Andrew Morton merkt hierzu an, dass es sich bei der aktuellen Integration um vorbereitende Arbeiten für die Namespace-Virtualisierung handelt. "Diese sind für sich alleine genommen noch nicht sehr nützlich. Aber wenn wir davon ausgehen, dass eine vollständige Virtualisierung der Namespaces Eingang in Linux finden wird, gibt es durchaus Sinn, die verschiedenen Funktionen nach und nach in den Mainline-Kernel aufzunehmen."
Die beiden großen Distributionen warten erst einmal ab, ob die Container-Technik sich auf breiter Front durchsetzen wird. "OpenVZ ist ein ganz anderer Ansatz als Xen. Es handelt sich um zwei Konzepte für unterschiedliche Anforderungen", so Red-Hat-Manager Riek. "Für RHEL 5 spielt das Container-Konzept keine Rolle. Langfristig dürfte es aber Eingang in die Distribution finden, wenn die Kunden dies wünschen." Srinivasan von Novell äußert sich etwas konkreter: "Wenn die Container-Technik ein fester Bestandteil des Linux-Mainstream wird, werden wir diese Lösung vermutlich in unsere Distribution integrieren."
Wer OpenVZ mit Red Hat oder Suse nutzen möchte, kann dies aber heute schon tun: Im Sommer 2006 wurde OpenVZ als Kernel-Build für RHEL veröffentlicht, und für SLES 10 ist ein OpenVZ-Patch-Set erhältlich. Projektleiter Kolyshkin hat zudem noch einen Tipp parat: "OpenVZ und Xen lassen sich auch gemeinsam einsetzen, indem der OpenVZ-Kernel als Xen-Domäne ausgeführt wird."
Für Unruhe im Linux-Lager sorgt derzeit Microsoft. Im letzten Sommer hat der Softwaregigant eine Kooperation mit Xensource bekannt gegeben. Ein wichtiges Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, für Xen para-virtualisierte Linux-Gastsysteme unter dem Longhorn-Hypervisor zum Laufen zu bringen. Microsoft hat zudem zugesichert, technischen Support für Windows-Systeme zu leisten, die als Gast auf der Xen-Enterprise-Lösung von Xensource laufen.
Anfang November haben Microsoft und Novell eine weit reichende Zusammenarbeit angekündigt, durch die sich die Rahmenbedingungen im Virtualisierungsmarkt erneut verändern werden. Als ein wichtiges Ziel der Kooperation geben die beiden Hersteller an, dass sich sowohl Windows- als auch Linux-Server auf beiden Plattformen virtualisieren lassen sollen. Durch dieses Agreement gerät vor allem VMware noch mehr unter Druck. Für das Unternehmen besteht die Gefahr, dass es Microsoft und Novell mit vereinten Kräften gelingen könnte, seine bisherige Vormachtstellung im x86-Virtualisierungsmarkt für Windows- und Linux-Systeme zu untergraben.
"Xen und OpenVZ lassen sich auch gemeinsam einsetzen, indem der OpenVZ-Kernel als Xen-Domäne ausgeführt wird." Kir Kolyshkin, OpenVZ-ProjektÜber Erfolg oder Mißerfolg in diesem Markt entscheidet aber letztendlich, ob für die jeweilige Virtualisierungslösung auch leistungsfähige Management-Werkzeuge verfügbar sind. Kurt Daniel, Vice President Marketing and Alliances bei SWsoft, bringt dies folgendermaßen auf den Punkt: "Die Auseinandersetzungen zwischen den Herstellern und ihren unterschiedlichen technologischen Konzepten gehen an der eigentlichen Frage vorbei. Diese lautet: Stehen effiziente Tools für die Verwaltung der virtuellen Plattform zur Verfügung? Denn nur dann lassen sich die Vorteile der Virtualisierung tatsächlich nutzen." Aus diesem Blickwinkel heraus schätzt Daniel die Kooperation von Microsoft und Xensource so ein, "dass Microsoft gerade erst die Startposition einnimmt, während das Rennen schon eine ganze Weile läuft".
Was die Leistungsfähigkeit der Management-Werkzeuge angeht, hat VMware bislang klar die Nase vorn. Das könnte sich allerdings bald ändern, da eine ganze Reihe Hersteller daran arbeiten, Verwaltungs-Tools für virtualisierte Umgebungen zur Verfügung zu stellen. Zu ihnen zählt zum Beispiel Virtual Iron, das bislang mit Xen virtualisierte Server verwaltet und daran arbeitet, künftig auch Windows-Systeme zu unterstützen. Xensource leistet dies bereits heute und integriert zudem Solaris 10.
SWsoft hat eine Management-Lösung angekündigt, die laut Hersteller in der Lage sein soll, nicht nur die eigene Container-Lösung für Linux und Windows, sondern auch mit Xen- und VMware-Umgebungen zu verwalten. IBM hat ebenfalls vor kurzem ein entsprechendes Produkt anvisiert: Mit dem neuen Virtualisierungs-Manager des "IBM Systems Director" sollen sich nicht nur die hauseigenen Power-Virtualisierungs-Server verwalten lassen, sondern auch Systeme, die unter VMware, Microsoft Virtual Server oder Xen laufen.
Im Markt für die Virtualisierung von x86-Servern werden die Karten derzeit neu gemischt. Bis vor kurzem hatte VMware quasi eine Monopolstellung inne, die aber inzwischen von mehreren Seiten angegriffen wird. Für Linux stehen mit Xen und OpenVZ zwei Open-Source-Alternativen zur Verfügung, die zwar noch nicht den Reifegrad von VMware erreicht haben, in Sachen Performance aber durchaus ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen sind. Auch Microsoft unternimmt große Anstrengungen, den Vorsprung von VMware aufzuholen, und geht dafür sogar weit reichende Kooperationen mit dem bisherigen Erzfeind Linux ein. Was die Breite der unterstützten Betriebssysteme und die Leistungsfähigkeit der Verwaltungswerkzeuge angeht, hat VMware aber bislang nach wie vor klar die Nase vorn. Für gemischte Server-Umgebungen bleibt der Virtualisierungs-Platzhirsch damit die erste Wahl.