimus Cisco Systems beispielsweise bietet seine eigenen Unified-Communications-Produkte an und konnte stetig neue Kunden für seine Geräte für Sprachkommunikation gewinnen, die die Grundlage für höherwertige Telefonie-Software bilden.

Microsoft muss außerdem potenzielle Käufer seiner Lösung davon überzeugen, dass seine Produkte für den geschäftlichen Einsatz zuverlässig genug sind. Traditionelle TK-Ausrüstung ist teurer als Microsofts Offerten, aber stabil; Unternehmen haben wenig Verständnis für abgebrochene oder verpasste Anrufe und Voice-Mail-Nachrichten.

Outlook zeigt Präsenz - man sieht sofort, wer greifbar ist.
Outlook zeigt Präsenz - man sieht sofort, wer greifbar ist.

Dem "Wall Street Journal" gegenüber erklärte beispielsweise Larry Dusanic, Operations Director for Information Technology bei der Employers Insurance Group in Smithfield, North Carolina, er werde die Microsoft Produkte nicht einsetzen, bevor er sich nicht ganz sicher sein könne, dass sie zuverlässig laufe und keine Gespräche abbreche. "Ich würde gern ein paar weitere Versionen abwarten, bevor ich ernsthaft ein komplettes System implementiere", so Dusanic. "Ich möchte warten, bis das ausgereift ist."

Microsoft hat den OCS so entwickelt, dass er mit anderen, bereits weit verbreiteten Produkten wie dem Messaging- und Groupware-Server Exchange zusammenspielt. Bestandskunden aus Microsoft-Shops werden vermutlich als erste mit OCS und verwandter Voice-Software experimentieren.

Laut Jeff Raikes, President der Business-Sparte von Microsoft, müssen Unternehmen mit Volumenlizenzen rund 55 Dollar pro PC einkalkulieren, um ihre Rechner mit den Sprachfunktionen von OCS und dessen verwandten Produkten nachzurüsten. (tc)


Leserkommentare 
(0 Beiträge), 
Kommentieren

Beitrag schreiben

Noch kein Forums-Mitglied?
Dann gleich hier anmelden.

VOIP UND TK: CW-REDAKTEURE EMPFEHLEN
Stromfresser VoIP? Stromfresser VoIP? Nach Berechnungen des VAF - Bundesverband Telekommunikation kann der Stromverbrauch von VoIP-Systemen hohe Kosten im Unternehmen verursachen. weiter
Unternehmensschatz TK-Kosten Unternehmensschatz TK-Kosten Viele Unternehmen sitzen, ohne es zu wissen, auf einem Schatz: ihren Kommunikationskosten. Wir zeigen Ihnen, wie Sie ihn heben können.  weiter
TK-Kostenfallen entschärfen TK-Kostenfallen entschärfen Veraltete oder allzu moderne TK-Anlagen, unnötige Gebühren und schlechte Verträge kosten viel Geld. Wir zeigen, wie Sie sparen können.  weiter
Fit für Unified Communications Fit für Unified Communications So schützen sich IT-Verantwortliche bei der Einführung von Unified Communications im Unternehmen vor unliebsamen Überraschungen.  weiter
Werden Sie abgehört? Werden Sie abgehört? Nicht nur der Bundestrojaner bedroht die Privatsphäre, auch Telefonate lassen sich mit einfachen Mitteln belauschen.  weiter
Stromfresser VoIP? Unternehmensschatz TK-Kosten TK-Kostenfallen entschärfen Fit für Unified Communications Werden Sie abgehört?
MEHR ZUM THEMA VOIP & TK
  • Artikel
  • Whitepaper
FEATURED LINKS

KOSTENLOSE NEWSLETTER VON COMPUTERWOCHE
Nachrichten morgens
Whitepaper
Nachrichten mittags
CW-Mittelstand
Highlights der Woche
Hardware
Neu: SAP-Newsletter
Software
Job + Karriere
Open-Source
Stellenmarkt
Produkte + Techn.
Freiberufler
Security